H.H. Holmes' Murder Castle in Chicago — das erste Serienmörder-Hotel

Wie ein Killer 1893 zur Weltausstellung ein Horrorhotel mit Gaskammern und Öfen baute

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KrimiNyt Redaktionen
🇺🇸 Amerikanisch
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Fakten

TäterHerman Webster Mudgett alias H.H. Holmes
Tatort63rd Street & Wallace Avenue, Englewood, Chicago
Zeitraum1892–1895
OpferzahlMindestens 9 bestätigt, Holmes behauptete 27, geschätzt bis zu 200
GebäudeDreistöckiges Hotel mit Geheimräumen, Gaskammern, Krematorium

Das Murder Castle: Ein Hotel als Todesfalle

1892 eröffnete Herman Webster Mudgett — besser bekannt als H.H. Holmes — ein dreistöckiges Hotel im Stadtteil Englewood im Süden Chicagos. Das Timing war kein Zufall: Ein Jahr später sollte die Weltausstellung zwei Millionen Besucher nach Chicago bringen, viele davon junge Frauen, die zum ersten Mal allein in einer Großstadt unterwegs waren. Holmes wartete auf sie.

Das Hotel war alles andere als gewöhnlich. Holmes hatte es mit versteckten Räumen, Gashähnen entworfen, die sich vom Gang aus öffnen ließen, einem Glastank groß genug für einen Menschen und einer Kellerrutsche, die direkt zu einem Krematorium führte. Die Polizei schätzte bei der späteren Untersuchung, dass mindestens 9 Menschen in dem Gebäude ermordet wurden — Holmes selbst behauptete in Briefen bis zu 27 Opfer, übertrieb aber vermutlich, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Manche Schätzungen gehen von bis zu 200 Opfern aus.

Serienmörder

Die Weltausstellung 1893: Zwischen Triumph und Terror

Die World's Columbian Exposition öffnete im Mai 1893 am Lake Michigan — die sogenannte "White City" mit weißen neoklassizistischen Gebäuden, dem ersten Riesenrad der Welt und über 27 Millionen Besuchern in sechs Monaten. Chicago befand sich im Rausch des Triumphs. Parallel dazu verschwanden junge Frauen aus Holmes' Hotel.

Erik Larsons Buch "The Devil in the White City" (2003) erzählt beide Geschichten nebeneinander — die strahlende Vision der Weltausstellung und die dunkle Realität des Murder Castle. Die Kontraste könnten kaum größer sein: Während Millionen die technologischen Wunder der Moderne bestaunten, perfektionierte Holmes nur wenige Kilometer entfernt seine Mordmaschinerie.

Der Tatort heute: Englewood, 63rd Street

Das Murder Castle brannte 1895 ab. Heute steht auf dem exakten Grundstück — 63rd Street und Wallace Avenue, Englewood — eine Filiale der US Postal Service. Das Viertel hat sich seit den 1890er Jahren drastisch verändert. Es gibt keine offizielle Markierung, aber der Ort wird regelmäßig von True Crime-Enthusiasten besucht.

Englewood zählt heute zu den ärmeren Vierteln Chicagos — Besucher sollten Rücksicht auf die Anwohner nehmen. Die Atmosphäre des Ortes ist nüchtern: eine gewöhnliche Postfiliale, keine Gedenktafel, nichts, was auf die schreckliche Vergangenheit hinweist.

Jackson Park: Wo die Weltausstellung stattfand

Jackson Park am Lake Michigan ist der beste Ort, um die Atmosphäre der Weltausstellung nachzuspüren. Das Museum of Science and Industry ist das einzige erhaltene Originalgebäude der Ausstellung (der ehemalige Fine Arts Palace). Vom Promontory Point hat man den gleichen Blick über den See wie Millionen Menschen 1893.

Von Downtown Chicago dauert die Fahrt mit der Red Line zur 63rd Street Station etwa 30 Minuten. Wer die Holmes-Geschichte nachvollziehen will, kann beide Orte an einem Tag besuchen — die glanzvolle Vision der White City und die düstere Realität des Murder Castle liegen nur wenige Kilometer auseinander.

Das Vermächtnis von H.H. Holmes

H.H. Holmes gilt als einer der ersten dokumentierten Serienmörder Amerikas. Seine Geschichte zeigt, wie urbane Anonymität, technologischer Fortschritt und die Mobilität der Moderne neue Formen des Verbrechens ermöglichten. Das Murder Castle war nicht nur ein Tatort, sondern ein speziell konstruiertes Mordwerkzeug — eine Maschine zum Töten.

Die Faszination für den Fall hält bis heute an, nicht zuletzt durch Larsons Bestseller, der die parallelen Welten von Fortschritt und Grauen eindrucksvoll schildert. Chicago selbst hat ein ambivalentes Verhältnis zu dieser Geschichte: Sie gehört zur Stadtgeschichte, wird aber selten offiziell thematisiert.

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