
Capturing the Killer Nurse: Die Netflix-Doku über Serienmörder
Wie ein Krankenpfleger 16 Jahre lang ungestört Patienten ermordete
Die schockierende Geschichte eines Serienmörders im Krankenhaus
Am 11. November 2022 veröffentlichte Netflix die Dokumentation 'Capturing the Killer Nurse', die eine der erschütterndsten Kriminalfälle im amerikanischen Gesundheitswesen beleuchtet. Die Dokumentation erzählt die Geschichte von Charles Cullen, einem Krankenpfleger, der am 12. Dezember 2003 verhaftet wurde, nachdem er über 16 Jahre hinweg Patienten unter dem Deckmantel seiner Profession ermordet hatte.
Cullen gestand, bis zu 40 Menschen in neun Krankenhäusern und einem Pflegeheim in den US-Bundesstaaten New Jersey und Pennsylvania getötet zu haben. Experten gehen jedoch davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Opfer deutlich höher liegen könnte – möglicherweise bei mehreren hundert Menschen.
Systematischer Mord im weißen Kittel
Die Netflix-Produktion unter der Regie von Tim Travers Hawkins dokumentiert die komplexe Ermittlungsarbeit, die schließlich zur Überführung Cullens führte. Besonders eindrücklich: Die Dokumentation enthält Originalaufnahmen von Cullens eigener Stimme, in denen er seine Taten erklärt – ein seltener und verstörender Einblick in die Gedankenwelt eines Serienmörder.
Die Schlüsselzeugin Amy Loughren
Eine zentrale Rolle bei der Aufklärung spielte Amy Loughren, eine ehemalige Kollegin Cullens. Durch ausführliche Interviews mit ihr sowie mit Ermittlern und Angehörigen der Opfer entsteht ein bedrückendes Bild davon, wie ein solcher Serienmord über anderthalb Jahrzehnte unentdeckt bleiben konnte.
Loughren arbeitete eng mit den Behörden zusammen und half dabei, Beweise gegen ihren früheren Kollegen zu sammeln. Ihre Aussagen waren entscheidend dafür, dass Cullen schließlich überführt werden konnte.
Systemversagen im Gesundheitswesen
Ein zentrales Thema der Dokumentation ist die Frage, wie das amerikanische Gesundheitssystem es ermöglichte, dass Cullen über 16 Jahre hinweg ungestört morden konnte. Die Filmemacher decken systematische Fehler auf: Krankenhäuser meldeten Verdachtsfälle nicht weiter, Cullen konnte trotz Auffälligkeiten problemlos die Einrichtung wechseln, und es gab keine effektiven Kontrollmechanismen.
Die Dokumentation basiert auf dem 2013 erschienenen Buch 'The Good Nurse: A True Story of Medicine, Madness, and Murder' von Charles Graeber, das bereits 2022 auch als Spielfilm mit Eddie Redmayne und Jessica Chastain verfilmt wurde.
Wie Cullen seine Opfer tötete
Charles Cullen nutzte seinen Zugang zu Medikamenten, um Patienten mit Überdosen verschiedener Präparate zu töten. Besonders perfide: Er wählte oft bereits schwerkranke Menschen als Opfer, sodass ihre Todesfälle zunächst nicht verdächtig erschienen. Diese Vorgehensweise eines Krankenpfleger als Mörder macht den Fall besonders verstörend.
Kritische Rezeption
Die Dokumentation wurde von Kritikern unterschiedlich aufgenommen. Mit einer IMDb-Bewertung von 6,4/10 liegt sie im soliden Mittelfeld. Gelobt wurde vor allem die Aufarbeitung der systemischen Probleme im Gesundheitswesen, während einige Rezensenten anmerkten, dass die 94-minütige Laufzeit an manchen Stellen etwas gedehnt wirke.
Lehren aus dem Fall Cullen
Die Dokumentation wirft wichtige Fragen zur Patientensicherheit und zu Kontrollmechanismen im Gesundheitswesen auf. Sie zeigt deutlich, wie institutionelles Versagen und mangelnde Kommunikation zwischen Einrichtungen es einem Täter ermöglichten, jahrelang unbehelligt zu bleiben.
Für die Angehörigen der Opfer bleibt die quälende Frage, wie viele Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn das System früher eingegriffen hätte. 'Capturing the Killer Nurse' ist damit nicht nur die Dokumentation eines Kriminalfalls, sondern auch eine Anklage gegen strukturelle Mängel im Gesundheitssystem.

