Fallakte

Polizistenmord von Kusel 2022

Zwei Polizisten bei Verkehrskontrolle erschossen

🇩🇪 Deutsch

Veröffentlicht 7. Mai 2026

BEWEIS

Fakten

TäterAndreas S.
OpferYasmin (Maria) Bux and Alexander Klos
TatortKreisstraße 22 between Mayweilerhof and Ulmet, Kusel district, Rhineland-Palatinate, Germany
Tatzeitpunkt31 January 2022
DeliktDouble murder (zweifacher Mord)

Die Verkehrskontrolle mit tödlichem Ausgang

In den frühen Morgenstunden des 31. Januar 2022 kontrollierten zwei Polizeibeamte einen weißen VW Passat auf der Kreisstraße zwischen Mayweilerhof und Ulmet im Landkreis Kusel in Rheinland-Pfalz. Was als Routinekontrolle begann, entwickelte sich zu einer der tragischsten Taten gegen Polizisten in der deutschen Geschichte.

Die beiden Beamten – die 24-jährige Polizeioberkommissarin Yasmin Wybitul und der 29-jährige Polizeihauptkommissar Alexander Heindorf – waren erfahrene und engagierte Polizisten. Wybitul gehörte zu den jüngeren im Dienst, Heindorf hatte bereits mehrere Dienstjahre hinter sich. Gegen 04:30 Uhr näherten sie sich dem verdächtigen Fahrzeug – nichts deutete darauf hin, dass diese Kontrolle ihr Leben kosten würde.

Ohne Vorwarnung eröffneten die Insassen das Feuer auf die beiden Beamten. Sowohl Wybitul als auch Heindorf wurden getroffen und erlagen kurz darauf ihren schweren Verletzungen. Die Tat schockierte nicht nur ihre Familien und Kollegen, sondern ganz Deutschland.

Zeitlinie

31. Januar 2022

Zwei Polizeibeamte bei Kusel erschossen

Yasmin (Maria) Bux (24) und Alexander Klos (29) werden bei einer routinemäßigen Fahrzeugkontrolle auf der Kreisstraße 22 im Landkreis Kusel, Rheinland-Pfalz, erschossen.

31. Januar 2022

Eine der größten Polizeieinsätze in Rheinland-Pfalz wird eingeleitet

Unmittelbar nach dem Auffinden der getöteten Beamten wird im Bundesland eine umfangreiche Fahndungs- und Ermittlungsoperation eingeleitet.

30. November 2022

Landgericht Kaiserslautern verurteilt Andreas S. wegen Doppelmordes

Andreas S. wird wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellt zudem die besondere Schwere der Schuld fest.

1. Juli 2023

BGH bestätigt Urteil – Fall rechtskräftig abgeschlossen

Der BGH verwirft die Revision von Andreas S. im Juli 2023. Das Urteil ist damit rechtskräftig, und das Strafverfahren ist abgeschlossen.

Großfahndung und intensive Ermittlungen

Der Mord an zwei uniformierten Polizisten löste eine beispiellose Fahndung aus. Hunderte Beamte aus mehreren Bundesländern wurden mobilisiert, um die Täter zu fassen. Die rheinland-pfälzische Innenministerin bezeichnete die Tat als Angriff auf den Staat selbst.

Die Ermittler konzentrierten sich darauf, das Fahrzeug und dessen Insassen zu identifizieren. Videoaufnahmen wurden gesichtet, Zeugen befragt, ein umfassendes Beweismittelnetz gespannt. Der Fall erinnerte an andere schwere Gewalttaten gegen Polizeibeamte in Deutschland.

Schon kurz nach der Tat konnten zwei Männer festgenommen werden: Andreas S. (38) und Marvin H. (38). Die Beweislage war erdrückend – ballistische Untersuchungen, Videomaterial und Zeugenaussagen verbanden beide Männer zweifelsfrei mit der Tat. Beide waren polizeibekannt und hatten Vorstrafen.

Der Prozess und die Urteile

Der Prozess fand vor dem Landgericht Kaiserslautern statt und stand unter enormer öffentlicher Aufmerksamkeit. Die Staatsanwaltschaft präsentierte eine überwältigende Beweisführung, die beide Angeklagte mit dem Doppelmord in Verbindung brachte.

Andreas S. wurde zu lebenslanger Haft verurteilt – mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Dies bedeutet, dass eine vorzeitige Haftentlassung vor Ablauf von 15 Jahren praktisch ausgeschlossen ist. Es war die härteste Strafe, die das deutsche Strafrecht für Tötungsdelikte vorsieht.

Marvin H. erhielt eine Haftstrafe von 13 Jahren. Das Gericht wertete seine Rolle als weniger zentral im Vergleich zu Andreas S., obwohl beide für dieselbe Tat schuldig gesprochen wurden. Die unterschiedlichen Strafen spiegelten die unterschiedliche Tatbeteiligung wider.

Hintergründe der Tat

Im Verlauf des Prozesses stellte sich heraus, dass die beiden Täter im Zusammenhang mit Wilderei und illegalem Waffenbesitz unterwegs waren. Im Fahrzeug befanden sich erlegte Wildtiere und illegale Waffen. Die Polizeikontrolle hätte diese Straftaten aufgedeckt – ein Umstand, der offenbar zum tödlichen Entschluss der Täter führte.

Beide Männer bewegten sich in einem kriminellen Milieu, das von illegaler Jagd und Waffenhandel geprägt war. Die Ermittlungen deckten ein Netzwerk auf, das weit über die beiden Haupttäter hinausging.

Auswirkungen und Nachwirkungen

Der Fall Kusel hatte weitreichende Folgen für Deutschland. Er löste intensive Debatten über den Schutz von Polizeibeamten, Waffengesetze und den Umgang mit organisierter Kriminalität aus. Politiker forderten härtere Strafen für Angriffe auf Polizisten und bessere Schutzausrüstung.

Für die deutsche Polizei wurde der Fall zu einer schmerzhaften Erinnerung an die täglichen Risiken des Dienstes. Die Namen Yasmin Wybitul und Alexander Heindorf werden im deutschen Polizeidienst in Ehren gehalten. Zahlreiche Gedenkveranstaltungen fanden statt, Straßen und Plätze wurden nach den Opfern benannt.

Auch aus juristischer Perspektive war der Prozess bedeutsam. Er testete deutsche Strafrechtsbestimmungen zu Mord und zur Tötung von Amtsträgern in Ausübung ihres Dienstes. Die Urteile setzen Maßstäbe für künftige Verfahren.

Der Stand der Ermittlungen

Obwohl der Prozess mit rechtskräftigen Urteilen abgeschlossen ist, arbeiten die Ermittlungsbehörden weiter an der vollständigen Aufklärung der Hintergründe. Insbesondere das kriminelle Netzwerk rund um illegale Jagd und Waffenhandel steht weiterhin im Fokus.

Der Fall Kusel bleibt ein trauriger Meilenstein in der deutschen Kriminalgeschichte – eine Mahnung an die Gefahren des Polizeidienstes und die Notwendigkeit, Straftäter konsequent zur Rechenschaft zu ziehen.

Medienberichterstattung

Podcasts

  • Im Fall Kusel — Die letzte Jagd: Podcast zum Doppelmord(2026)

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