Fallakte

Der Fall Joe Exotic — Auftragsmordkomplott eines Zoobetreibers

Wynnewood, Oklahoma und Florida, 2017–2020, aufgeklärt mit Bundesverurteilung

🇺🇸 Amerikanisch

Veröffentlicht 2. Juni 2026

BEWEIS

Fakten

TäterJoseph Allen Maldonado-Passage (Joe Exotic)
OpferCarole Baskin (target of the murder-for-hire plot – no murder took place)
TatortU.S. District Court for the Western District of Oklahoma, Oklahoma City, Oklahoma, USA
Tatzeitpunkt2017 (events relating to the murder-for-hire)
DeliktMurder-for-hire (2 counts), violation of the Lacey Act (8 counts), violation of the Endangered Species Act (9 counts)

Der Fall

Der Fall Joe Exotic ist ein US-amerikanischer Strafprozess, in dessen Mittelpunkt der ehemalige Zoobetreiber Joseph Maldonado-Passage steht — international bekannt unter dem Künstlernamen 'Joe Exotic'. Maldonado-Passage, geboren am 5. März 1963, leitete jahrelang den Greater Wynnewood Exotic Animal Park im Bundesstaat Oklahoma und beherbergte dort zeitweise Hunderte Großkatzen. Sein langjähriger Konflikt mit der Tierschützerin Carole Baskin, Gründerin der Schutzeinrichtung Big Cat Rescue in Florida, gipfelte 2017 in einem Komplott, mit dem er ihre Ermordung in Auftrag geben wollte. Das Verfahren endete mit einer Verurteilung zu 22 Jahren Bundeshaft.

Das Verbrechen

Laut Anklage der US-Bundesstaatsanwaltschaft versuchte Maldonado-Passage im November 2017, eine Person dafür zu bezahlen, Carole Baskin in Florida zu töten. Der Auftragsmord sollte einen langjährigen geschäftlichen und ideologischen Streit beenden: Baskin warf dem Zoobetreiber wiederholt Tiermisshandlung und kommerziellen Missbrauch von Großkatzen vor, während Maldonado-Passage sie in sozialen Medien, Videos und öffentlichen Auftritten attackierte. Zu den Beweismitteln gehörten Drohungen sowie ein inszeniertes Video, in dem er eine Carole Baskin nachempfundene aufblasbare Puppe erschoss, sowie ein Bild, das sie in Effigie zeigte. Diese Inszenierungen wurden im Bundesverfahren als Indiz für die Tatbereitschaft gewertet.

Neben dem Mordkomplott umfasste die Anklage gravierende Verstöße gegen das US-Tier- und Artenschutzrecht. Maldonado-Passage hatte unter anderem Tigerkadaver in Eilkühlcontainern entsorgen und Wildtierdaten fälschen lassen, was als Verstoß gegen den Lacey Act sowie den Endangered Species Act gewertet wurde.

Zeitlinie

1. Januar 2017

Der Auftragsmordversuch wird geplant

Im Laufe des Jahres 2017 bietet Maldonado-Passage einem verdeckten Ermittler Geld an, um Carole Baskin töten zu lassen. Es kommt zu keinem Mord.

2. April 2019

Jury erklärt Maldonado-Passage in allen 19 Anklagepunkten für schuldig

Die Bundesjury in Oklahoma City kommt einstimmig zu einem Schuldspruch in sämtlichen 19 Anklagepunkten, einschließlich der beiden Anklagepunkte wegen Anstiftung zum Mord.

22. Januar 2020

Urteil: 22 Jahre Gefängnis

Richter Scott L. Palk verurteilt Maldonado-Passage zu 264 Monaten (22 Jahren) Bundesgefängnis.

14. Juli 2021

Berufungsgericht bestätigt Schuldspruch, verweist Strafzumessung zurück

Das U.S. Court of Appeals for the Tenth Circuit bestätigt alle Schuldsprüche, stellt jedoch Fehler bei der Gruppierung der Anklagepunkte wegen Anstiftung zum Mord bei der Strafzumessung fest.

