Polizist in Kenia wegen Mordes an unbewaffnetem Mann verurteilt
Sieben Jahre Haft für tödliche Schüsse nach verweigertem Bierkauf
Veröffentlicht 6. Juni 2025

Fakten
Tödliche Vergeltung für eine Kleinigkeit
Ein kenianischer Polizist wurde im Januar 2024 zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, weil er den 33-jährigen Kingori Kanyi erschossen hatte – einen unbewaffneten Familienvater mit zwei Kindern.
Die Tat ereignete sich mitten in der Nacht gegen 2 Uhr morgens. Vier uniformierte Männer stürmten Kanyis Wohnung. Obwohl das Opfer sofort kapitulierte und die Hände über den Kopf hob, feuerte der Polizist zweimal auf ihn. Beide Schüsse trafen Kanyi in die Brust.
Auslöser: Verweigerter Bierkauf in einer Bar
Nach Angaben der Ermittler war das Motiv erschreckend banal: Zwei Wochen vor seinem Tod hatte Kanyi dem Polizisten in einer Bar den Kauf von Bier verweigert. Diese scheinbar unbedeutende Meinungsverschiedenheit sollte für den 33-Jährigen tödliche Folgen haben.
Zeitlinie
Gregory Kingori Kanyi wird erschossen und getötet
In der Nacht zum 8. März 2015 gegen 3 Uhr erschießt Polizeibeamter Chibungu Sanga Kanyi mit zwei Schüssen in die Brust während einer Razzia in dessen Haus im Dorf Kiriti, Nyeri County, Kenia.
Verfahren wird als Criminal Case 14 of 2015 eingeleitet
Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Chibungu Sanga vor dem Kenya High Court in Nyeri. Das Verfahren erhält das Aktenzeichen Criminal Case 14 of 2015.
Schuldspruch: fahrlässige Tötung
Richter Justice M. Muya vom Kenya High Court in Nyeri verkündet den Schuldspruch. Das Gericht weist die Notwehrbehauptung zurück und stellt eine unverhältnismäßige und rechtswidrige Gewaltanwendung fest.
Chibungu Sanga zu sieben Jahren Haft verurteilt
Im Januar 2024 verurteilt der Kenya High Court in Nyeri Polizeibeamter Chibungu Sanga zu sieben Jahren Haft wegen fahrlässiger Tötung gemäß § 202 des Strafgesetzbuchs.
Der Fall zeigt exemplarisch, wie Polizeigewalt aus nichtigem Anlass eskalieren kann. Was in einem Rechtsstaat undenkbar erscheint, ist in Kenia trauriger Alltag: Korruption und Machtmissbrauch in Uniform.
Symptom eines korrupten Systems
Der Mord an Kingori Kanyi ist kein Einzelfall, sondern steht stellvertretend für ein grundlegendes Problem innerhalb der kenianischen Polizei. Die Sicherheitskräfte des ostafrikanischen Landes gelten als systematisch korrupt, Gewalt gegen Zivilisten ist weit verbreitet.
Besonders gravierend an diesem Fall: Kanyi versuchte gar nicht erst, sich zu wehren. Er war unbewaffnet, leistete keinen Widerstand und wurde dennoch in seinem eigenen Zuhause niedergeschossen – während seine Familie mit ansehen musste, wie die Männer in Uniform einen wehrlosen Menschen exekutierten.
Sieben Jahre Haft – ein Signal?
Die Verurteilung des Polizisten zu sieben Jahren Gefängnis wird von Beobachtern unterschiedlich bewertet. Einerseits ist es selten, dass Angehörige der kenianischen Sicherheitskräfte überhaupt für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Andererseits erscheint die Strafe angesichts der Schwere der Tat – ein kaltblütiger Mord aus nichtigem Anlass – vielen als zu milde.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Zustände in Kenias Polizeiapparat, wo Bestechung, Erpressung und Gewalt zum Alltag gehören. Für die Familie von Kingori Kanyi bleibt die Gewissheit, dass ein Vater und Ehemann wegen einer Lappalie sterben musste – erschossen von denen, die ihn eigentlich hätten schützen sollen.
Zu diesem Fall fragen
Antworten nur aus der Berichterstattung von KrimiNytDiesem Fall folgen
Erhalte eine E-Mail, wenn eine neue Doku, ein Podcast oder ein Buch zu Polizist in Kenia wegen Mordes an unbewaffnetem Mann verurteilt erscheint oder ein Urteil fällt.
