Das Verschwinden von Etan Patz – der Fall, der die USA veränderte
Pedro Hernandez wurde 2017 für den Mord und die Entführung des sechsjährigen Etan Patz verurteilt – nach jahrzehntelangen Ermittlungen und zwei Gerichtsverfahren.
Veröffentlicht 6. Juni 2025

Fakten
Am 25. Mai 1979 verschwand der sechsjährige Etan Kalil Patz im New Yorker Stadtviertel SoHo in Lower Manhattan. Der Fall gilt als einer der bekanntesten Vermisstenfälle der amerikanischen Kriminalgeschichte. Die Leiche des Jungen wurde nie gefunden.
Der Fall im Überblick
Der Fall Etan Kalil Patz blieb jahrzehntelang ungeklärt. Pedro Hernandez, der zum Zeitpunkt des Verschwindens als Verkäufer in einem Lebensmittelladen im SoHo-Viertel arbeitete, legte schließlich ein Geständnis ab. Auf dieser Grundlage leitete die Staatsanwaltschaft des New York County ein Strafverfahren gegen ihn ein. Am 14. Februar 2017 befand eine Jury des New York State Supreme Court Hernandez des Mordes und der Entführung für schuldig. Am 18. April 2017 wurde er zu 25 Jahren bis lebenslänglich verurteilt.
Das Verbrechen
An jenem Freitagmorgen im Mai 1979 verschwand Etan Patz in SoHo – einem der frühen Fälle in den USA, der landesweite Aufmerksamkeit auf das Thema vermisste Kinder lenkte. Da seine Leiche nie gefunden wurde, musste die Staatsanwaltschaft ihren Fall Jahrzehnte später ohne physische Tatortspuren aufbauen – gestützt vor allem auf das Geständnis von Pedro Hernandez.
Zeitlinie
Etan Kalil Patz verschwindet in SoHo, Manhattan
Am 25. Mai 1979 verschwindet der sechsjährige Etan Kalil Patz im Stadtviertel SoHo, Lower Manhattan, New York City. Seine Leiche wird nie gefunden.
Erster Prozess gegen Pedro Hernandez – Jury ohne Einigung
Der erste Prozess 2015 am New York State Supreme Court, Manhattan, endet ohne Urteil, da sich die Geschworenen nicht auf ein Ergebnis einigen können (hung jury).
Hernandez in Wiederaufnahmeverfahren für schuldig befunden
Am 14. Februar 2017 befindet die Jury am New York State Supreme Court, New York County, Pedro Hernandez des Mordes zweiten Grades und der Entführung ersten Grades für schuldig.
Urteil: 25 Jahre bis lebenslange Haft
Am 18. April 2017 wird Pedro Hernandez am New York State Supreme Court, New York County (Manhattan), zu 25 Jahren bis lebenslanger Haft verurteilt.
Föderales Berufungsgericht hebt Verurteilung auf
Am 21. Juli 2025 hebt ein föderales Berufungsgericht Hernandez' Verurteilung von 2017 auf und ordnet entweder einen neuen Prozess oder seine Freilassung an.
U.S. Supreme Court stellt Verurteilung von 2017 wieder her
Am 22. Juni 2026 trifft der Oberste Gerichtshof der USA eine Entscheidung und stellt die ursprüngliche Verurteilung von Pedro Hernandez wieder her. Das Urteil von 2017 gilt damit wieder.
Aus Rücksicht auf die Schwere des Falls und auf die Hinterbliebenen verzichten wir auf die Wiedergabe konkreter Details aus dem Geständnis.
Vermisste Kinder USA
Ermittlungen
Die Ermittlungen zogen sich von 1979 bis zur Anklageerhebung über Jahrzehnte hin. Der Fall veranschaulicht die besonderen Herausforderungen, die entstehen, wenn keine Leiche vorliegt und unmittelbare physische Spuren fehlen. Das Geständnis von Hernandez bildete letztlich die zentrale Grundlage für die strafrechtliche Verfolgung.
Cold Cases USA
Prozess und Urteil
Der erste Prozess gegen Pedro Hernandez fand 2015 vor dem New York State Supreme Court in Manhattan statt. Die Geschworenen konnten sich nicht auf ein einstimmiges Urteil einigen – es kam zu einem sogenannten „Hung Jury“ –, sodass der Fall neu verhandelt werden musste.
Im zweiten Verfahren befand die Jury Hernandez am 14. Februar 2017 des Mordes zweiten Grades sowie der Entführung ersten Grades für schuldig. Am 18. April 2017 wurde das Urteil gesprochen: 25 Jahre bis lebenslänglich.
Der Fall heute
Im Juli 2025 nahm der Fall eine erneute dramatische Wendung. Am 21. Juli 2025 hob ein föderales Berufungsgericht die Verurteilung von 2017 auf und ordnete entweder einen neuen Prozess oder die Freilassung von Hernandez an. Die Entscheidung stellte ein Urteil in Frage, das viele als endgültigen Abschluss eines mehr als 35 Jahre andauernden Falls betrachtet hatten.
Doch damit endete die Geschichte nicht. Am 22. Juni 2026 entschied der U.S. Supreme Court, die ursprüngliche Verurteilung von 2017 wiederherzustellen. Das Urteil gegen Pedro Hernandez – 25 Jahre bis lebenslänglich – gilt damit erneut als rechtskräftig.
Das Verschwinden von Etan Patz im Jahr 1979 ist in den USA zum Symbol einer Ära geworden, in der das Bewusstsein für vermisste Kinder erstmals breiten Eingang in die öffentliche Wahrnehmung fand. Der Fall erstreckte sich über fast fünf Jahrzehnte, bevor das Rechtssystem zu einer Entscheidung gelangte, die durch den Eingriff des Supreme Court im Jahr 2026 nun erneut als endgültig gilt.
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