American Nightmare

Als »American Nightmare« wird ein spektakulärer Kriminalfall aus Kalifornien (2015) bezeichnet, bei dem eine echte Entführung zunächst von der Polizei als inszenierter Betrug abgetan wurde.

Der Fall »American Nightmare« ereignete sich im März 2015 in Vallejo, Kalifornien, als Denise Huskins aus dem Haus ihres Freundes Aaron Quinn entführt wurde. Die Täter drangen nachts ein, verabreichten den Opfern Beruhigungsmittel und forderten Lösegeld. Nach ihrer Freilassung zwei Tage später erklärte die Polizei in Vallejo öffentlich, die Entführung sei eine Inszenierung nach dem Vorbild des Films »Gone Girl« gewesen – eine Einschätzung, die sich als katastrophaler Fehler erwies.

Monate später wurde der ehemalige Anwalt und Einbrecher Matthew Muller bei einem Einbruch in Dublin, Kalifornien, festgenommen. Ermittler fanden Beweise, die ihn zweifelsfrei mit der Entführung von Denise Huskins in Verbindung brachten, darunter Videoaufnahmen und Gegenstände aus dem Tatort. Muller wurde 2017 zu 40 Jahren Haft verurteilt. Das Opfer und ihr Freund verklagten später die Stadt Vallejo wegen übler Nachrede und erhielten 2018 eine Entschädigung von 2,5 Millionen Dollar.

Der Fall zeigt die schwerwiegenden Konsequenzen voreiliger polizeilicher Bewertungen und des sogenannten »Victim Blaming«. In Deutschland würde eine solche Entführung (Freiheitsberaubung mit Lösegelderpressung) nach § 239a StGB als besonders schwerer Fall der erpresserischen Entführung geahndet, der mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft wird. Die Netflix-Dokumentation »American Nightmare« (2024) arbeitete den Fall auf und machte ihn international bekannt.