Henri Landru – der französische Heiratschwindler, der 11 Menschen mordete
Mit falschen Heiratsannoncen lockte Henri Désiré Landru einsame Frauen in die Falle – und ließ sie spurlos verschwinden
Veröffentlicht 6. Juni 2025

Klassifizierung:
Fakten
Henri Désiré Landru ist einer der bekanntesten Serienmörder Frankreichs. Zwischen 1915 und 1919 lockte er einsame, verwundbare Frauen mit gefälschten Heiratsannoncen in eine tödliche Falle und ließ sie spurlos verschwinden. Am 30. November 1921 sprach das Schwurgericht am Cour d'assises de la Seine in Paris ihn in elf Fällen des vorsätzlichen Mordes schuldig. Am 25. Februar 1922 wurde er in Versailles guillotiniert.
Der Fall auf einen Blick
Der Fall Landru gehört zu den markantesten Kriminalfällen des frühen 20. Jahrhunderts. Obwohl die Leichen der Opfer nie vollständig gefunden wurden, verurteilten ihn die Geschworenen auf der Grundlage seiner eigenen detaillierten Notizbücher, Zeugenaussagen und Sachbeweise. Sein Spitzname „Blaubart von Gambais“ verweist direkt auf das klassische Märchen vom Mann, der seine ermordeten Frauen verbirgt.
Die Tat
Der Erste Weltkrieg hinterließ in der französischen Gesellschaft tiefe Spuren. Millionen Frauen hatten Männer und Väter an der Front verloren und standen allein und finanziell geschwächt da. Genau dieses verletzliche Umfeld nutzte Landru systematisch aus.
Zeitlinie
Landru beginnt seine Verbrechensserie
Im Laufe des Jahres 1915 beginnt Henri Désiré Landru systematisch, Frauen über falsche Heiratsannoncen in seine Landhäuser in der Region Paris zu locken.
Verbrechensserie endet
Die nachgewiesenen Verbrechen erstrecken sich bis 1919, als Landrus Aktivität als Heiratsschwindler und Mörder endet.
Landru in Paris zum Tode verurteilt
Vor dem Cour d'assises de la Seine in Paris wird Henri Désiré Landru des vorsätzlichen Mordes in 11 Fällen für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.
Landru in Versailles guillotiniert
Nachdem Präsident Alexandre Millerand das Gnadengesuch abgelehnt hat, wird Henri Désiré Landru vor einer großen Menschenmenge in Versailles durch die Guillotine hingerichtet.
Mit Heiratsbetrug als Werkzeug schaltete er falsche Annoncen, gab sich als heiratswilliger Mann aus und gewann das Vertrauen seiner Opfer – in mehreren Fällen auch Zugriff auf deren Vermögen und Besitz. Anschließend verschwanden die Frauen. Als Tatorte dienten zwei Landhäuser in der Region Paris: eines in Vernouillet, eines in Gambais.
Die elf Opfer, für deren Mord Landru verurteilt wurde, waren: Jeanne Cuchet, ihr Sohn André Cuchet (im Teenageralter), Thérèse Laborde-Line, Marie-Angélique Guillin, Berthe Héon, Anna Collomb, Andrée Babelay, Célestine Buisson, Louise Jaume, Anne-Marie Pascal und Marie-Thérèse Marchadier. Sie alle hatten Sicherheit gesucht und das Gegenteil gefunden.
Die Ermittlungen
Der Fall kam ins Rollen, als Angehörige der vermissten Frauen die Behörden alarmierten. Die Ermittler verfolgten Landrus Spur und stellten fest, dass er unter mehreren falschen Identitäten operiert hatte. Bei seiner Festnahme fand die Polizei Notizbücher bei ihm, die Namen und Einzelheiten zu den Frauen enthielten, mit denen er Kontakt gehabt hatte. Diese Aufzeichnungen wurden zu zentralen Beweismitteln im Prozess.
Die größte juristische Herausforderung bestand darin, dass keine vollständigen Leichen vorlagen. Die Staatsanwaltschaft musste elf Morde überwiegend durch Indizien, Dokumente und Zeugen beweisen. Dennoch befand das Pariser Geschworenengericht Landru in allen elf Punkten für schuldig.
Prozess und Urteil
Der Prozess vor dem Cour d'assises de la Seine in Paris zog enormes öffentliches und internationales Interesse auf sich. Landru verhielt sich während des gesamten Verfahrens kalt und abweisend und bestritt konsequent jede Schuld.
Am 30. November 1921 fiel das Urteil: schuldig in elf Fällen vorsätzlichen Mordes – Strafe: Tod. Ein Gnadengesuch lehnte Präsident Alexandre Millerand ab.
Am 25. Februar 1922 wurde Henri Désiré Landru in Versailles guillotiniert. Die Hinrichtung zog eine große Menschenmenge an und wurde von internationalen Medien begleitet – ein Zeugnis für das gewaltige Aufsehen, das der Fall weit über Frankreich hinaus erregt hatte.
Der Fall heute
Der Fall Landru ist juristisch abgeschlossen. Er gilt heute als eines der bekanntesten Beispiele für Ehebetrug und Serienmord im frühen 20. Jahrhundert und wird regelmäßig in kriminologischen und historischen Zusammenhängen zitiert. Der Fall zeigt, wie die soziale Zerrüttung der Kriegsjahre und die vulnerable Lage vieler Frauen von einem einzelnen Täter systematisch ausgenutzt werden konnte.
Für die elf Opfer und ihre Angehörigen bedeutete das Urteil eine Form juristischer Anerkennung – auch wenn die körperlichen Spuren begrenzt blieben. Über das Privatleben der Opferfamilien hinaus werden hier keine weiteren Angaben gemacht, die nicht Bestandteil des öffentlichen Gerichtsverfahrens sind.
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