Fallakte

Der Fall Ellen Greenberg — 20 Stichwunden, umstrittene Todesursache

Manayunk, Philadelphia, 2011 — offiziell als Suizid eingestuft, von der Familie als Tötungsdelikt bestritten

🇺🇸 Amerikanisch

Veröffentlicht 1. Juni 2026

BEWEIS

Falldetails

Quick Facts

Fallstatus
Ermittlungen laufen
Ort
Manayunk, Philadelphia, Pennsylvania, USA

Der Fall

Der Fall Ellen Greenberg ist einer der umstrittensten Todesermittlungsfälle der vergangenen 15 Jahre in den USA. Die 27-jährige Grundschullehrerin Ellen Rae Greenberg wurde am 26. Januar 2011 in ihrer Wohnung im Stadtteil Manayunk in Philadelphia tot aufgefunden — mit einem Küchenmesser in der Brust und insgesamt 20 Stichwunden am Körper, darunter Wunden an Hals und Rücken. Während die Behörden den Tod nach mehrfacher Revision offiziell als Suizid einstufen, hält die Familie die Befunde für unvereinbar mit einer Selbsttötung und kämpft seit über einem Jahrzehnt für eine strafrechtliche Neubewertung als mutmaßliches Tötungsdelikt.

Das Verbrechen

Am Nachmittag des 26. Januar 2011 herrschte in Philadelphia ein schwerer Wintersturm. Ellen Greenberg hatte ihren Unterricht früher beendet und war in die gemeinsame Wohnung mit ihrem Verlobten Sam Goldberg zurückgekehrt. Goldberg erklärte später, er sei im Fitnessraum des Apartmentkomplexes gewesen und habe die verriegelte Wohnungstür bei seiner Rückkehr aufbrechen müssen. Im Inneren fand er Greenberg zusammengesunken in der Küche, ein Messer in der Brust.

Die Autopsie ergab 20 Stichwunden. Mehrere davon befanden sich am Hinterkopf und im Nacken — Stellen, die Kritiker und unabhängige Pathologen für mit einem Suizid kaum vereinbar halten. Zudem wurden laut Berichten der Philadelphia Inquirer Verletzungen festgestellt, die auf eine mögliche stumpfe Gewalteinwirkung hindeuten könnten. Die Wohnungstür war von innen mit einer Kette verriegelt, was die Polizei zunächst als entscheidenden Hinweis auf einen Suizid wertete.

Zeitlinie

23. Juni 1983

Ellen Greenberg geboren

Ellen Rae Greenberg wird geboren; sie wird später Lehrerin in Philadelphia.

26. Januar 2011

Greenberg tot aufgefunden

Ellen Greenberg wird in ihrer Wohnung in Manayunk mit 20 Stichwunden und einem in der Brust steckenden Messer aufgefunden.

1. Februar 2011

Ursprüngliche Einstufung als Tötungsdelikt

Das Philadelphia Medical Examiner's Office stuft die Todesursache zunächst als Tötungsdelikt ein.

1. März 2011

Einstufung zu Suizid geändert

Nach weiterer Rücksprache mit der Polizei wird die Todesursache von Tötungsdelikt auf Suizid geändert.

1. Januar 2019

Zivilklage der Familie

Ellens Eltern reichen eine Zivilklage ein, um die offizielle Todesursache ändern zu lassen.

1. Januar 2024

Bundesbehördliches Interesse gemeldet

ABC News berichtet, dass die Familie sich über die Aussicht auf eine Bundesermittlung zu Ellens Tod freut.

1. Januar 2025

Vergleich und Bestätigung

Es wird ein Vergleich über eine erneute Untersuchung geschlossen, doch der leitende Gerichtsmediziner von Philadelphia bestätigt anschließend die Suizid-Entscheidung.

Die Opfer

Ellen Rae Greenberg wurde am 23. Juni 1983 geboren und arbeitete als Lehrerin an der Juniata Park Academy in Philadelphia. Freunde und Familie beschrieben sie als lebensfrohe, engagierte Frau, die kurz vor ihrer Hochzeit mit Sam Goldberg stand. In den Wochen vor ihrem Tod soll sie laut Angehörigen unter beruflichem Stress und Angstzuständen gelitten haben — ein Aspekt, den die Behörden später als Indiz für eine suizidale Verfassung anführten. Ihre Familie weist diese Darstellung jedoch entschieden zurück.

