Northern Bank Belfast: 26,5 Millionen Pfund verschwunden
Bankraub durch Geiselnahme von Familien – bis heute ungeklärt
Veröffentlicht 6. Juni 2025

Falldetails
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Familien als Geiseln
Am 20. Dezember 2004 schlug eine bewaffnete Bande bei der Northern Bank am Donegall Square West in Belfast zu. Statt sich gewaltsam Zugang zum Tresor zu verschaffen, wählten die Täter eine perfide Strategie: Sie entführten die Familienangehörigen zweier Bankangestellter – Chris Ward und Kevin McMullen.
Mit dem Leben ihrer Familien als Druckmittel hatten die beiden Männer keine Wahl. Die Täter zwangen sie, bei der Plünderung der Bank mitzuwirken. Ward und McMullen mussten gebrauchte und ungebrauchte Pfundnoten zusammentragen, die anschließend in einen Transporter verladen wurden.
Zwei Fuhren, 26,5 Millionen Pfund
Der Raub erfolgte in zwei Fahrten mit dem Transporter. Insgesamt erbeuteten die Täter 26,5 Millionen Pfund Sterling – eine der größten Beutesummen in der britischen Bankraub-Geschichte.
Zeitlinie
Bankraub mit Geiselnahme
Eine bewaffnete Bande entführt die Familien der Bankangestellten Chris Ward und Kevin McMullen und zwingt sie, bei einem Raub von 26,5 Millionen Pfund aus der Northern Bank Belfast zu helfen.
IRA bestreitet Beteiligung
Die Provisional IRA weist jede Verantwortung für den Bankraub zurück, obwohl Polizei und britische Regierung sie als Hauptverdächtige nennen.
Anklage gegen Chris Ward
Der Bankangestellte Chris Ward wird der Mittäterschaft am Raub angeklagt. Die Anklage wird später vor Gericht ohne Beweisaufnahme fallengelassen.
Erste Verurteilung wegen Geldwäsche
Der Finanzberater Ted Cunningham wird wegen Geldwäsche verurteilt, nachdem bei ihm 2,3 Millionen Pfund in bar gefunden wurden.
Urteil aufgehoben
Das Urteil gegen Ted Cunningham wird in der Berufung aufgehoben.
Erneute Verurteilung
Ted Cunningham wird erneut der Geldwäsche für schuldig befunden – die einzige Verurteilung im Zusammenhang mit dem Raub.
Trotz des enormen Ausmaßes und der sofortigen Ermittlungen blieb der Fall juristisch weitgehend folgenlos. Im November 2005 wurde Chris Ward angeklagt, am Raub beteiligt gewesen zu sein. Doch als der Fall vor Gericht kam, ließ die Staatsanwaltschaft die Anklage ohne Beweisaufnahme fallen.
IRA im Visier der Ermittler
Der Police Service of Northern Ireland, die International Monitoring Commission (IMC) und die britische Regierung machten alle die Provisional IRA für den Überfall verantwortlich. Die IRA bestritt jedoch am 18. Januar 2005 jede Beteiligung.
Ganz ohne Konsequenzen blieb die Sache allerdings nicht für alle Beteiligten. Der Finanzberater Ted Cunningham wurde 2009 wegen Geldwäsche verurteilt. Das Urteil wurde 2012 aufgehoben, doch 2014 wurde er erneut schuldig gesprochen. Bei einer Hausdurchsuchung in County Cork hatte die Polizei bei Cunningham 2,3 Millionen Pfund in bar gefunden.
Zwei Jahrzehnte ohne Urteil
Trotz umfangreicher Ermittlungen und politischer Spekulationen ist der Fall bis heute ungelöst. Seit dem Raub im Jahr 2004 wurde niemand direkt für den Bankraub selbst vor Gericht gestellt und verurteilt. Damit ist der Northern-Bank-Raub ein außergewöhnlicher Fall unter den größten Verbrechen Großbritanniens: Jahrzehnte nach der Tat, trotz eindeutiger Hinweise und Verdachtsmomente, gibt es weder einen verurteilten Täter noch einen juristisch abgeschlossenen Fall.
Der Raub hinterließ daher nicht nur offene Fragen zu 26,5 Millionen Pfund verschwundener Währung – sondern auch grundlegende juristische Fragen, die auch nach zwei Jahrzehnten unbeantwortet bleiben.
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