Operation Tempura: Wenn eine Korruptionsermittlung zum Debakel wird
Millionen verschwendet, Karrieren zerstört, null Verurteilungen
Veröffentlicht 6. Juni 2025

Fakten
Eine Ermittlung außer Kontrolle
Im September 2007 startete auf den Caymaninseln eine Anti-Korruptionsermittlung, die als gezielte Untersuchung gegen mutmaßliche Polizeikorruption beginnen sollte. Was folgte, war eine der kostspieligsten und chaotischsten Fehlschläge in der Geschichte des britischen Überseegebiets: Operation Tempura.
Polizeikommissar Stuart Kernohan ordnete die Ermittlung an, nachdem Vorwürfe über eine korrupte Beziehung zwischen dem Zeitungsverleger Desmond Seales und einem Polizeibeamten aufgetaucht waren. Doch was als fokussierte Untersuchung beginnen sollte, weitete sich rasch zu einem unkontrollierbaren Verfahren aus, das selbst zur Quelle von Justizskandalen wurde.
Der Kommissar wird zum Verdächtigen
Die Ironie der Operation Tempura zeigt sich besonders deutlich am Schicksal ihres Initiators: Stuart Kernohan, der Polizeikommissar, der die Ermittlung ins Leben gerufen hatte, wurde im Verlauf der Untersuchung selbst suspendiert und schließlich entlassen. Die Ermittlung, die Korruption aufdecken sollte, hatte ihren eigenen Auftraggeber verschlungen.
Zeitlinie
Operation Tempura eingeleitet
Im September 2007 wird die Antikorruptionsuntersuchung gegen den Royal Cayman Islands Police Service (RCIPS) auf den Cayman-Inseln eingeleitet.
Rudolph Dixon verhaftet und beschuldigt
Der ehemalige stellvertretende Polizeikommissar Rudolph (Rudi) Dixon wird im Rahmen der Untersuchung verhaftet und beschuldigt. Ein genaues Datum ist über das Jahr hinaus nicht verifiziert.
Justice Alexander Henderson verhaftet
Der pensionierte Grand-Court-Richter Justice Alexander Henderson wird verhaftet. Die Verhaftung wird nachträglich für rechtswidrig erklärt; er erhält über £1 Mio. Entschädigung.
RCIPS-Kommissar Stuart Kernohan suspendiert
Polizeikommissar Stuart Kernohan wird im Zuge der Untersuchung suspendiert und anschließend entlassen. Ein genaues Datum ist über den Untersuchungszeitraum hinaus nicht verifiziert.
Operation Tempura abgeschlossen – keine Verurteilungen
Im Oktober 2009 wird die Untersuchung abgeschlossen. Keiner der Beschuldigten wird strafrechtlich verurteilt. Die gesamten öffentlichen Ausgaben übersteigen 10 Millionen US-Dollar.
Unter der Leitung von Colin Roberts – der später zum Gouverneur der Falklandinseln ernannt wurde – entwickelte sich die Untersuchung zu einem Moloch, der weit über seinen ursprünglichen Auftrag hinausging. Roberts' spätere Karriere in einer hochrangigen Position wirft Fragen auf über die politischen Verstrickungen der Ermittlung.
Kollateralschäden: Richter, Anwälte, Reputationen
Während der fast zehnjährigen Laufzeit der Operation Tempura wurden zahlreiche Personen in Mitleidenschaft gezogen, deren Unschuld sich später herausstellte:
- Ein Richter wurde verhaftet und verbrachte Zeit in Untersuchungshaft. Später erhielt er erhebliche Entschädigungszahlungen für unrechtmäßige Inhaftierung.
- Ein Anwalt wurde die Zulassung entzogen, nur um später wieder zugelassen zu werden, nachdem sich die Vorwürfe als haltlos erwiesen.
- Zahlreiche Karrieren wurden beschädigt oder zerstört durch Verdächtigungen, die nie zu Anklagen führten.
Die Ermittlung produzierte also reichlich Opfer – nur keine Täter, die vor Gericht hätten verantwortet werden können.
Das Ende: November 2017
Im November 2017, nach knapp zehn Jahren Ermittlungsarbeit, verkündete die Staatsanwaltschaft der Caymaninseln ihre Entscheidung: Es würden keine Anklagen gegen Martin Bridger oder Richard Coy erhoben – die beiden Hauptverdächtigen der Ermittlung. Tatsächlich wurde niemand für irgendetwas angeklagt oder verurteilt.
Operation Tempura wurde offiziell eingestellt. Die Millionen an öffentlichen Geldern, die in die Ermittlung geflossen waren, die zerstörten Karrieren, die unrechtmäßigen Verhaftungen – alles ohne justiziables Ergebnis.
Ein monumentales Versagen
Operation Tempura steht heute als Paradebeispiel dafür, wie eine Ermittlung selbst zum Problem werden kann. Was als Maßnahme gegen Korruption gedacht war, entwickelte sich zu einem System, das:
- über sein ursprüngliches Mandat weit hinausschoss - Millionen an Steuergeldern verbrauchte - unschuldige Menschen verhaftete und ihre Karrieren ruinierte - keinerlei strafrechtlich verwertbare Ergebnisse lieferte - möglicherweise politisch instrumentalisiert wurde
Die Frage, warum die Ermittlung so massiv eskalierte, bleibt weitgehend unbeantwortet. Ebenso unklar ist, welche spezifischen Beträge tatsächlich ausgegeben wurden – die Regierung der Caymaninseln hat nie eine vollständige Offenlegung der Kosten vorgenommen.
Lehren aus dem Debakel
Der Fall Operation Tempura wirft grundsätzliche Fragen auf über die Kontrolle von Ermittlungen, besonders in kleineren Jurisdiktionen mit begrenzter Oversight. Wenn eine Anti-Korruptionsermittlung selbst zu einer Quelle von Ungerechtigkeit wird, wer kontrolliert dann die Kontrolleure?
Für die betroffenen Personen – den zu Unrecht inhaftierten Richter, den suspendierten Anwalt, den entlassenen Kommissar – kam jede Rehabilitation zu spät. Ihre Reputationen waren bereits beschädigt, ihre Karrieren unterbrochen oder beendet.
Die Operation Tempura bleibt ein warnendes Beispiel dafür, dass der Kampf gegen Korruption selbst nicht über dem Gesetz stehen darf – und dass Ermittlungen ohne klare Grenzen und Aufsicht mehr Schaden anrichten können als die Vergehen, die sie aufklären sollen.
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