Fallakte

Der Fall Sarma Melngailis — Betrug der „Bad Vegan"

New York City, 2015–2017 — Wirtschaftsstrafverfahren, aufgeklärt durch Schuldbekenntnis

🇺🇸 Amerikanisch

Veröffentlicht 2. Juni 2026

BEWEIS

Falldetails

Quick Facts

Fallstatus
Aufgeklärt
Ort
Gramercy, Manhattan, New York City, USA

Der Fall

Der Fall Sarma Melngailis ist einer der bekanntesten US-amerikanischen Wirtschaftsstrafverfahren der 2010er Jahre und betrifft den Zusammenbruch des einst gefeierten veganen Rohkost-Restaurants Pure Food and Wine in New York City. Im Zentrum steht Sarma Melngailis, geboren am 10. September 1972, eine in der Gastronomie und in Kochbüchern etablierte Unternehmerin, sowie ihr damaliger Partner und späterer Ehemann Anthony Strangis. Gemeinsam sollen sie über mehrere Monate hinweg mehr als zwei Millionen US-Dollar von Investoren, Mitarbeitern und Geschäften abgezweigt haben. Anders als bei vielen True-Crime-Fällen handelt es sich nicht um ein Gewaltverbrechen, sondern um einen systematischen Vermögensbetrug, der nach internationaler Flucht der Beschuldigten 2016 in Tennessee endete und 2017 mit einem Schuldbekenntnis in New York abgeschlossen wurde.

Das Verbrechen

Pure Food and Wine, 2004 im New Yorker Stadtteil Gramercy eröffnet, galt jahrelang als Aushängeschild der gehobenen veganen Küche und zog prominente Gäste wie Bill Clinton und Owen Wilson an. Auch die Schwestermarke One Lucky Duck mit Snackprodukten und Saftbars wurde von Melngailis aufgebaut. Ab etwa 2011, nach ihrer Bekanntschaft mit Anthony Strangis, begann nach Darstellung der Staatsanwaltschaft ein systematisches Abziehen von Geldern aus den Geschäftskonten. Investorengelder, die für den Betrieb und die Expansion der Restaurants vorgesehen waren, sowie Einnahmen aus dem laufenden Geschäft wurden auf private Konten umgeleitet und teilweise zur Begleichung von Strangis' Glücksspielschulden verwendet.

Die Folgen waren für das Personal unmittelbar spürbar: Im Frühjahr 2015 blieben Löhne aus, was zu einem Streik und schließlich zur Schließung des Restaurants führte. Die Geschäftsstruktur kollabierte, während Melngailis und Strangis New York verließen und sich monatelang dem Zugriff der Behörden entzogen. Recherchen zeichnen das Bild eines komplexen Beziehungsgeflechts, in dem Strangis seiner Partnerin gegenüber absurde Versprechungen — unter anderem von Unsterblichkeit für ihren Hund — gemacht haben soll, um sie zur Geldweitergabe zu bewegen.

Zeitlinie

1. Januar 2004

Pure Food and Wine eröffnet

Sarma Melngailis ist Mitgründerin des rohveganen Restaurants Pure Food and Wine in New York City und erweitert später mit der Marke One Lucky Duck.

1. Juli 2015

Restaurantpersonal verlässt den Job

Mitarbeiter von Pure Food and Wine verließen ihre Stellen, nachdem sie keinen Lohn erhalten hatten, was die öffentliche Aufmerksamkeit auf den finanziellen Zusammenbruch des Restaurants lenkte.

10. Mai 2016

Festnahme in Tennessee

Melngailis und Strangis wurden in einem Hotel in Sevierville, Tennessee, aufgespürt, nachdem eine mit Strangis' Kreditkarte bestellte Domino's-Pizza ihren Aufenthaltsort verraten hatte.

2. Mai 2017

Schuldeingeständnis

Melngailis bekannte sich vor einem Gericht im US-Bundesstaat New York des schweren Diebstahls, der Betrugsverschwörung und der strafbaren Steuerhinterziehung schuldig und räumte ein, mehr als 2 Millionen Dollar gestohlen zu haben.

