Fallakte

DeFeo-Familienmorde — Sechsfachmord in Amityville 1974

Amityville, Long Island, New York, 1974 — Fall gelöst

🇺🇸 Amerikanisch

Veröffentlicht 2. Juni 2026

BEWEIS

Falldetails

Quick Facts

Fallstatus
Aufgeklärt
Ort
Amityville, New York, USA

Der Fall

Die DeFeo-Familienmorde gehören zu den bekanntesten Verbrechen der US-amerikanischen Kriminalgeschichte des 20. Jahrhunderts. In der Nacht zum 13. November 1974 erschoss der 23-jährige Ronald Joseph DeFeo Jr. seine Eltern und seine vier jüngeren Geschwister in ihrem Haus an der 112 Ocean Avenue in Amityville auf Long Island, New York. Alle sechs Opfer wurden in ihren Betten mit einem Marlin-Unterhebelrepetiergewehr im Kaliber .35 erschossen. Der Fall gilt als gelöst, doch das genaue Motiv des Täters wurde nie zweifelsfrei geklärt.

Weltweite Berühmtheit erlangte das Anwesen später durch die Buch- und Filmreihe „The Amityville Horror“, in der die nachfolgenden Bewohner angebliche paranormale Erlebnisse schilderten. Die tatsächliche Bluttat im Haus war Ausgangspunkt dieses popkulturellen Phänomens, das den juristischen Kern des Falls jahrzehntelang überlagerte.

Das Verbrechen

Nach den Erkenntnissen der Ermittler tötete DeFeo seine Familie in den frühen Morgenstunden des 13. November 1974. Die Tatwaffe war ein .35-Kaliber-Marlin-Gewehr. Die Kinder wurden jeweils einmal, die Eltern jeweils zweimal erschossen. Auffällig war, dass die Opfer offenbar bäuchlings in ihren Betten lagen und keiner aufgewacht zu sein schien — ein Umstand, der die Ermittler stutzig machte und bis heute Anlass zu Spekulationen über den genauen Tatablauf gibt.

Zeitlinie

13. November 1974

Sechs Mitglieder der Familie DeFeo erschossen

Ronald DeFeo Jr. erschießt seine Eltern und vier Geschwister im Schlaf in ihren Betten in der 112 Ocean Avenue in Amityville, mit einem Marlin-Unterhebelrepetiergewehr Kaliber .35.

13. November 1974

DeFeo schlägt Alarm in einer örtlichen Bar

Später am selben Tag stürmt DeFeo in Henry's Bar in Amityville und behauptet, seine Familie sei erschossen worden. Die Polizei begleitet ihn zum Haus und findet die sechs Leichen.

14. November 1974

Geständnis nach Zusammenbruch der Mob-Auftragsmord-Geschichte

Nachdem er den Ermittlern zunächst erzählt hatte, ein Auftragsmörder der Mafia habe seine Familie ermordet, gesteht DeFeo die Taten am folgenden Tag während der Vernehmung.

14. Oktober 1975

Mordprozess beginnt

DeFeos Prozess beginnt am Suffolk County Court, wo seine Verteidigung auf Unzurechnungsfähigkeit plädiert, während die Anklage sein Geständnis und das gefundene Gewehr vorlegt.

21. November 1975

Jury verurteilt DeFeo wegen sechsfachen Mordes

Die Jury befindet Ronald DeFeo Jr. in sechs Fällen des Mordes zweiten Grades für schuldig, für die Tötung seiner Eltern und vier Geschwister.

4. Dezember 1975

Sechs Strafen von 25 Jahren bis lebenslänglich verhängt

Richter Thomas Stark verurteilt DeFeo zu sechs gleichzeitig zu verbüßenden Strafen von 25 Jahren bis lebenslänglich in einem staatlichen Gefängnis.

1. September 1977

The Amityville Horror erscheint

Jay Ansons Buch über den kurzen Aufenthalt der Familie Lutz im DeFeo-Haus macht die 112 Ocean Avenue zu einer der berüchtigtsten Adressen im amerikanischen True Crime.

12. März 2021

Ronald DeFeo Jr. stirbt im Gefängnis

DeFeo stirbt im Alter von 69 Jahren, während er seine Strafe im Bundesstaat New York noch verbüßt, ohne jemals auf Bewährung entlassen worden zu sein.

