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Die Blekingegade-Bande: Linksterrorismus in Dänemark

Wie eine kommunistische Terrorgruppe jahrelang unentdeckt blieb

Blekingegadebanden: Terrorcellen der revolutionerede PET
BEVIS

Sagsdetaljer

Quick Facts

Klassifikation:

Fälle, die die Welt veränderten
Sted
Copenhagen, Denmark

Dansk venstrefløjsterror der reformerede PET

Quick Facts

LocationCopenhagen, Denmark

Die geheime Terrorgruppe aus der Nachbarschaft

Jahrzehntelang führten sie ein perfektes Doppelleben: Tagsüber arbeiteten sie als Lehrer, Studenten und unauffällige Bürger in Kopenhagen. Nachts verwandelten sie sich in Bankräuber und Terroristen. Eine Handvoll Dänen, die meisten mit Wurzeln in der radikalen Linken der 1960er und 70er Jahre, bildeten eine der ungewöhnlichsten Terrorgruppen Europas.

Ihre Mission: Geld für die PFLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas) zu beschaffen. Über Jahre hinweg verübten sie Banküberfälle, überfielen Postämter und begingen Betrug. Das erbeutete Geld floss direkt an palästinensische Terrororganisationen im Nahen Osten.

Die Blekingegade-Bande – benannt nach der Straße im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro, in der sich ihr konspirativer Treffpunkt befand – operierte mehr als ein Jahrzehnt lang praktisch unsichtbar. Ein beispielloser Fall von organisierter Kriminalität mit politischem Motiv in Skandinavien.

Der tödliche Überfall: Ein Polizist stirbt

Am 22. November 1988 eskalierte die Situation. Bei einem Raubüberfall in der Købmagergade, einer belebten Einkaufsstraße im Herzen Kopenhagens, eröffnete ein Mitglied der Bande das Feuer auf zwei Polizisten. Jesper Egtved Hansen wurde schwer verletzt, überlebte aber. Sein Kollege Flemming Baltzersen hatte nicht so viel Glück – er starb an seinen Schussverletzungen.

Dieser Mord an einem Polizisten war der Wendepunkt. Die Schüsse hallten durch ganz Dänemark und lösten eine intensive Fahndung aus. Was die Ermittler schließlich aufdeckten, schockierte das Land: keine gewöhnliche Räuberbande, sondern eine ideologisch motivierte Terrorzelle, die über Jahre hinweg unbemerkt operiert hatte.

PETs größtes Versagen

Als der dänische Inlandsgeheimdienst PET (Politiets Efterretningstjeneste) die Gruppe 1989 endlich zerschlug, offenbarte sich ein katastrophales Geheimdienstversagen. Die Terroristen hatten jahrelang unter dem Radar operiert – trotz ihrer regelmäßigen kriminellen Aktivitäten und internationalen Verbindungen zu bekannten Terrororganisationen.

Die Ermittlungen legten ein systematisches Problem offen: Der dänische Sicherheitsapparat war auf diese Art von inländischem Linksterrorismus nicht vorbereitet. Man hatte die Aufmerksamkeit auf andere Bedrohungen gerichtet, während eine kleine Gruppe überzeugter Kommunisten mitten in Kopenhagen einen privaten Krieg führte.

Die Blamage zwang PET zu einer kompletten Neuausrichtung. Strukturen wurden reformiert, neue Überwachungsmethoden eingeführt, und das Verständnis von innerer Sicherheit in Dänemark änderte sich grundlegend.

Das längste Verfahren der dänischen Justizgeschichte

Der anschließende Prozess wurde zu einem der längsten und komplexesten Strafverfahren in der Geschichte Dänemarks. Die Angeklagten wurden wegen Mordes, Raubüberfällen und Terrorismusfinanzierung verurteilt. Die Beweisaufnahme dauerte Monate, die politischen und ideologischen Debatten im Gerichtssaal waren intensiv.

Die Verteidigung argumentierte mit politischen Motiven und internationaler Solidarität. Die Anklage legte dar, wie eine vermeintlich noble Ideologie zur Rechtfertigung von Gewalt und Mord missbraucht wurde. Der Fall spaltete die dänische Linke und zwang eine ganze politische Bewegung zur Selbstreflexion.

Ein einzigartiger Fall in der Terrorismusgeschichte

Die Blekingegade-Bande bleibt ein Unikum: Eine linksterroristische Gruppe in Skandinavien, die über ein Jahrzehnt erfolgreich operierte – in einer Region, die als politisch stabil und sicher galt. Während in den 1970er Jahren Deutschland die RAF und Italien die Roten Brigaden erlebten, schien Skandinavien von diesem Phänomen verschont zu bleiben.

Dieser Fall bewies das Gegenteil. Er zeigte, dass ideologischer Extremismus keine Grenzen kennt und dass auch in friedlichen Wohlfahrtsstaaten Menschen bereit sind, für ihre Überzeugungen zu töten.

Das Vermächtnis: Neue Gesetze und veränderte Politik

Die Aufdeckung der Blekingegade-Bande veränderte Dänemark nachhaltig. Die Nachrichtendienstgesetze wurden verschärft, die operativen Kapazitäten von PET massiv ausgebaut. Die Debatte über ideologisch motivierten Terrorismus – damals aus der linken Ecke, heute oft von rechts oder religiös motiviert – nahm hier ihren Anfang.

Der Fall stellte unbequeme Fragen: Wie weit darf politische Überzeugung gehen? Wann wird aus Solidarität Terrorismus? Und wie erkennt eine Gesellschaft die Feinde in den eigenen Reihen?

Bis heute dient die Blekingegade-Bande als Mahnung und Studienobjekt für Sicherheitsbehörden weltweit. Sie zeigt, wie gewöhnliche Menschen mit fester Überzeugung zu Terroristen werden können – und wie schwer es ist, sie rechtzeitig zu stoppen.

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Jahrzehntelang führten sie ein perfektes Doppelleben: Tagsüber arbeiteten sie als Lehrer, Studenten und unauffällige Bürger in Kopenhagen. Nachts verwandelten sie sich in Bankräuber und Terroristen. Eine Handvoll Dänen, die meisten mit Wurzeln in der radikalen Linken der 1960er und 70er Jahre, bildeten eine der ungewöhnlichsten Terrorgruppen Europas.

Ihre Mission: Geld für die PFLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas) zu beschaffen. Über Jahre hinweg verübten sie Banküberfälle, überfielen Postämter und begingen Betrug. Das erbeutete Geld floss direkt an palästinensische Terrororganisationen im Nahen Osten.

Die Blekingegade-Bande – benannt nach der Straße im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro, in der sich ihr konspirativer Treffpunkt befand – operierte mehr als ein Jahrzehnt lang praktisch unsichtbar. Ein beispielloser Fall von organisierter Kriminalität mit politischem Motiv in Skandinavien.

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Am 22. November 1988 eskalierte die Situation. Bei einem Raubüberfall in der Købmagergade, einer belebten Einkaufsstraße im Herzen Kopenhagens, eröffnete ein Mitglied der Bande das Feuer auf zwei Polizisten. Jesper Egtved Hansen wurde schwer verletzt, überlebte aber. Sein Kollege Flemming Baltzersen hatte nicht so viel Glück – er starb an seinen Schussverletzungen.

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