The Crimes That Changed Us NZ — TVNZ — 2025
Serie2020

Teina Pora: 22 Jahre unschuldig im Gefängnis

Ein falsches Geständnis kostete einen Teenager zwei Jahrzehnte seines Lebens

★ IMDb 7,1
Von
KrimiNyt Redaktionen

Ein Justizirrtum mit verheerenden Folgen

Im März 1992 wurde die 39-jährige Susan Burdett in ihrem Haus in Papatoetoe, einem Vorort von Auckland, Neuseeland, vergewaltigt und mit einem Softball-Schläger erschlagen. Was folgte, war einer der erschütterndsten Justizirrtum Fälle der neuseeländischen Kriminalgeschichte.

Teina Pora war gerade einmal 17 Jahre alt, als er für diese grausame Tat angeklagt wurde. 1994 verurteilte ihn ein Gericht zu einer langen Haftstrafe. Das Problem: Pora war völlig unschuldig. Er sollte die nächsten 22 Jahre seines Lebens im Hochsicherheitsgefängnis Paremoremo verbringen – für ein Verbrechen, das er nie begangen hatte.

Das Geständnis: Erzwungen durch falsche Hoffnung

Die Grundlage für Poras Verurteilung war sein eigenes Geständnis. Doch dieses kam unter höchst fragwürdigen Umständen zustande. Nachdem die Polizei eine Belohnung von 20.000 neuseeländischen Dollar für Hinweise zum Fall ausgelobt hatte, meldete sich der junge Pora bei den Ermittlern.

Sein Geständnis war von Anfang an widersprüchlich. Die Details stimmten nicht überein, seine Aussagen änderten sich ständig. Dennoch behandelte die Polizei seine Worte als Beweis. Was völlig fehlte: jegliche physischen, forensischen oder Zeugenbeweise, die Pora mit dem Tatort oder dem Opfer verbanden.

Experten gehen heute davon aus, dass Pora – ein junger Mann mit kognitiven Einschränkungen – durch die Aussicht auf das Geld und den Druck der Verhöre zu einem falsches Geständnis bewegt wurde. Er wollte helfen, wollte die Belohnung – und geriet dadurch in eine Falle, die sein Leben zerstören sollte.

Der wahre Täter: Malcolm Rewa

Während Teina Pora im Gefängnis saß, verdichteten sich die Hinweise auf einen anderen Mann: Malcolm Rewa, einen bereits bekannten Serienvergewaltiger. DNA-Spuren vom Tatort wiesen eindeutig auf Rewa hin – nicht auf Pora.

Rewa wurde bereits in den 1990er Jahren für eine Serie von Vergewaltigungen verurteilt, doch beim Mord an Susan Burdett kam es zu einem Patt: Zwei Geschworenengerichte konnten sich nicht auf ein Urteil einigen. Rewa blieb wegen seiner anderen Taten im Gefängnis, aber für Burdetts Mord wurde er zunächst nicht zur Rechenschaft gezogen.

Für Teina Pora bedeutete das: Er blieb weiter hinter Gittern, obwohl die DNA-Analyse einen anderen Täter eindeutig identifiziert hatte.

Der Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit

2014, nach über 20 Jahren Haft, wurde Pora auf Bewährung entlassen. Ein Jahr später, 2015, hob der Privy Council in London – damals noch höchste Berufungsinstanz für Neuseeland – seine Verurteilung endgültig auf.

Die Begründung war vernichtend für das neuseeländische Justizsystem: Es hatte niemals ausreichende Beweise gegen Pora gegeben. Seine Verurteilung beruhte ausschließlich auf einem unzuverlässigen Geständnis.

2020 – fast drei Jahrzehnte nach dem Mord – wurde Malcolm Rewa schließlich wegen der Ermordung von Susan Burdett verurteilt. Zu spät für die Jahre, die Teina Pora verloren hatte.

Die Dokumentation: "The Confessions of Prisoner T"

Die preisgekrönte Dokumentation "The Confessions of Prisoner T", produziert von Michael Bennett für den neuseeländischen Sender TVNZ im Jahr 2013, zeichnet diesen schockierenden Fall nach. Der Film untersucht, wie das Justizsystem so grundlegend versagen konnte.

Die Dokumentation zeigt auf, wie gefährlich finanzielle Anreize wie Belohnungen sein können – besonders bei vulnerablen Personen. Sie beleuchtet außerdem den Bestätigungsfehler (Confirmation Bias) in der Ermittlungsarbeit: Die Polizei suchte nach Beweisen, die ihre Theorie stützten, statt objektiv alle Spuren zu verfolgen.

Millionen-Entschädigung – aber verlorene Jahre

Die neuseeländische Regierung zahlte Teina Pora schließlich eine Entschädigung in Millionenhöhe für die Jahre unrechtmäßiger Haft. Doch kein Geldbetrag kann ihm die zwei Jahrzehnte zurückgeben, die ihm gestohlen wurden – die prägenden Jahre vom Teenager zum Erwachsenen, die er in einer Gefängniszelle verbrachte.

Folgen für das Rechtssystem

Der Fall Teina Pora hat in Neuseeland eine intensive Debatte über Rechtssicherheit ausgelöst. Er steht exemplarisch für die Gefahren von:

- **Unzuverlässigen Geständnissen**, besonders bei jungen Menschen und Personen mit kognitiven Einschränkungen - **Finanziellen Anreizen** in Ermittlungsverfahren, die zu Falschaussagen führen können - **Unzureichender DNA-Analyse** in den frühen Phasen von Ermittlungen - **Tunnelblick** in der Polizeiarbeit, der alternative Verdächtige ausschließt

Heute gilt der Fall als Mahnung, wie wichtig sorgfältige, evidenzbasierte Ermittlungsarbeit ist – und welche katastrophalen Folgen es haben kann, wenn das System versagt und ein Unschuldiger für das Verbrechen eines anderen bestraft wird.

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