1. Januar 2022

Strafe nach neuer Strafzumessung auf 21 Jahre reduziert

Nach der Zurückverweisung durch das Berufungsgericht wird die Strafe von 22 auf 21 Jahre Gefängnis reduziert. Der U.S. Supreme Court lehnt es anschließend ab, sich mit dem Fall zu befassen.

Die Opfer

Das zentrale intendierte Opfer war Carole Baskin, Gründerin und Vorsitzende des in Tampa, Florida ansässigen Big Cat Rescue. Baskin gilt in den USA als eine der bekanntesten Aktivistinnen gegen die private Haltung von Großkatzen und führte über Jahre juristische Auseinandersetzungen mit Maldonado-Passage, in denen es um Markenrechte, geschäftliche Praktiken und Tierhaltung ging. In Teilen der Ermittlungsakten und der Bundesanklage wurde sie aus Schutzgründen als 'Jane Doe' geführt. Weitere Opfer im weiteren Sinne sind die zahlreichen Tiger, Löwen und Hybridkatzen, deren Behandlung und teilweise Tötung Gegenstand der Anklage wegen Artenschutzverletzungen wurde.

Ermittlung

Die Ermittlungen wurden federführend vom Federal Bureau of Investigation gemeinsam mit dem U.S. Fish and Wildlife Service geführt. Verdeckte Ermittler und Informanten dokumentierten die Versuche Maldonado-Passages, einen Auftragskiller anzuheuern, sowie seine entsprechenden Zahlungsangebote. Parallel sammelten die Ermittler digitale Beweise: Videos, in denen er Baskin verbal bedrohte, sowie die inszenierten Darstellungen ihrer Tötung. Am 5. September 2018 erließ eine Grand Jury im westlichen Distrikt von Oklahoma die Bundesanklage, woraufhin Maldonado-Passage festgenommen und in Untersuchungshaft genommen wurde. Die Ermittlungsbreite — von Auftragsmord über Wildereiketten bis hin zu falschen Veterinärdokumenten — machte das Verfahren zu einem der bekanntesten kombinierten Tierschutz- und Gewaltdeliktsfälle der jüngeren US-Justizgeschichte.

Prozess und Urteil

Der Prozess fand vor dem U.S. District Court for the Western District of Oklahoma statt. Eine Bundesjury sprach Maldonado-Passage in allen wesentlichen Anklagepunkten schuldig: zwei Anklagepunkte wegen Auftragsmord (Murder-for-Hire), acht Anklagepunkte wegen Verstößen gegen den Lacey Act sowie neun Anklagepunkte wegen Verstößen gegen den Endangered Species Act. Am 22. Januar 2020 verhängte U.S. District Judge Scott L. Palk eine Freiheitsstrafe von 264 Monaten — 22 Jahre Bundeshaft. Die Strafen für die beiden Mordkomplott-Anklagepunkte wurden konsekutiv, die Strafen für die Artenschutzdelikte konkurrierend verhängt.

Heute

Kurz nach der Urteilsverkündung erschien im März 2020 die Netflix-Dokumentationsreihe 'Tiger King: Murder, Mayhem and Madness', die den Fall einem globalen Millionenpublikum bekannt machte. In den folgenden Jahren verfolgte Maldonado-Passage mehrere Rechtsmittel. Ein Berufungsgericht reduzierte sein Strafmaß 2021 leicht auf 21 Jahre, bevor weitere Anträge auf Wiederaufnahme abgelehnt wurden. Der Oberste Gerichtshof der USA lehnte schließlich die Annahme seiner Revision ab, womit die Verurteilung rechtskräftig bestand. Carole Baskin setzt ihre Arbeit bei Big Cat Rescue fort und engagierte sich nach dem Fall verstärkt für ein US-weites Verbot der privaten Großkatzenhaltung, das im 'Big Cat Public Safety Act' 2022 in Kraft trat. Der Fall gilt damit nicht nur als juristisch abgeschlossen, sondern auch als gesetzgeberischer Wendepunkt im US-amerikanischen Artenschutzrecht.

Medienberichterstattung

TV series

  • Tiger King: Netflix-Doku über Mord und Chaos(2025)

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