Rote Armee Fraktion: Westdeutschlands blutigste Terrororganisation
Die RAF war von 1970 bis 1998 aktiv und verantwortete mindestens 34 Morde sowie über 200 Verletzte durch Attentate, Entführungen und Bombenanschläge.
Veröffentlicht 7. Mai 2026

Klassifizierung:
Fakten
Die Rote Armee Fraktion (RAF) – in Deutschland oft auch als Baader-Meinhof-Gruppe bezeichnet – war eine westdeutsche linksextremistische Terrororganisation, die von 1970 bis 1998 zu den blutigsten ihrer Art in der westeuropäischen Nachkriegsgeschichte zählte. Der Organisation werden mindestens 34 Morde und über 200 Verletzte zugeschrieben. Im April 1998 löste sich die RAF formell auf. Strafrechtlich verfolgt wurden ausschließlich einzelne Mitglieder vor deutschen Gerichten – über mehrere Jahrzehnte hinweg; als geschlossene juristische Einheit wurde die RAF nie angeklagt.
Die RAF wurde am 14. Mai 1970 gegründet – an dem Tag, an dem Andreas Baader bei einer bewaffneten Aktion im Zentralinstitut für soziale Fragen in Berlin-Dahlem aus der Haft befreit wurde. Die Aktion gilt als Gründungsakt der Organisation. Beteiligt war unter anderem Gudrun Ensslin; zusammen mit Baader, Ensslin und dem Anwalt Horst Mahler gehörte auch Ulrike Meinhof zu den zentralen Gründungsfiguren der RAF.
Die Verbrechen
Die RAF bediente sich eines breiten kriminellen Repertoires: Morde, Entführungen, Bombenanschläge, Banküberfälle und Geiselnahmen. Ihre Angriffe richteten sich vor allem gegen prominente Vertreter des westdeutschen Staates, der Wirtschaft und der Justiz – Personen, die die Organisation als Symbole der kapitalistischen und imperialistischen Gesellschaftsordnung betrachtete.
Zeitlinie
RAF wird in Westdeutschland gegründet
Die Rote Armee Fraktion, auch Baader-Meinhof-Gruppe genannt, wird 1970 als linksextreme Terrororganisation in Westdeutschland gegründet.
Polizist Norbert Schmid in Hamburg getötet
Am 22. Oktober 1971 wird der Polizist Norbert Schmid in Hamburg getötet, in einem der RAF zugeschriebenen Fall — einer der frühesten von der Organisation begangenen Morde.
Geiselnahme in Stockholm: zwei deutsche Beamte getötet
Am 24. April 1975 nehmen RAF-Mitglieder Geiseln in der deutschen Botschaft in Stockholm. Andreas von Mirbach und Heinz Hillegaart werden bei der Aktion getötet.
Ulrike Meinhof tot in Stammheim aufgefunden
Meinhof wird erhängt in ihrer Zelle im Gefängnis Stammheim aufgefunden. Die Behörden gehen von Selbstmord aus.
Generalbundesanwalt Siegfried Buback in Karlsruhe getötet
Am 7. April 1977 wird Generalbundesanwalt Siegfried Buback in Karlsruhe erschossen. Die Tat wird der RAF zugeschrieben und leitet den sogenannten Deutschen Herbst ein.
Bankdirektor Jürgen Ponto in Oberursel getötet
Am 30. Juli 1977 wird Bankdirektor Jürgen Ponto in Oberursel bei einem der RAF zugeschriebenen Entführungsversuch getötet.
Hanns Martin Schleyer im Deutschen Herbst entführt
Am 5. September 1977 entführen RAF-Mitglieder den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer — der Beginn der Krise des Deutschen Herbstes.
Leiche von Hanns Martin Schleyer gefunden
Am 18. Oktober 1977 wird die Leiche von Hanns Martin Schleyer gefunden. Die Tat wird der RAF zugeschrieben und markiert das Ende der akuten Krisenphase des Deutschen Herbstes.