16. März 2022

Netflix veröffentlicht 'Bad Vegan'

Die Netflix-Dokumentarserie 'Bad Vegan: Fame. Fraud. Fugitives.' lenkt erneut weltweite Aufmerksamkeit auf den Fall und Melngailis' Behauptungen über Strangis' Einfluss auf sie.

Die Opfer

Im Unterschied zu Gewaltdelikten gibt es im Fall Melngailis keine einzelne benannte Person als Opfer, sondern eine Vielzahl von Geschädigten. Dazu zählen private Investoren, die in das Restaurantkonzept Geld eingebracht hatten, sowie Dutzende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die teils über Wochen ohne Bezahlung weitergearbeitet hatten. Auch die Steuerbehörden des Staates New York gelten als Geschädigte, da Lohnsteuern nicht abgeführt worden waren. Insgesamt belief sich der eingestandene Schaden auf über zwei Millionen US-Dollar. Viele ehemalige Beschäftigte verloren nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern auch ausstehende Gehaltsforderungen.

Ermittlung

Die Ermittlungen der New Yorker Staatsanwaltschaft begannen, nachdem Beschwerden über ausbleibende Löhne und unbezahlte Rechnungen sich häuften und die Geschäftsbücher Unregelmäßigkeiten zeigten. Als die Beschuldigten untertauchten, wurde der Fall zu einer überregionalen Fahndung. Der entscheidende Hinweis kam aus einer alltäglichen Quelle: Im Mai 2016 bestellte Strangis aus einem Hotel in Sevierville, Tennessee, eine Pizza und Chicken Wings bei Domino's. Die Kreditkartenzahlung lief auf seinen Namen und führte die Ermittler direkt zum Aufenthaltsort des Paares. Die Festnahme erfolgte ohne Widerstand. Neben dieser Spur stützte sich die Beweisführung auf Kontoauszüge, Buchhaltungsunterlagen, Zeugenaussagen ehemaliger Mitarbeiter und elektronische Kommunikation zwischen Melngailis und Strangis.

Prozess und Urteil

Nach der Auslieferung nach New York folgte ein längeres Verfahren vor dem Manhattan Supreme Court. Im Mai 2017 bekannte sich Sarma Melngailis im Rahmen einer Absprache mit der Staatsanwaltschaft des Grand Larceny zweiten Grades, des Scheme to Defraud sowie des Criminal Tax Fraud schuldig. Sie verbrachte mehrere Monate im Rikers Island Gefängnis und wurde anschließend zu Bewährung und Rückzahlungsverpflichtungen verurteilt. Anthony Strangis bekannte sich ebenfalls mehrerer Straftaten schuldig. Damit gilt der Fall juristisch als abgeschlossen; offen blieben jedoch viele zivilrechtliche Forderungen ehemaliger Investoren und Mitarbeiter.

Heute

Öffentliche Aufmerksamkeit erhielt der Fall erneut 2022 mit der Netflix-Dokuserie „Bad Vegan: Fame. Fraud. Fugitives.", in der Melngailis sich ausführlich zu Wort meldete und die Verantwortung teilweise auf die manipulative Beziehung zu Strangis schob. Die Darstellung führte zu kontroversen Debatten in Medien und Gastronomieszene, da viele ehemalige Mitarbeiter sich von der Erzählung nicht repräsentiert sahen. Melngailis äußerte sich danach mehrfach öffentlich und in Podcasts, unter anderem in ausführlichen Interviewformaten, und kritisierte die Dokumentation. Bis heute steht der Fall exemplarisch für die Schnittstelle aus Gastronomie, Prominenz, manipulativen Beziehungen und Wirtschaftskriminalität und wird in zahlreichen True-Crime-Formaten aufgearbeitet.

Medienberichterstattung

TV series

  • Bad Vegan: Netflix zeigt spektakulären Betrugsfall(2025)

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