Stalking-Typologien

Wissenschaftliche Klassifikationssysteme, die Stalking-Verhalten nach Beziehung, Motivation und Funktion kategorisieren und in Strafverfolgung, Risikobewertung und Forschung Anwendung finden.

Stalking-Typologien sind forensisch-psychologische Ordnungssysteme, die Nachstellungsverhalten anhand verschiedener Kriterien in distinkte Tätergruppen einteilen. Die bekannteste Klassifikation stammt von Mullen et al. (1999) und unterscheidet fünf Haupttypen: den zurückgewiesenen Stalker (rejected stalker), den intimsuchenden Stalker (intimacy-seeking stalker), den inkompetenten Verehrer (incompetent suitor), den rachsüchtigen Stalker (resentful stalker) und den räuberischen Stalker (predatory stalker). Diese Typologie berücksichtigt sowohl die Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer als auch die primäre Motivation des Täters, etwa Wiederherstellung einer Beziehung, Rache oder sexuelle Gratifikation.

In der deutschen Strafrechtspraxis dienen Stalking-Typologien primär der Risikobewertung gemäß § 238 StGB (Nachstellung), der seit 2007 Stalking-Handlungen unter Strafe stellt. Polizei und Staatsanwaltschaften nutzen typologische Ansätze zur Einschätzung des Eskalationsrisikos und zur Prognose gewalttätigen Verhaltens, insbesondere bei der Anordnung von Schutzmaßnahmen nach dem Gewaltschutzgesetz. Neuere Forschungsarbeiten integrieren zunehmend das Konzept der pathologischen Fixierung und unterscheiden zwischen beziehungsorientierten und identitätsorientierten Stalkern, was differenziertere Interventionsstrategien ermöglicht. Die forensische Anwendung dieser Typologien bleibt jedoch umstritten, da empirische Validierungsstudien teilweise inkonsistente Ergebnisse zeigen und die Übergänge zwischen den Kategorien fließend sein können.