Fallakte

Maze-Ausbruch 1983: IRA-Gefangene flohen aus Hochsicherheitstrakt

Die spektakuläre Flucht von 38 IRA-Häftlingen aus dem Maze-Gefängnis wurde zum größten Gefängnisausbruch der britischen Geschichte

🇬🇧 Britisch

Veröffentlicht 6. Juni 2025

A guarded lorry gate at Maze Prison, surrounded by high security fences and watchtowers, symbolizes the historic 1983 breakout involving 38 IRA prisoners.
BEWEIS

Fakten

Täter38 prisoners from the Provisional IRA
OpferJames Ferris (prison officer)
TatortHM Prison Maze (Long Kesh), near Lisburn, County Antrim, Northern Ireland
Tatzeitpunkt25 September 1983
DeliktMass escape, hostage-taking, manslaughter under mitigating circumstances (trial ended in acquittal)

Der spektakuläre Ausbruch aus Europas sicherstem Gefängnis

Im September 1983 gelang 38 IRA-Gefangenen ein Ausbruch aus dem Hochsicherheitsgefängnis Maze bei Belfast, der als der größte Gefängnisausbruch in der britischen Geschichte in die Annalen einging. Die Flucht hinterließ drei schwer verletzte Gefängniswärter und löste eine der größten Fahndungsaktionen in Nordirland aus.

Das Maze Prison lag etwa 16 Kilometer außerhalb von Belfast auf dem Gelände einer ehemaligen RAF-Basis. Die Anlage bestand aus acht H-förmigen Zellenblöcken und galt als das sicherste Hochsicherheitsgefängnis Europas. Ein Ausbruch schien nahezu unmöglich – doch die IRA-Gefangenen bewiesen das Gegenteil.

Monatelange Planung und brutale Gewalt

Die Flucht war das Ergebnis monatelanger Vorbereitung. Die Häftlinge schmuggelten Waffen ins Gefängnis und planten jeden Schritt minutiös. Bei der Ausführung des Plans kam es zu brutaler Gewalt gegen das Wachtpersonal.

Zeitlinie

25. September 1983

38 IRA-Häftlinge entkommen aus dem HM Prison Maze

Am 25. September 1983 brechen 38 Häftlinge der Provisional IRA mithilfe eingeschmuggelter Waffen und durch Geiselnahme von Gefängnispersonal aus Block H-7 aus.

25. September 1983

Justizvollzugsbeamter James Ferris stirbt

James Ferris wird während der Flucht niedergestochen und stirbt, nachdem er noch am selben Tag einen Herzinfarkt erleidet.

26. September 1983

Internationale Presseberichterstattung über die Flucht

Die New York Times und internationale Medien berichten am 26. September 1983 über den bis dahin beispiellosen Gefängnisausbruch in der britischen Friedenszeitgeschichte.

1. Januar 1983

Getrennte Verfahren gegen wiedergefangene Häftlinge eingeleitet

Ab 1983 werden mehrere unabhängige Gerichtsverfahren gegen die wieder gefangenen Häftlinge geführt, wegen Handlungen, die während und im Zusammenhang mit der Flucht begangen wurden.

1. Januar 1983

16 Häftlinge vom Vorwurf des Totschlags an James Ferris freigesprochen

Die Anklagebehörde kann nicht beweisen, dass der Messerstich den Herzinfarkt verursachte – 16 Angeklagte werden in den anschließenden Gerichtsverfahren vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen.

Drei Gefängniswärter an den Toren erlitten schwere Verletzungen: Ein Wärter wurde niedergestochen, ein zweiter wurde in den Kopf geschossen, und ein dritter wurde so brutal attackiert, dass ihm ein Auge ausgeschlagen wurde. Die Gewalt zeigt die Entschlossenheit der Flüchtenden, ihre Freiheit um jeden Preis zu erlangen.

Massive Fahndung mit 27.000 bewaffneten Kräften

Unmittelbar nach der Flucht setzte eine beispiellose Fahndungsaktion ein. Insgesamt wurden 27.000 bewaffnete Personen mobilisiert, darunter 9.500 britische Soldaten. Die Sicherheitskräfte durchkämmten systematisch Nordirland und die Grenzregion zur Republik Irland.

Innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Ausbruch konnten 19 der 38 Flüchtigen wieder gefasst werden. Einige der Entkommenen kehrten überraschenderweise sogar freiwillig in ihre ursprünglichen Zellen im H-Block 7 zurück – die Gründe dafür bleiben spekulativ.

Die anderen Flüchtigen schlugen verschiedene Wege ein: Einige stahlen Autos, andere flohen zu Fuß. Etwa die Hälfte der Gefangenen schaffte es über die Grenze in die Republik Irland, wo sie in Untergrund untertauchten. Trotz des massiven Einsatzes gelang es den Behörden nicht, alle Geflohenen wieder einzufangen.

Politischer Kontext: Hungerstrejk und Spannungen

Der Maze-Ausbruch muss im Kontext der hochexplosiven politischen Lage in Nordirland Anfang der 1980er Jahre verstanden werden. Nur zwei Jahre zuvor, 1981, hatte ein Hungerstreik im selben Gefängnis zu zehn Todesfällen unter republikanischen Gefangenen geführt, darunter der IRA-Anführer Bobby Sands.

Die Hungerstreikenden hatten den Status als politische Gefangene gefordert, den ihnen die britische Regierung unter Margaret Thatcher verweigerte. Die Todesfälle hatten die Spannungen zwischen den republikanischen Gefangenen und den britischen Behörden dramatisch verschärft.

In diesem aufgeheizten Klima kam der spektakuläre Ausbruch von 1983 keineswegs überraschend. Er wurde von vielen als direkte Reaktion auf die als demütigend empfundene Behandlung der politischen Gefangenen gesehen.

Wendepunkt in der Debatte um Gefängnisbedingungen

Der Maze-Ausbruch entwickelte sich zu einem Wendepunkt in der öffentlichen Diskussion über Haftbedingungen und Sicherheitsmaßnahmen in Hochsicherheitsgefängnissen. Die britischen Behörden mussten sich fragen lassen, wie eine solch groß angelegte Flucht aus dem angeblich sichersten Gefängnis Europas überhaupt möglich sein konnte.

Die Ereignisse führten zu einer umfassenden Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen und zu strukturellen Veränderungen im britischen Gefängniswesen. Gleichzeitig wurde der Ausbruch für die IRA zu einem bedeutenden Propaganda-Erfolg, der ihre Schlagkraft und Organisationsfähigkeit unter Beweis stellte.

Der Maze-Ausbruch von 1983 gilt bis heute als eine der bemerkenswertesten Gefängnisfluchten der modernen europäischen Kriminalgeschichte und bleibt ein Symbol für die gewaltsamen Konflikte der nordirischen Troubles-Ära.

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