
Perry Mason: HBO-Serie über den Aufstieg eines Verteidigers
Die HBO-Dramaserie zeigt Perry Masons frühe Jahre als Privatdetektiv im Los Angeles der 1930er-Jahre – und einen der schockierendsten Mordfälle der amerikanischen Geschichte.
HBO's Dramaserie Perry Mason versetzt den Zuschauer in das düstere, von Armut und Korruption gezeichnete Los Angeles der 1930er-Jahre – und zeigt, wie aus einem hartgesottenen Privatdetektiv Amerikas bekanntester Strafverteidiger wurde. Die 2020 erstmals ausgestrahlte Serie mit Matthew Rhys in der Titelrolle ist weit mehr als eine klassische Anwaltsserie: Sie ist ein noir-durchtränktes Porträt einer Stadt im moralischen Verfall.
Ein Held mit Schattenseiten
Perry Mason, wie ihn HBO zeichnet, ist kein makelloser Held. Er schlägt sich als Privatdetektiv durch eine Stadt, in der Polizei, Kirche und gesellschaftliche Elite eng miteinander verflochten sind – und in der Gerechtigkeit käuflich ist. Matthew Rhys verleiht der Figur eine verletzliche Tiefe: Mason ist ein Mann, der mit eigenen Dämonen kämpft, während er versucht, in einem System zu ermitteln, das strukturell auf Täuschung aufgebaut ist.
Die Serie knüpft damit an eine lange Tradition des amerikanischen Noir an – von Schwarze Serie Hollywood bis hin zu modernen Revisionen des Genres – und verleiht ihr eine sozialkritische Dimension, die weit über die Unterhaltung hinausweist.
Der Fall Marion Parker – Realität hinter der Fiktion
Im Mittelpunkt der ersten Staffel steht die Entführung und Ermordung des kleinen Mädchens Marion Parker – ein Fall, der die amerikanische Gesellschaft erschüttert. Die Vorlage dafür liefert ein reales Verbrechen: 1927 wurde die zwölfjährige Marion Parker in Los Angeles entführt und von William Edward Hickman auf bestialische Weise getötet. Der Fall gehört zu den schockierendsten Verbrechen in der Geschichte der Stadt und elektrisierte seinerzeit die gesamte Nation.
HBO nimmt sich künstlerische Freiheiten mit den historischen Details, bewahrt aber den emotionalen Kern des Verbrechens. Die Serie nutzt den Fall als Spiegel, um gesellschaftliche Machtstrukturen zu hinterfragen – Themen, die auch in anderen Entführungsfälle USA von bleibendem Interesse sind.
Korruption als System
Was Perry Mason von vielen anderen True-Crime-Produktionen unterscheidet, ist die konsequente Darstellung institutioneller Korruption. Masons Ermittlungen führen ihn nicht nur zum Täter, sondern tiefer in ein Netz aus vertuschten Verbrechen, in das Vertreter der Kirche, der Polizei und der städtischen Elite verstrickt sind. Die Serie stellt damit keine Ausnahmetäter in den Mittelpunkt, sondern ein System – und fragt, wie Recht und Gerechtigkeit überhaupt entstehen können, wenn die Institutionen selbst korrumpiert sind.
Diese Perspektive verbindet Perry Mason thematisch mit anderen Produktionen, die sich mit Justizskandal Vereinigte Staaten befassen und zeigen, wie tief Unrecht in staatliche Strukturen eingebettet sein kann.
Atmosphäre und Schauspiel
Neben der inhaltlichen Stärke überzeugt die Serie durch ihre akribisch rekonstruierte Periodenästhetik. Kostüme, Kulissen und Kameraarbeit tauchen den Zuschauer vollständig in das Los Angeles der Weltwirtschaftskrise ein. Die Besetzung – neben Matthew Rhys unter anderem John Lithgow und Tatiana Maslany – liefert durchweg starke Leistungen ab.
Perry Mason ist damit eines der ambitioniertesten True-Crime-inspirierten Serienprojekte der vergangenen Jahre – eine Produktion, die unterhält, historisch informiert und moralisch herausfordert.


