Mord an Detlev Karsten Rohwedder – Düsseldorf 1991
RAF-Attentat ohne Aufklärung: Wer erschoss den Treuhand-Chef?
Veröffentlicht 8. Mai 2026

Fakten
In der Nacht zum 1. April 1991 wurde Detlev Karsten Rohwedder, Präsident der Treuhandanstalt, von einem Scharfschützen in seinem Privathaus am Kaiser-Friedrich-Ring 71 in Düsseldorf erschossen. Der Anschlag ereignete sich gegen 23:30 Uhr, als sich Rohwedder in seinem Arbeitszimmer im ersten Stockwerk aufhielt. Seine Ehefrau wurde bei dem Angriff ebenfalls verletzt. Die linksextreme Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF) bekannte sich anschließend in einem Kommuniqué, das dem internen Namen „Kommando Ulrich Wessel“ zugeschrieben wurde. Bis heute wurde niemand für das Attentat identifiziert, angeklagt oder verurteilt.
Die Tat
Zum Tatzeitpunkt bekleidete Rohwedder eine der politisch heikelsten Positionen im frisch wiedervereinigten Deutschland. Als Vorstandsvorsitzender und Präsident der Treuhandanstalt leitete er den umstrittenen Prozess der Privatisierung ehemals volkseigener Betriebe der DDR – eine Aufgabe, die auf massiven Widerstand von Teilen der deutschen Linken stieß. Die RAF betrachtete die Treuhandanstalt als Instrument des westlichen Kapitalismus.
Der Scharfschütze schoss aus großer Entfernung durch ein Fenster in Rohwedders Arbeitszimmer. Die Täter verließen den Tatort, ohne erkannt zu werden. Die RAF bekannte sich in einem Kommuniqué unter dem Namen „Kommando Ulrich Wessel“ zu dem Anschlag. Die Organisation hatte seit den 1970er Jahren eine Reihe hochrangiger Terroranschläge in Westdeutschland verübt, darunter Morde an führenden Wirtschafts- und Politikpersönlichkeiten.
Zeitlinie
Rohwedder von Scharfschütze in Düsseldorf getötet
In der Nacht zum 1. April 1991, gegen 23:30 Uhr, wird Rohwedder durch das Fenster seines Arbeitszimmers am Kaiser-Friedrich-Ring 71 erschossen. Auch seine Frau wird verletzt.
RAF bekennt sich per Kommuniqué zur Tat
Die Rote Armee Fraktion veröffentlicht ein Kommuniqué, das dem 'Kommando Ulrich Wessel' zugeschrieben wird und in dem sich die Organisation zum Mord an Rohwedder bekennt.
RAF erklärt sich für aufgelöst
Die Rote Armee Fraktion erklärt sich 1998 selbst für aufgelöst, ohne dass der Mord an Rohwedder aufgeklärt oder Täter identifiziert worden sind.
Offizielle Gedenkfeier in Düsseldorf zum 30. Jahrestag
Die Stadt Düsseldorf hält am 1. April 2022 anlässlich des 30. Jahrestages des Mordes eine offizielle Gedenkfeier für Rohwedder ab.
Ermittlungen
Die deutschen Behörden leiteten nach dem Mord umfangreiche Ermittlungen ein. Trotz intensiver Untersuchungen gelang es nie, die Verantwortlichen des präzise ausgeführten Scharfschützenangriffs zu identifizieren. Unter Akteneinsicht freigegebene Dokumente haben in den folgenden Jahrzehnten Einblick in den Umfang der Ermittlungen und die Herausforderungen gegeben, vor denen die Behörden standen.
Die RAF operierte zu diesem Zeitpunkt im Verborgenen mit strikten Sicherheitsroutinen und konspirativem Disziplin. Der Angriff hinterließ kaum unmittelbare Spuren. Laut Deutschlandfunk Nova ist der Fall offiziell weiterhin offen und gilt als eines der ungelösten RAF-Verbrechen in der deutschen Rechtsgeschichte.
Kein Prozess, kein Urteil
Es hat nie einen Prozess im Zusammenhang mit dem Mord an Rohwedder gegeben. Kein Täter wurde in ausreichendem Maß identifiziert, um Anklage zu erheben, und niemand stand je vor einem deutschen Gericht. Der Fall endete weder mit einem Urteil noch mit einem Freispruch – er hat den Gerichtssaal nie erreicht.
Dies unterscheidet den Fall von einigen anderen RAF-Verbrechen, bei denen Mitglieder der Organisation nach ihrer Auflösung 1998 in einzelnen Fällen in die Öffentlichkeit zurückgekehrt sind oder Aussagen gemacht haben. Im Fall Rohwedder sind keine vergleichbaren Informationen bekannt geworden, die als Grundlage für eine Anklage hätten dienen können.
Der Fall heute
Der Mord an Detlev Karsten Rohwedder ist bis heute ungeklärt. Der Tagesspiegel bezeichnete ihn als letztes Todesopfer der RAF – eine Bezeichnung, die widerspiegelt, dass keiner der nachfolgenden Anschläge der Organisation weitere Todesopfer forderte. Die RAF erklärte sich 1998 selbst für aufgelöst, ohne eine vollständige Aufklärung aller ungeklärten Verbrechen zu liefern, darunter den Mord an Rohwedder.
Anlässlich des 30. Jahrestages des Mordes im Jahr 2022 veranstaltete die Stadt Düsseldorf eine offizielle Gedenkfeier – ein Zeichen dafür, dass der Fall seinen festen Platz im deutschen kollektiven Gedächtnis und in der öffentlichen Debatte über die RAF-Terrorperiode behalten hat.
Für Hinterbliebene, Historiker und Ermittler bleibt die Frage nach den genauen Tätern unbeantwortet. Der Fall zeigt, dass selbst hochrangige politische Morde ungelöst bleiben können – und dass eine Zuordnung von Verantwortung bei stark konspirierenden Akteuren auch Jahrzehnte nach der Tat unmöglich sein kann.
Medienberichterstattung
TV series
- Rohwedder: Netflix-Serie über Deutschlands rätselhaftesten Mord(2026)
- Rohwedder: Einigkeit und Mord und Freiheit(2026)
- A Perfect Crime: Der Mord an Detlev Karsten Rohwedder(2026)
Zu diesem Fall fragen
Antworten nur aus der Berichterstattung von KrimiNytDiesem Fall folgen
Erhalte eine E-Mail, wenn eine neue Doku, ein Podcast oder ein Buch zu Mord an Detlev Karsten Rohwedder – Düsseldorf 1991 erscheint oder ein Urteil fällt.