Baader, Ensslin und Raspe sterben in Stammheim
In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober sterben Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in ihren Zellen. Irmgard Möller überlebt. Offiziell Selbstmord, von Teilen des Unterstützerkreises bestritten.
Karl Heinz Beckurts bei Bombenanschlag nahe München getötet
Am 9. Juli 1986 wird der Wirtschaftsmanager Karl Heinz Beckurts bei einem Bombenanschlag nahe München getötet, in einem der RAF zugeschriebenen Fall.
Gerold von Braunmühl in Bonn getötet
Der Politische Direktor des Auswärtigen Amtes wird vor seiner Wohnung erschossen — eine der RAF zugeschriebene Tat.
Alfred Herrhausen bei Bombenanschlag in Bad Homburg getötet
Am 30. November 1989 wird Bankdirektor Alfred Herrhausen bei einem Bombenanschlag in Bad Homburg vor der Höhe getötet. Die Tat wird der RAF zugeschrieben, doch die vollständige juristische Klärung ist nicht eindeutig.
Detlev Rohwedder durch Schüsse in Düsseldorf getötet
Am 1. April 1991 wird Detlev Rohwedder in Düsseldorf erschossen. Die Tat wird der RAF zugeschrieben, die Zuschreibung gilt in Teilen der Literatur jedoch als umstritten.
RAF löst sich auf
Ein acht Seiten langes Auflösungsschreiben erreicht die Nachrichtenagentur Reuters. Die RAF erklärt sich nach fast drei Jahrzehnten für aufgelöst.
Der erste dokumentierte Mord, der der RAF zugeschrieben wird, ereignete sich am 22. Oktober 1971 in Hamburg, als der Polizeibeamte Norbert Schmid getötet wurde. Bereits dieses frühe Verbrechen zeigte, dass die Organisation bereit war, Vertreter der staatlichen Ordnungsmacht anzugreifen.
Im April 1975 nahmen RAF-Mitglieder Personal der deutschen Botschaft in Stockholm als Geiseln. Bei der Geiselnahme am 24. April 1975 wurden die beiden deutschen Beamten Andreas von Mirbach und Heinz Hillegaart getötet. Die sogenannte Stockholmer Botschaftsgeiselnahme verdeutlichte die internationale Reichweite der Organisation.
Der Deutsche Herbst 1977
Das Jahr 1977 ging als „Deutscher Herbst“ in die Geschichte ein – eine Periode, die als die intensivste und erschütterndste Offensive der RAF gilt. Am 7. April 1977 wurde Generalbundesanwalt Siegfried Buback in Karlsruhe erschossen. Knapp vier Monate später, am 30. Juli 1977, wurde Bankdirektor Jürgen Ponto in Oberursel bei einem Entführungsversuch getötet. Den Höhepunkt der Krise bildete die Entführung von Hanns Martin Schleyer – Vorsitzender des deutschen Arbeitgeberverbandes – am 5. September 1977. Nach wochenlangen erfolglosen Verhandlungen und einer parallel laufenden Flugzeugentführung, die den Druck auf die deutschen Behörden weiter erhöhte, wurde Schleyers Leiche am 18. Oktober 1977 gefunden.
Der Deutsche Herbst hinterließ tiefe Spuren in der westdeutschen Politik und Gesellschaft und ist bis heute Gegenstand historischer und juristischer Forschung.
Mehrere zentrale RAF-Gründer starben in Haft. Ulrike Meinhof wurde am 9. Mai 1976 erhängt in ihrer Zelle in Stammheim aufgefunden; die Behörden werteten den Tod offiziell als Suizid. In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 1977 starben auch Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in ihren Zellen in Stammheim; ein viertes Mitglied, Irmgard Möller, überlebte schwer verletzt. Auch diese Todesfälle wurden offiziell als Suizid eingestuft — eine Einschätzung, die Teile der RAF-Unterstützerszene bis heute bestreiten.
Anschläge in den 1980er und 1990er Jahren
Auch in den folgenden Jahrzehnten riss die Anschlagsserie nicht ab. Am 9. Juli 1986 wurde Wirtschaftsmanager Karl Heinz Beckurts bei einem Bombenattentat in der Nähe von München getötet – ein weiterer der RAF zugeschriebener Angriff. Am 30. November 1989 kam Bankdirektor Alfred Herrhausen bei einem Bombenattentat in Bad Homburg vor der Höhe ums Leben. Die Zuschreibung dieses Mordes an die RAF wird in Teilen der Literatur als teilweise umstritten beschrieben; die vollständige juristische Aufklärung aller Beteiligten geht aus den verfügbaren Quellen nicht eindeutig hervor. Dennoch wird die RAF allgemein für diesen Anschlag verantwortlich gemacht.
Am 10. Oktober 1986 wurde zudem Gerold von Braunmühl, Politischer Direktor des Auswärtigen Amts, vor seinem Wohnhaus in Bonn erschossen – ein weiterer der RAF zugeschriebener Mord.
Am 1. April 1991 wurde Detlev Rohwedder in Düsseldorf erschossen – ein Fall, der ebenfalls der RAF zugeschrieben wird. Auch diese Zuschreibung ist in Teilen der Literatur als umstritten beschrieben und kann nicht als vollständig unbestritten dargestellt werden.
Ermittlungen
Die Ermittlungen gegen die RAF gehörten zu den umfangreichsten in der Geschichte Westdeutschlands. Beteiligt waren das Bundeskriminalamt (BKA), der Verfassungsschutz sowie internationale Behörden, unter anderem aus Schweden und Frankreich. Die deutschen Sicherheitsbehörden standen vor einer Organisation, die in strikter Konspiration operierte, konspirative Wohnungen nutzte und kontinuierlich neue Mitglieder rekrutierte, während ältere Aktivistengenerationen verhaftet wurden oder bei Konfrontationen mit der Polizei ums Leben kamen.
Die RAF wird historisch in drei Generationen von Aktivisten eingeteilt. Mit der Verhaftung früher Kernmitglieder übernahmen neue Gruppen die Struktur der Organisation und setzten die Anschläge fort. Dieser Generationenwechsel erschwerte die Ermittlungen erheblich und erklärt, warum sich die Prozesse gegen einzelne RAF-Mitglieder über Jahrzehnte erstreckten.
Strafverfolgung und Urteile
Die Strafverfolgung der RAF erfolgte ausschließlich gegen Einzelpersonen vor deutschen Gerichten und zog sich über viele Jahre hin. Eine Reihe zentraler RAF-Aktivisten wurde wegen Mordes, Entführung und Terrorismus verurteilt und zu langen Haftstrafen verurteilt.
Die juristische Aufarbeitung war dadurch erschwert, dass die Beweislage in mehreren Fällen schwierig war und die Zuschreibung konkreter Taten an bestimmte Täter in der historischen und juristischen Literatur weiterhin diskutiert wird.
Am 20. April 1998 löste sich die RAF formell auf: bei der Nachrichtenagentur Reuters ging ein achtseitiges Schreiben ein, in dem die Organisation ihr Ende ankündigte. Damit endeten fast drei Jahrzehnte Terrorismus.
Die RAF heute
Die RAF und der Deutsche Herbst 1977 sind im kollektiven Gedächtnis Deutschlands bis heute präsent und Gegenstand fortlaufender historischer, politischer und juristischer Debatten. Die Taten der Organisation haben die Sicherheitsgesetzgebung, die Nachrichtendienstpraxis und die politische Kultur nachhaltig geprägt.
Mehrere Fälle – darunter der Mord an Detlev Rohwedder 1991 – sind hinsichtlich aller beteiligten Täter nie vollständig juristisch geklärt worden. Das Erbe der RAF wird in Deutschland weiterhin diskutiert: als historisches und kriminologisches Phänomen und als Mahnung, dass politischer Extremismus zu systematischer und rücksichtsloser Gewalt gegen Unschuldige und Gesellschaftsvertreter führen kann.
Medienberichterstattung
Documentaries
- Baader Meinhof Komplex — Uli Edels Meisterwerk über die RAF(2026)
Books
- Der Baader Meinhof Komplex — Das Standardwerk über die RAF(2026)
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