Fallakte

Anders Behring Breivik: 77 Tote an einem Tag

Der Terroranschlag von Oslo und Utøya am 22. Juli 2011

🇳🇴 Norwegisch

Veröffentlicht 6. Juni 2025

A figure resembling Anders Behring Breivik stands in a stark prison cell, a barred window casting shadows. Nearby lies a stack of papers printed from his divisive manifesto, highlighting a legacy of extremism and violence.
BEWEIS

Falldetails

Quick Facts

Fallstatus
Aufgeklärt
Täter
Anders Behring Breivik
Datum
22. Juli 2011
Tatorte
Oslo (Regierungsviertel) und Utøya (Insel)
Opfer
77 Tote, ca. 243 Verletzte
Urteil
21 Jahre Haft mit Verlängerungsoption (24. August 2012)
Motiv
Rechtsextremistisch, islamfeindlich
Haftort
Telemark-Gefängnis, Norwegen

Fakten

TäterAnders Behring Breivik
Datum22. Juli 2011
TatorteOslo (Regierungsviertel) und Utøya (Insel)
Opfer77 Tote, ca. 243 Verletzte
Urteil21 Jahre Haft mit Verlängerungsoption (24. August 2012)

Am 22. Juli 2011 verübte Anders Behring Breivik zwei koordinierte Terroranschläge in Norwegen, die 77 Menschen das Leben kosteten und etwa 243 weitere verletzten. Innerhalb von weniger als zwei Stunden erschütterten eine Bombenexplosion im Osloer Regierungsviertel und ein anschließendes Massaker auf der Insel Utøya das skandinavische Land bis ins Mark.

Die Autobombe in Oslo

Um 15:25 Uhr detonierte eine Autobombe vor dem Regierungsviertel in Oslo. Breivik hatte das Fahrzeug mit 950 Kilogramm selbst hergestelltem Sprengstoff auf Düngemittelbasis beladen. Die gewaltige Explosion tötete acht Menschen und verletzte mindestens 210 weitere. Zahlreiche Regierungsgebäude wurden schwer beschädigt, darunter das Büro der damaligen Ministerpräsidentin Jens Stoltenberg, der sich zu diesem Zeitpunkt nicht im Gebäude befand.

Die Explosion war so stark, dass Fensterscheiben noch in mehreren Straßenblocks Entfernung zu Bruch gingen. Während Rettungskräfte und Polizei zum Ort des Geschehens eilten, machte sich Breivik bereits auf den Weg zu seinem zweiten Ziel.

Zeitlinie

22. Juli 2011

Bombenanschlag in Oslo

Um 15:25 Uhr detoniert eine Autobombe mit 950 kg Sprengstoff vor dem Regierungsviertel in Oslo. Acht Menschen sterben, mindestens 210 werden verletzt.

22. Juli 2011

Bombenanschlag in Oslo

Um 15:25 Uhr detoniert eine Autobombe mit 950 kg Sprengstoff vor dem Regierungsviertel in Oslo. Acht Menschen sterben, mindestens 210 werden verletzt.

22. Juli 2011

Bombenanschlag in Oslo

Um 15:25 Uhr detoniert eine Autobombe mit 950 kg Sprengstoff vor dem Regierungsviertel in Oslo. Acht Menschen sterben, mindestens 210 werden verletzt.

22. Juli 2011

Bombenanschlag in Oslo

Um 15:25 Uhr detoniert eine Autobombe mit 950 kg Sprengstoff vor dem Regierungsviertel in Oslo. Acht Menschen sterben, mindestens 210 werden verletzt.

23. Juli 2011

Geständnis

Bei Verhören gesteht Breivik beide Anschläge und erklärt sein rechtsextremistisches, islamfeindliches Motiv. Er zeigt keine Reue.

24. August 2012

Urteil: 21 Jahre Haft

Breivik wird wegen Terrorismus und 77-fachen Mordes schuldig gesprochen. Er erhält 21 Jahre Haft mit Verlängerungsoption – faktisch lebenslang.

Das Massaker auf Utøya

Weniger als zwei Stunden nach der Explosion erschien ein Mann auf der Insel Utøya im Tyrifjord, etwa 40 Kilometer nordwestlich von Oslo. Dort fand das jährliche Sommercamp der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei (AUF) statt – rund 600 Jugendliche und junge Erwachsene hatten sich versammelt.

Breivik trug eine selbst zusammengestellte Polizeiuniform und zeigte gefälschte Ausweise vor. Er gab an, wegen des Anschlags in Oslo Sicherheitsüberprüfungen durchführen zu müssen. Die Organisatoren ließen ihn auf die Insel übersetzen.

Was folgte, war ein systematisches Massaker, das etwa 90 Minuten dauerte. Breivik feuerte gezielt auf die Jugendlichen, die in Panik flohen, sich versteckten oder versuchten, schwimmend ans Festland zu entkommen. Er verwendete Hohlspitzgeschosse, die bei Aufprall expandieren und schwerste Gewebeschäden verursachen.

Als Polizeikräfte der Spezialeinheit Delta die Insel erreichten, stellte sich Breivik ohne Gegenwehr. Er hatte zu diesem Zeitpunkt noch Munition übrig. 69 Menschen waren auf Utøya gestorben, 33 weitere verletzt – die meisten von ihnen Teenager.

Festnahme und Geständnis

Breivik wurde noch am selben Tag festgenommen. Bei den anschließenden Verhören gestand er beide Anschläge. Er zeigte keine Reue, sondern bezeichnete seine Taten als "notwendig".

Nach eigenen Angaben wollte Breivik "Westeuropa vor einer muslimischen Übernahme retten" und die Arbeiterpartei "für ihre Einwanderungspolitik bezahlen lassen". Er hatte vor dem Anschlag ein 1.500 Seiten umfassendes Manifest verfasst, in dem er seine rechtsextreme, islamfeindliche Ideologie darlegte.

Psychiatrische Gutachten und Schuldfähigkeit

Die Frage nach Breiviks Zurechnungsfähigkeit wurde zu einem zentralen Punkt im Verfahren. Zwei unabhängige psychiatrische Gutachten kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen:

Das erste Gutachten diagnostizierte eine paranoide Schizophrenie und kam zum Schluss, Breivik sei zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig gewesen. Dies hätte bedeutet, dass er in die psychiatrische Verwahrung gekommen wäre statt ins Gefängnis.

Das zweite Gutachten widersprach dieser Einschätzung und stellte lediglich eine narzisstische und antisoziale Persönlichkeitsstörung fest. Demnach war Breivik voll zurechnungsfähig und strafrechtlich verantwortlich.

Das Gericht folgte der zweiten Einschätzung – eine Entscheidung, die von vielen Beobachtern als juristisch und gesellschaftlich bedeutsam angesehen wurde. Breivik sollte als Terrorist und Mörder verurteilt werden, nicht als psychisch Kranker verwahrt werden.

Das Urteil

Am 24. August 2012 sprach das Gericht in Oslo Anders Behring Breivik in allen Anklagepunkten schuldig. Er wurde nach Paragraph 147a des norwegischen Strafgesetzbuchs wegen Terrorismus sowie wegen 77-fachen Mordes verurteilt.

Das Strafmaß: 21 Jahre Haft – die damals höchstmögliche Strafe nach norwegischem Recht. Allerdings mit einer entscheidenden Klausel: Die Haft kann alle fünf Jahre verlängert werden, solange Breivik als Gefahr für die Öffentlichkeit eingestuft wird. Faktisch bedeutet dies eine lebenslange Verwahrung.

Breivik verbüßt seine Strafe im Telemark-Gefängnis, etwa 95 Kilometer südwestlich von Oslo. Er ist dort in einem Hochsicherheitstrakt isoliert untergebracht.

Breiviks Haftbedingungen und spätere Entwicklungen

In den Jahren nach seiner Verurteilung verklagte Breivik mehrfach den norwegischen Staat wegen angeblich unmenschlicher Haftbedingungen. Er bezeichnete seine Isolation als Folter. Die Gerichte wiesen seine Klagen größtenteils ab, räumten aber in einzelnen Punkten ein, dass bestimmte Einschränkungen übermäßig gewesen seien.

2016 stellte Breivik einen ersten Antrag auf vorzeitige Entlassung, der abgelehnt wurde. Weitere Anträge folgten – alle ohne Erfolg. Experten gehen davon aus, dass er niemals freikommen wird.

Bedeutung und Nachwirkungen

Der 22. Juli 2011 gilt als der schwärste Terroranschlag in der modernen Geschichte Norwegens und als einer der tödlichsten Terrorakte im Europa der Nachkriegszeit. Die Anschläge lösten weltweit Entsetzen aus und führten zu intensiven Debatten über Rechtsextremismus, Radikalisierung im Internet und die Grenzen liberaler Gesellschaften im Umgang mit Hass.

Norwegen reagierte auf die Anschläge mit einem bemerkenswerten Bekenntnis zu Demokratie und Offenheit. Ministerpräsident Stoltenberg erklärte: "Die Antwort auf Gewalt ist noch mehr Demokratie, noch mehr Offenheit."

Für die Opfer und Hinterbliebenen bedeuteten die Ereignisse einen unvorstellbaren Verlust. Viele der Überlebenden leiden bis heute unter den psychischen und physischen Folgen. In Norwegen wird der 22. Juli jedes Jahr als nationaler Gedenktag begangen.

Die Anschläge haben auch das Bewusstsein für die Gefahr durch rechtsterroristischen Extremismus geschärft – eine Bedrohung, die in den folgenden Jahren in vielen westlichen Ländern weiter zunahm.

Zu diesem Fall fragen

Antworten nur aus der Berichterstattung von KrimiNyt

Diesem Fall folgen

Erhalte eine E-Mail, wenn eine neue Doku, ein Podcast oder ein Buch zu Anders Behring Breivik: 77 Tote an einem Tag erscheint oder ein Urteil fällt.

Diesen Beitrag teilen: