Helikopterraub in Västberga: Schwedens dreistester Coup
Am 23. September 2009 landeten rund 20 Täter mit einem gestohlenen Helikopter auf einem Stockholmer Geldlager und erbeuteten 39 Millionen Kronen – das Geld blieb verschwunden.
Veröffentlicht 6. Juni 2025

Klassifizierung:
Am 23. September 2009 um 05:15 Uhr MESZ vollzog eine Gruppe von rund 20 Tätern Schwedens ersten Helikopterraub – eine Operation, die mit fast filmischer Präzision geplant und ausgeführt wurde und das Land bis heute beschäftigt.
Ein gestohlener Helikopter als Tatwaffe
Bereits in der Nacht zuvor hatten die Täter die notwendige Infrastruktur für ihren Coup beschafft: Eine Bell 206 JetRanger wurde vom Luftfahrtunternehmen Roslagens Helikopterflyg in Norrtälje gestohlen. Dieses Modell sollte als zentrales Transportmittel des Überfalls dienen. Am frühen Morgen des 23. September landete der Helikopter auf dem Dach des G4S Cash Services-Wertdepots im Stockholmer Vorort Västberga.
Drei bis vier Männer drangen in das Gebäude ein – mit einer Effizienz, die Ermittler später mit militärischer Präzision verglichen. Mit einem Hammer zerschlugen sie die gläserne Pyramidenstruktur auf dem Dach und arbeiteten sich bis zu den Geldschränken und Sicherheitstüren vor. Um diese zu öffnen, setzten sie Sprengstoff ein.
Zeitlinie
Helikopterraub auf das G4S-Depot
Um 05:15 Uhr MESZ landete der Helikopter auf dem Dach des G4S Cash Services-Wertdepots in Västberga. Drei bis vier Täter drangen ein, indem sie die gläserne Dachpyramide einschlugen und sich zu den Geldschränken vorarbeiteten.
Urteil vor dem Södertörns tingsrätt verkündet
Das Södertörns byret verkündet im Oktober 2010 sein Urteil: Sieben von zehn Angeklagten werden verurteilt, drei freigesprochen. Eriksson und Kadhum werden zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt.
Berufungsverfahren vor dem Svea hovrätt
Sowohl die Anklagebehörde als auch die Angeklagten legen Berufung beim Svea hovrätt (Landgericht Stockholm) ein, das den Fall in zweiter Instanz verhandelt.
Bewaffneter Raub
39 Millionen Kronen in wenigen Minuten
Trotz der Explosionen blieben alle 21 Bankangestellten, die sich zum Zeitpunkt des Überfalls im Gebäude befanden, unverletzt. Sie hatten rechtzeitig in einem gesicherten Tresorraum Schutz gesucht. Innerhalb weniger Minuten packten die Räuber rund 39 Millionen schwedische Kronen – umgerechnet etwa vier Millionen Euro – und verließen das Gebäude durch den Helikopter.
Die gesamte Operation war so getaktet, dass die Polizei keine Chance hatte, rechtzeitig einzugreifen. Um eine sofortige Verfolgung aus der Luft zu verhindern, hatten die Täter im Vorfeld gefälschte Bomben in der Nähe von Polizeihubschrauber-Stützpunkten deponiert. Die Strafverfolgungsbehörden waren damit beschäftigt, diese vermeintlichen Bedrohungen zu überprüfen – wertvolle Minuten, die die Räuber nutzten, um zu entkommen.
Organisierte Kriminalität
Die Flucht und das verschwundene Geld
Der gestohlene Helikopter landete schließlich beim Kanaanbadet, einem Freibad in der Nähe von Stockholm. Dort verschwanden die Täter im Morgengrauen – und mit ihnen die Beute. Die erbeuteten 39 Millionen Kronen wurden bis heute nicht gefunden. Eine ausgelobte Belohnung von sieben Millionen Kronen für Hinweise, die zu Verhaftungen oder zur Rückgabe des Geldes führen sollten, brachte keinen Durchbruch.
Das Fehlen der Beute ist eines der rätselhaftesten Elemente des Falls: Obwohl letztlich sieben Personen verurteilt wurden, blieb der Großteil des Erlöses verschollen.
Prozess und Urteile
Die Ermittlungen führten zur Anklage von insgesamt zehn Personen. Im August 2010 fand die Hauptverhandlung vor einem Stockholmer Gericht statt. Einer der Angeklagten, Safa Kadhum, gestand, einer der drei maskierten Männer im Innern des Depots gewesen zu sein. Sieben der zehn Angeklagten wurden schließlich verurteilt; gegen die übrigen drei reichten die vorliegenden Beweise nicht für eine Verurteilung aus.
Die Polizei geht davon aus, dass insgesamt rund 20 Personen an der Operation beteiligt waren – von der Planung über den Helikopterdiebstahl bis hin zur Flucht.
Gerichtsverfahren Schweden
Ein Wendepunkt in der schwedischen Kriminalgeschichte
Der Helikopterraub von Västberga markierte einen Einschnitt in der schwedischen Verbrechensgeschichte. Er zeigte, wie ausgefeilt und organisiert Überfälle sein können – und welche Sicherheitslücken selbst vermeintlich gut gesicherte Wertdepots aufweisen. Der Fall löste weitreichende Debatten über den Schutz von Geldlagern und die Sicherung von Hubschrauberlandeplätzen aus.
Bis heute gilt der Raub als einer der spektakulärsten Kriminalfälle Skandinaviens: ein nahezu perfekt durchgeführter Coup, dessen Täter zwar gefasst wurden – das Geld aber nie zurückbrachten.
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