
Über die Episode
Die Ärztin mit tödlichen Absichten
Am 27. August 1995 bestieg die Kopenhagener Kinderärztin Elisabeth Wæver eine Fähre zur dänischen Ostseeinsel Bornholm. Sie reiste unter falscher Identität – und mit einem mörderischen Plan: Die 41-Jährige wollte die Ehefrau ihres Geliebten und deren zwei kleine Kinder töten, um den Weg für eine gemeinsame Zukunft freizumachen.
Was in jener Augustnacht geschah, gilt bis heute als einer der schockierendsten Mordfälle in der dänischen Kriminalgeschichte. Eine angesehene Medizinerin, die täglich Kinder behandelte, wurde zur kaltblütigen Mörderin – und nutzte dabei ihr medizinisches Fachwissen auf grausame Weise.
Die Täterin: Elisabeth Wæver
Elisabeth Wæver wurde am 20. August 1954 in Haderslev im Süden Dänemarks geboren. Nach ihrem Medizinstudium spezialisierte sie sich auf Pädiatrie und arbeitete als Kinderärztin in Kopenhagen. Nach außen führte sie ein unauffälliges Leben als respektierte Medizinerin.
Doch hinter der professionellen Fassade entwickelte sich eine Affäre, die in einer Tragödie enden sollte. Wæver begann eine Beziehung mit einem verheirateten Mann, dessen Familie auf Bornholm lebte. Als die Beziehung intensiver wurde, fasste sie offenbar den Entschluss, das Hindernis ihrer Liebe auf radikale Weise zu beseitigen.
Die sorgfältig geplante Tat
Die Tat war keine spontane Affekthandlung, sondern wurde akribisch vorbereitet. Wæver nutzte ihren Zugang zum renommierten Rigshospitalet in Kopenhagen, um Morphin zu stehlen – ein starkes Opioid, das in der Schmerztherapie eingesetzt wird und in hohen Dosen tödlich sein kann.
Mit dem gestohlenen Medikament und unter einer falschen Identität reiste sie am 27. August 1995 nach Bornholm. Ihr Ziel: das Haus, in dem die Ehefrau ihres Geliebten mit den beiden gemeinsamen Kindern lebte – einem vierjährigen und einem siebenjährigen Jungen.
Die grausame Ausführung
In jener Nacht injizierte Elisabeth Wæver der Ehefrau das gestohlene Morphin. Um sicherzustellen, dass niemand entkommen konnte, blockierte sie anschließend die Ausgänge des Hauses. Dann setzte sie an drei verschiedenen Stellen Feuer.
Die Flammen breiteten sich schnell aus. Das jüngere Kind, gerade vier Jahre alt, starb noch in der Brandnacht. Der siebenjährige Bruder schaffte es zunächst, aus dem brennenden Haus zu fliehen – ein verzweifelter Überlebenskampf, der jedoch vergeblich war. Die Brandverletzungen waren so schwer, dass der Junge einen Monat später seinen Verletzungen erlag.
Die Aufarbeitung eines Verbrechens
Der Fall Elisabeth Wæver erschütterte Dänemark zutiefst. Die Vorstellung, dass eine Kinderärztin – jemand, dessen Beruf dem Schutz und der Heilung von Kindern gewidmet ist – zu solch einer Tat fähig war, löste landesweite Fassungslosigkeit aus.
Die Tragödie von Bornholm wurde zum Gegenstand intensiver medialer Berichterstattung und Aufarbeitung. Die dänische Fernsehserie "Rejseholdet" (Das mobile Einsatzkommando) dramatisierte den Fall in einer Episode. Auch die TV2-Dokumentarserie "De 7 drab" (Die 7 Morde) widmete sich dem Verbrechen und beleuchtete die Hintergründe der Tat.
Ein Fall, der bis heute erschüttert
Der Mordfall um Elisabeth Wæver bleibt ein mahnendes Beispiel dafür, wie Obsession und Eifersucht selbst Menschen mit hoher Bildung und gesellschaftlichem Ansehen zu unfassbaren Verbrechen treiben können. Die systematische Planung, die Kaltblütigkeit der Ausführung und vor allem die Tatsache, dass zwei kleine Kinder die Opfer waren, machen diesen Fall zu einem der verstörendsten in der dänischen Kriminalgeschichte.
Die Insel Bornholm, sonst bekannt für ihre malerischen Landschaften und als beliebtes Urlaubsziel, wurde durch diese Tat zum Schauplatz einer der dunkelsten Geschichten Dänemarks.


