Fallakte

D.B. Cooper — Die ungelöste Flugzeugentführung von 1971

Pazifischer Nordwesten der USA, November 1971 — bis heute ungelöster Cold Case

🇺🇸 Amerikanisch

Veröffentlicht 2. Juni 2026

BEWEIS

Falldetails

Quick Facts

Fallstatus
Cold Case
Ort
Ariel, Washington, USA

Der Fall

Die sogenannte D.B.-Cooper-Entführung ist einer der berühmtesten ungelösten Kriminalfälle der US-amerikanischen Geschichte. Am 24. November 1971 entführte ein unbekannter Mann, der sich unter dem Alias Dan Cooper registriert hatte, eine Boeing 727 der Northwest Orient Airlines auf dem Flug 305 von Portland (Oregon) nach Seattle (Washington). Er erpresste 200.000 US-Dollar Lösegeld sowie vier Fallschirme und sprang noch in derselben Nacht aus dem fliegenden Flugzeug ab. Weder der Mann noch der Großteil des Geldes wurden je gefunden. Der Fall ging als legendäre Flugzeugentführung in die Kriminalgeschichte ein.

Die Medien machten aus einem Übermittlungsfehler im Pressefunk den Namen „D.B. Cooper“, obwohl sich der Mann mit „Dan Cooper“ eingetragen hatte. Unter diesem falschen Namen ist der Fall bis heute weltweit bekannt.

Das Verbrechen

Am Nachmittag des 24. November 1971 — dem Vorabend von Thanksgiving — bestieg ein etwa Mitte 40 wirkender, dunkel gekleideter Mann mit Anzug, Krawatte und Aktentasche in Portland die Maschine. Kurz nach dem Start reichte er einer Stewardess einen Zettel, auf dem er angab, eine Bombe in seiner Aktentasche zu haben. Er öffnete den Koffer kurz, um Drähte und zylindrische Objekte zu zeigen, und stellte seine Forderungen: 200.000 US-Dollar in gebrauchten 20-Dollar-Scheinen sowie vier Fallschirme.

Zeitlinie

24. November 1971

Entführung von Flight 305

Ein Mann unter dem Namen Dan Cooper ging an Bord des Northwest Orient Airlines Flight 305 von Portland nach Seattle und behauptete, eine Bombe bei sich zu haben.

24. November 1971

Lösegeld in Seattle bezahlt

Nach der Landung in Seattle ließ Cooper die Passagiere gegen 200.000 Dollar in bar und vier Fallschirme frei und ließ das Flugzeug auftanken.

24. November 1971

Der Sprung

Während die Boeing 727 in Richtung Reno, Nevada, flog, ließ Cooper die Hecktreppe herab und sprang mit dem Fallschirm in die Nacht, was allgemein in der Nähe von Ariel, Washington, vermutet wird.

10. Februar 1980

Lösegeld gefunden

Ein Junge entdeckte 5.800 Dollar in stark verwittertem Papiergeld am Ufer des Columbia River; die Seriennummern stimmten mit dem an Cooper gezahlten Lösegeld überein.

12. Juli 2016

FBI schließt NORJAK-Akte

Nach 45 Jahren ohne einen bestätigten Verdächtigen beendete das FBI offiziell seine Ermittlungen zu der Entführung.

Nach der Landung in Seattle wurden die Forderungen erfüllt. Cooper ließ die 36 Passagiere und einen Teil der Crew frei, behielt aber den Piloten, den Copiloten, den Flugingenieur und eine Stewardess an Bord. Anschließend ordnete er an, in geringer Höhe und mit reduzierter Geschwindigkeit Kurs auf Mexiko-Stadt zu nehmen, mit einem Zwischenstopp in Reno (Nevada) zur Betankung. Während des Fluges öffnete er die hintere Hecktreppe der Boeing 727 und sprang in die Nacht — vermutlich über bewaldetem Gebiet nahe Ariel im Bundesstaat Washington. Als die Maschine in Reno landete, war Cooper verschwunden.

Die Opfer

Die verifizierten Opfer der Tat sind die Passagiere und die Besatzung des Northwest-Orient-Fluges 305. Sie wurden über mehrere Stunden mit einer mutmaßlichen Bombe bedroht; körperlich verletzt wurde niemand. Vollständige Namen der Passagiere sind in den verifizierten Quellen nicht öffentlich dokumentiert. Die Crew kooperierte während der gesamten Entführung mit dem Täter und konnte später detaillierte Beschreibungen liefern, die zur ersten Phantomzeichnung führten.