Ermittlung

Die Ermittlungen verliefen von Beginn an chaotisch. Die Polizei betrachtete den Tatort zunächst als Selbsttötung und sicherte ihn nach Angaben der Familie nicht mit der bei einem möglichen Tötungsdelikt üblichen Sorgfalt. Das Philadelphia Medical Examiner's Office stufte den Tod jedoch zunächst als Tötungsdelikt ein. Erst nach Gesprächen mit der Polizei änderte der zuständige Gerichtsmediziner die Klassifikation in Suizid. Diese Kehrtwende ist bis heute das Herzstück der Kontroverse.

Laut A&E-Recherchen führten die Behörden bestimmte Suchanfragen auf Greenbergs Computer sowie Textnachrichten an, in denen sie psychische Belastung andeutete, als unterstützende Indizien für die Suizid-These an. Die Familie und unabhängige Experten weisen jedoch auf die anatomisch ungewöhnliche Verteilung der Wunden hin — insbesondere die Stiche im Nackenbereich, die durch die Wirbelsäule reichten — und halten diese für nahezu ausgeschlossen bei einer Selbsttötung.

Mehrere unabhängige Pathologen, die von der Familie beauftragt wurden, kamen zu dem Schluss, dass der Befund eher mit einem Tötungsdelikt vereinbar sei. Auch der Forensiker Wayne Ross äußerte sich öffentlich kritisch zur Suizid-Einstufung.

Prozess und Urteil

Es gibt im Fall Ellen Greenberg weder Angeklagten noch Urteil. Niemand wurde jemals wegen ihres Todes angeklagt, weil die offizielle Klassifikation als Suizid eine strafrechtliche Verfolgung ausschließt. Die juristische Auseinandersetzung verlagerte sich daher auf den zivilrechtlichen Weg: Greenbergs Eltern Sandra und Joshua Greenberg verklagten die Stadt Philadelphia, das Medical Examiner's Office und einzelne Beamte, um die Akten freigeben zu lassen und die Todesursache offiziell ändern zu lassen.

Die Klagen zogen sich über Jahre. Pennsylvania-Gerichte mussten wiederholt entscheiden, ob die offizielle Todesursache durch zivile Klage änderbar ist — eine in den USA seltene Rechtsfrage.

Heute

Der Fall bleibt offen und juristisch umkämpft. Im Jahr 2025 berichteten ABC News über mögliche bundesstaatliche Ermittlungen, nachdem ein Vergleich für eine Neuermittlung geschlossen worden war. Kurz darauf bekräftigte der Chefgerichtsmediziner Philadelphias jedoch erneut die Einstufung als Suizid, was bei der Familie und Unterstützern für Enttäuschung sorgte.

Der Fall hat erhebliche mediale Aufmerksamkeit erfahren. Der Podcast Crime Junkie widmete ihm eine vielbeachtete Episode unter dem Titel Mysterious Death of: Ellen Greenberg. Auch zahlreiche YouTube-Dokumentationen und Zeitungsbeiträge halten den Fall in der öffentlichen Diskussion. Politiker in Pennsylvania haben mehrfach Gesetzesinitiativen eingebracht, die es Familien ermöglichen sollen, offizielle Todesursachenfeststellungen vor Gericht anzufechten — eine direkte Folge des Falls Greenberg.

Für die Familie Greenberg bleibt die Frage nach den tatsächlichen Umständen des Todes ihrer Tochter unbeantwortet. Über vierzehn Jahre nach dem Tod der jungen Lehrerin in ihrer Wohnung in Manayunk gilt der Fall als Symbol für die strukturellen Probleme amerikanischer Todesermittlungen — und für den Kampf einer Familie, die sich mit der offiziellen Version nicht abfinden will.

Medienberichterstattung

TV series

  • Death in Apartment 603: What Happened to Ellen Greenberg?(2026)

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