Fallakte

Robert Hansen: Cindy Paulsons Flucht und Alaskas Serienmörder

Alaskas 'Butcher Baker': Robert Hansen führte ein Doppelleben und jagte Frauen wie Tiere. Cindy Paulsons Flucht deckte das Grauen auf.

🇺🇸 Amerikanisch

Veröffentlicht 6. Juni 2025

A figure resembling Robert Hansen behind the counter of a small bakery in Anchorage, Alaska, with discreetly visible baking tools and a handwritten menu, hinting at his facade before his arrest as a serial killer
BEWEIS

Fakten

TäterRobert Christian Hansen (alias Robert Christian Boes Hansen), known as 'the Butcher Baker'
OpferAt least 17 murder victims; key surviving witness: Cindy Paulson (17 years old at the time)
TatortAnchorage, Alaska and remote areas of the Matanuska-Susitna region, including near Knik River/Horseshoe Lake
TatzeitpunktApprox. 1971–1983; Cindy Paulson assault: June 13, 1983

Cindy Paulsons Flucht: Das Ende für Robert Hansen

An einem eiskalten Oktobermorgen 1983 stolperte eine zitternde, gefesselte Frau eine verlassene Straße nahe dem Merrill Field Flughafen in Anchorage, Alaska, entlang. Es war die 17-jährige Cindy Paulson, eine Tänzerin und Sexarbeiterin, deren Überlebenskampf und spektakuläre Flucht einen der sadistischsten Serienmörder Amerikas enttarnen sollte. Ihr Zeugnis markierte den Anfang vom Ende für Robert Christian Hansen – einen scheinbar gewöhnlichen Familienvater und örtlichen Bäcker, dessen schockierendes Doppelleben als kaltblütiger Jäger von Frauen eine blutige Spur durch die eisige Wildnis Alaskas hinterließ.

Zwischen 1971 und 1983 entführte, vergewaltigte und ermordete Hansen nachweislich mindestens 17 Frauen in und um Anchorage. Diese grausamen Taten brachten ihm den makabren Spitznamen 'The Butcher Baker' ein – der Metzger-Bäcker.

Robert Hansens Kindheit in Iowa und erste Verhaftung (1960)

Robert Christian Hansen wurde am 15. Februar 1939 in Estherville, Iowa, geboren. Seine Kindheit als Sohn eines dänischen Einwanderers und Bäckers war von Schwierigkeiten geprägt. Er litt unter einem schweren Stottern und ausgeprägter Akne, die sichtbare Narben hinterließ. Hinzu kam die tyrannische und brutale Erziehung durch seinen Vater. Diese Faktoren trieben den jungen Robert Hansen in die soziale Isolation – seine Zuflucht fand er in der Jagd.

Zeitlinie

15. Februar 1939

Robert Hansen wird geboren

Robert Christian Hansen wird am 15. Februar 1939 geboren. Er lässt sich später in Anchorage, Alaska, nieder und betreibt eine Bäckerei.

1. Januar 1971

Hansens Verbrechen beginnen (ca.)

Laut den Ermittlungen begannen Hansens Serienverbrechen ca. 1971. Das genaue Datum des ersten Mordes ist nicht verifiziert.

13. Juni 1983

Cindy Paulson wird entführt und flieht

Am 13. Juni 1983 entführt Hansen die 17-jährige Cindy Paulson, vergewaltigt sie und fährt sie zum Flughafen Merrill Field. Paulson flieht und sucht Hilfe – ein Wendepunkt in dem Fall.

27. Februar 1984

Urteil verkündet: 461 Jahre plus lebenslänglich

Am 27. Februar 1984 wird Hansen vor dem Alaska state court verurteilt, nachdem er sich schuldig bekannt hat. Er wird zu 461 Jahren plus lebenslanger Haft verurteilt.

21. August 2014

Robert Hansen stirbt im Gefängnis

Robert Hansen stirbt am 21. August 2014 während der Verbüßung seiner Haftstrafe in Alaska. Er war 75 Jahre alt.

1. Januar 2021

'Horseshoe Harriet' als Robin Pelkey identifiziert

Im Jahr 2021 bestätigen die Behörden in Alaska, dass ein zuvor nicht identifiziertes Opfer namens 'Horseshoe Harriet' Robin Pelkey ist – identifiziert durch genetische Genealogie 37 Jahre nach dem Fund der Leiche.

Bereits als Teenager zeigte er Anzeichen einer krankhaften Faszination für Kontrolle und Gewalt. 1960 kam es zum ersten Ausbruch: Er steckte eine Schulbusgarage in Pocahontas, Iowa, in Brand. Diese Brandstiftung führte zu seiner ersten Haftstrafe.

Anchorage (1967): 'Bunny's Bake Shop' und die Vergewaltigungsanklage

Nach seiner Entlassung zog Robert Hansen 1967 nach Alaska und ließ sich in Anchorage nieder. Dort eröffnete er die Bäckerei 'Bunny's Bake Shop', die in tragischer Ironie als perfekte Tarnung für sein dunkles Doppelleben als Serienmörder diente. Während er seine Kunden – darunter lokale Polizeibeamte, die regelmäßig zum Morgenkaffee vorbeischauten – charmierte, schwelten seine perversen Gelüste direkt unter der Oberfläche.

Bereits 1971 wurde Hansen wegen der Vergewaltigung einer örtlichen Frau verhaftet. Schockierenderweise kam er mit einer milden Strafe davon, was seinem Terrorregime erlaubte, weiterzugehen. Diese Nachsicht der Justiz sollte sich als fatal erweisen.

Die Jagd in der Wildnis: Hansens brutales Ritual mit Flugzeug und Gewehr

Sein Vorgehen entwickelte sich zu einem grausamen und akribisch geplanten Ritual. Mit seinem Pilotenschein und einer kleinen Cessna 180 flog Robert Hansen seine Opfer zu abgelegenen Orten tief in Alaskas gnadenloser Wildnis. Dort ließ er sie frei – nicht etwa aus Gnade, sondern um sie zynisch wie Beutetiere zu jagen.

Bewaffnet mit einem Ruger Mini-14 Gewehr und einem Messer lebte er seine sadistischen Fantasien aus, indem er die Verzweiflung seiner Opfer in einer pervertierten Form von Sport genoss. Die meisten seiner Opfer waren vulnerable Frauen, darunter Sexarbeiterinnen und Tänzerinnen aus dem Nachtleben Anchorages.

Wie die Rechtsmedizinerin Dr. Katherine Ramsland analysierte, gab er ihnen möglicherweise die Illusion einer Chance, doch in Wahrheit war es ein Katz-und-Maus-Spiel – eine Verzögerung des unausweichlichen Mordes. Hansen inszenierte seine eigene perverse Version der Großwildjagd, nur dass seine Beute Menschen waren.

Von der Aussage zu den Beweisen: Hansens Verhaftung

Cindy Paulsons Flucht im Oktober 1983 war der Wendepunkt. Nachdem sie von Autofahrern aufgegriffen wurde, führte ihre detaillierte Aussage die Ermittler direkt zu Robert Hansen. Sie beschrieb, wie er sie unter Waffengewalt entführt, gefesselt und zu seinem Flugzeug gebracht hatte, um sie in die Wildnis zu fliegen – wo er sie jagen wollte.

Zunächst wurde ihre Geschichte von einigen Ermittlern angezweifelt. Doch die hartnäckige Arbeit der Alaska State Troopers, insbesondere von Sergeant Glenn Flothe, brachte die Wahrheit ans Licht. Eine Durchsuchung von Hansens Haus förderte erschreckende Beweise zutage: Schmuck und persönliche Gegenstände vermisster Frauen, Karten mit markierten Fundorten und Waffen, die mit den Morden in Verbindung gebracht werden konnten.

Konfrontiert mit der erdrückenden Beweislast gestand Hansen schließlich 17 Morde. Er führte die Ermittler zu Grabstätten in der Wildnis, wo die sterblichen Überreste mehrerer seiner Opfer gefunden wurden. Einige Leichen wurden nie entdeckt – die wahre Zahl seiner Opfer könnte höher liegen.

Das Urteil und Hansens Tod

Im Februar 1984 wurde Robert Hansen zu 461 Jahren Haft plus lebenslang ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung verurteilt. Er verbrachte die nächsten drei Jahrzehnte im Gefängnis, wo er am 21. August 2014 im Alter von 75 Jahren an natürlichen Ursachen starb.

Sein Fall bleibt einer der erschreckendsten Beispiele dafür, wie ein Mensch hinter der Fassade eines normalen Lebens unvorstellbare Grausamkeiten verbergen kann. Die Tatsache, dass er jahrelang unentdeckt blieb – trotz früherer Verhaftungen und Hinweise – wirft weiterhin Fragen über systemisches Versagen bei der Verbrechensbekämpfung auf, insbesondere wenn die Opfer zu marginalisierten Gruppen gehören.

Cindy Paulsons Mut, zu sprechen und durchzuhalten, obwohl ihre Aussage zunächst angezweifelt wurde, rettete vermutlich unzählige Leben und brachte einem Dutzend Familien Antworten über das Schicksal ihrer verschwundenen Töchter, Schwestern und Mütter.

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