Am Abend des 13. November betrat DeFeo eine Bar in Amityville und erklärte aufgeregt, seine Familie sei erschossen worden. Die hinzugerufene Polizei fand die sechs Leichen vor. Bereits während der ersten Befragung verstrickte sich DeFeo in Widersprüche.

Die Opfer

Getötet wurden sechs Mitglieder der Familie DeFeo:

- Ronald Joseph DeFeo Sr., 43 Jahre, Vater und Geschäftsmann im Autohandel der Familie

- Louise DeFeo, 42 Jahre, Mutter und Hausfrau

- Dawn DeFeo, 18 Jahre, älteste Tochter

- Allison DeFeo, 13 Jahre

- Mark DeFeo, 12 Jahre

- John Matthew DeFeo, 7 Jahre

Die Familie galt nach außen als wohlhabend und gut integriert. Sie war italienisch-amerikanischer Herkunft, dem römisch-katholischen Glauben zugewandt und bewohnte das markante dreistöckige Haus im niederländischen Kolonialstil seit 1965. Im Inneren der Familie soll es jedoch seit Jahren erhebliche Spannungen zwischen Ronald Sr. und seinem ältesten Sohn gegeben haben.

Ermittlung

Die Ermittler des Suffolk County Police Department schöpften schon kurz nach der Tatentdeckung Verdacht gegen DeFeo. Zunächst behauptete er, ein Auftragsmord der Mafia habe seine Familie ausgelöscht und nannte sogar einen vermeintlichen Schützen. Diese Version ließ sich rasch widerlegen. Bereits am 14. November 1974, einen Tag nach der Tat, legte er ein Geständnis ab.

Im Haus wurden Patronenhülsen sichergestellt, die zum .35-Kaliber-Marlin passten. DeFeo selbst hatte ein solches Gewehr besessen. Hinweise auf einen Einbruch oder einen Kampf fehlten. Auch wirtschaftliche Aspekte rückten in den Fokus: Berichten zufolge soll DeFeo die Versicherungssumme nach dem Tod der Familie kassieren wollen haben. Ein endgültiges Motiv konnte aber nie bewiesen werden — diskutiert wurden langjährige Konflikte mit dem Vater, finanzielle Streitigkeiten, Drogenkonsum und psychische Auffälligkeiten.

Prozess und Urteil

Der Prozess vor dem Suffolk County Court begann im Herbst 1975. Die Verteidigung berief sich auf eine Schuldunfähigkeit wegen einer schweren psychischen Störung; DeFeo behauptete, Stimmen gehört zu haben. Die Anklage hingegen präsentierte ihn als kalkulierten Täter, der die Tat aus Habgier und Hass auf die Familie begangen habe.

Am 21. November 1975 sprach die Jury DeFeo in sechs Fällen des Mordes zweiten Grades („second-degree murder“ nach New Yorker Recht) schuldig. Richter Thomas Stark verhängte am 4. Dezember 1975 sechs Freiheitsstrafen von jeweils 25 Jahren bis lebenslänglich. DeFeo blieb damit bis zu seinem Lebensende in Haft und wurde mehrfach erfolglos auf Bewährung angehört.

Heute

Ronald DeFeo Jr. starb am 12. März 2021 im Alter von 69 Jahren während der Haft in einem Krankenhaus im Bundesstaat New York. Über die Jahre hatte er seine Version der Ereignisse mehrfach geändert und unter anderem behauptet, seine Schwester Dawn habe bei der Tat mitgewirkt oder sei sogar Haupttäterin gewesen. Diese Aussagen konnten gerichtlich nie belegt werden.

Das Haus an der 112 Ocean Avenue wurde nach den Morden mehrfach verkauft und umgebaut; auch die Hausnummer wurde geändert, um neugierige Besucher fernzuhalten. Die angeblichen Spukphänomene, die spätere Bewohner schilderten, wurden zur Vorlage des Romans „The Amityville Horror“ (1977) von Jay Anson und einer Vielzahl von Filmadaptionen ab 1979. True-Crime-Formate widmeten sich später wieder verstärkt der dokumentarischen Aufarbeitung — darunter A&E-Reportagen, der Podcast „Morbid“ sowie die Investigation-Discovery-Dokumentation „The People v. Ronald DeFeo Jr.“. Trotz dieser Aufmerksamkeit bleibt das Motiv für die Auslöschung einer ganzen Familie eines der bis heute offenen Rätsel des Falls.

Medienberichterstattung

TV series

  • Amityville Horror House(2026)

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