Ermittlung

Die Bundespolizei FBI nahm die Ermittlungen sofort unter dem Decknamen NORJAK (Northwest Hijacking) auf. Über Jahrzehnte wurden Hunderte Verdächtige überprüft, Bodensuchen im mutmaßlichen Absprunggebiet durchgeführt und unzählige Hinweise aus der Bevölkerung bearbeitet. Die FBI-Beamten hatten vorab die Seriennummern aller ausgehändigten 20-Dollar-Scheine notiert, was später zu einem der wenigen handfesten Beweise führen sollte.

Der spektakulärste Durchbruch kam im Februar 1980: Der achtjährige Brian Ingram entdeckte beim Picknick am Ufer des Columbia River verrottete Geldbündel im Gesamtwert von 5.800 US-Dollar. Die Seriennummern stimmten mit dem Lösegeld überein. Wie das Geld dorthin gelangte, ist bis heute umstritten — manche Ermittler vermuten, dass Cooper den Sprung nicht überlebte, andere halten den Fund für einen Hinweis auf eine fehlgeschlagene Spurenverwischung. Auch Fallschirmexperten analysierten die Sprungbedingungen jener Nacht und kamen zu unterschiedlichen Schlüssen über die Überlebenschancen.

Zu den weiteren Beweisstücken zählten eine zurückgelassene Krawatte mit Krawattenklammer, Zigarettenstummel (später verloren gegangen) und Spuren am Flugzeug selbst. Moderne DNA- und Partikelanalysen brachten zwar interessante Hinweise — etwa seltene Titanpartikel an der Krawatte —, aber keinen identifizierbaren Täter.

Prozess und Urteil

Ein Prozess hat in diesem Fall nie stattgefunden. Da der Täter nie identifiziert oder festgenommen wurde, gibt es weder eine Anklage noch ein Urteil. Zwar tauchten über die Jahrzehnte zahlreiche angebliche „Cooper-Kandidaten“ auf — darunter Veteranen mit Fallschirmerfahrung, Drifter und sogar Personen, die auf dem Sterbebett Geständnisse abgelegt haben sollen —, doch keiner dieser Verdächtigen konnte forensisch zweifelsfrei mit der Tat verknüpft werden. Im Juli 2016 stellte das FBI nach 45 Jahren die aktive Untersuchung ein und verlagerte die Ressourcen auf andere Prioritäten. Der Fall bleibt damit offiziell ungelöst.

Heute

D.B. Cooper gilt bis heute als einziger Mensch, der eine kommerzielle Flugzeugentführung in den USA begangen hat, ohne je gefasst zu werden. Der Fall hat eine eigene Subkultur hervorgebracht: In der Kleinstadt Ariel (Washington) wurde jahrelang ein „D.B. Cooper Day“ gefeiert, Hobbyforscher und ehemalige FBI-Agenten veröffentlichen regelmäßig neue Theorien. Auch nach der offiziellen Einstellung der Ermittlungen werden FBI-Akten teilweise freigegeben und von Journalisten ausgewertet — unter anderem in Verbindung mit dem Buch *Skyjack: The Hunt for D.B. Cooper*.

Die populärkulturelle Verarbeitung ist enorm: Der Fall inspirierte Spielfilme, Dokumentationen, Songs, Podcasts und Romane. Theorien reichen von der Annahme, Cooper sei beim Sprung umgekommen, über Identifizierungsversuche mittels Profiling bis hin zu Hypothesen, der Täter habe nach der Tat unauffällig in den USA weitergelebt. Endgültige Antworten gibt es nicht — und genau dieses Fehlen einer Auflösung macht den D.B.-Cooper-Fall zu einem der dauerhaftesten Mysterien der modernen Kriminalgeschichte.

Medienberichterstattung

TV series

  • D.B. Cooper: Where Are You?!(2026)

Zu diesem Fall fragen

Antworten nur aus der Berichterstattung von KrimiNyt

Diesem Fall folgen

Erhalte eine E-Mail, wenn eine neue Doku, ein Podcast oder ein Buch zu D.B. Cooper — Die ungelöste Flugzeugentführung von 1971 erscheint oder ein Urteil fällt.

Diesen Beitrag teilen: