Fallakte

Securitas-Überfall in Tonbridge 2006

Wie bewaffnete Räuber 53 Millionen Pfund stahlen – Großbritanniens größter Bargeldraub

🇬🇧 Britisch

Veröffentlicht 6. Juni 2025

A tense moment outside a Securitas depot with armed assailants wearing masks and dark clothing surrounding a security van, reflecting the chaos during the infamous £53 million heist led by Lee Murray.
BEWEIS

Fakten

TäterLee Murray (mastermind), Paul Allen, Emir Hysenaj, Lea Rusha, Jetmir Bucpapa, Stuart Royle, Roger Coutts et al.
OpferColin Dixon, Lynn Dixon, their child and 14 Securitas employees
TatortVale Road, Tonbridge, Kent, England
Tatzeitpunkt21–22 February 2006
DeliktArmed robbery, kidnapping, hostage-taking

In der Nacht vom 21. auf den 22. Februar 2006 stahlen bewaffnete Täter rund 53 Millionen Pfund aus dem Securitas-Geldlager an der Vale Road in Tonbridge, Kent – laut Polizei und Medien der größte Bargeldraub in der britischen Geschichte. Die Täter nutzten eine Entführung, Geiseln und Insiderwissen, um in das hochgesicherte Depot einzudringen. Der Fall gilt bis heute als nur teilweise aufgeklärt.

Die Tat

Am Abend des 21. Februar 2006 entführten die Täter Colin Dixon, Depotleiter bei Securitas, sowie seine Ehefrau Lynn Dixon und das gemeinsame Kind. Die Entführung diente dazu, Dixon zu zwingen, den Räubern Zugang zum gesicherten Geldlager zu verschaffen.

Nachdem der Zugang gesichert war, drangen bewaffnete Männer in das Depot ein und hielten 14 Securitas-Mitarbeiter mit Schusswaffen als Geiseln. Die gesamte Aktion erstreckte sich über den Abend des 21. Februars bis in die frühen Morgenstunden des 22. Februars 2006. Die Täter erbeuteten rund 53 Millionen Pfund in bar.

Zeitlinie

21. Februar 2006

Der Überfall

Manager Colin Dixon und seine Familie werden entführt. Die Täter erbeuten 53 Millionen Pfund aus dem Securitas-Depot in Tonbridge, Kent.

22. Februar 2006

Großfahndung beginnt

Die Polizei leitet eine der größten Fahndungen in der britischen Geschichte ein. Erste Verdächtige werden identifiziert.

1. Januar 2008

Fünf Personen am Old Bailey in London verurteilt

Im Jahr 2008 verkündet das Old Bailey Urteile gegen fünf Angeklagte. Emir Hysenaj wird zu 20 Jahren verurteilt; Paul Allen wird nach Auslieferung an die britischen Behörden zu 18 Jahren verurteilt.

1. November 2010

Lee Murrays marokkanische Strafe auf 25 Jahre erhöht

Ein marokkanisches Berufungsgericht erhöht im November 2010 die Strafe gegen Lee Murray – identifiziert als Kopf hinter dem Raubüberfall – auf 25 Jahre.

Bewaffneter Raubüberfall

Täter und Planung

Polizei und Medien identifizierten Lee Murray – mit vollem Namen Lee Brahim Lamrani-Murray – als Kopf hinter dem Überfall. Ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Operation war Insiderwissen über die Abläufe und Einrichtungen von Securitas. Emir Hysenaj fungierte als Insider innerhalb der Gruppe und war maßgeblich an der Planung beteiligt. Zu den weiteren namentlich bekannten Beteiligten zählen Paul Allen, Lea Rusha, Jetmir Bucpapa, Stuart Royle und Roger Coutts.

Organisierte Kriminalität

Ermittlungen

Die britische Polizei leitete unmittelbar nach der Tat umfangreiche Ermittlungen ein. Mehrere Beteiligte wurden in Großbritannien festgenommen. Lee Murray floh nach Marokko, wo er anschließend von marokkanischen Behörden inhaftiert wurde.

Den Ermittlern gelang es, einen Teil der Beute aufzuspüren: Rund 21 Millionen der gestohlenen 53 Millionen Pfund wurden sichergestellt. Etwa 32 Millionen Pfund blieben verschwunden – einer der Hauptgründe, warum der Fall als nur teilweise aufgeklärt gilt.

Paul Allen wurde an die britischen Behörden ausgeliefert und in England vor Gericht gestellt. Lee Murray hingegen wurde in Marokko strafrechtlich verfolgt, da das Land seinen Staatsbürger nicht an Großbritannien auslieferte.

Geiselnahme

Urteile

2008 verurteilte der Old Bailey – das Zentrale Strafgericht in London – fünf Personen. Emir Hysenaj, der als Insider agiert hatte, erhielt die höchste Strafe: 20 Jahre Haft. Paul Allen wurde nach seiner Auslieferung zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt.

Lee Murray wurde in Marokko vor Gericht gestellt. Ein marokkanisches Gericht sprach ihn schuldig; nach einer Berufungsverhandlung wurde seine Strafe im November 2010 auf 25 Jahre erhöht.

Der Fall heute

Trotz der Verurteilung mehrerer Beteiligter gilt der Securitas-Überfall in Tonbridge weiterhin als nur teilweise aufgeklärt. Rund 32 Millionen Pfund wurden nie gefunden, und einige der Beteiligten wurden weder gefasst noch strafrechtlich verfolgt. Der Fall zählt zu den bemerkenswertesten Beispielen eines organisierten, geplanten Bargeldraubs in der europäischen Kriminalgeschichte und zieht bis heute die Aufmerksamkeit von Journalisten, Ermittlern und True-Crime-Interessierten auf sich.

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