Son of Sam — David Berkowitz' Mordserie in New York
New York City, 1976–1977 — gelöst und verurteilt
Veröffentlicht 5. Juni 2026

Fakten
Der Fall
Die Son-of-Sam-Morde gehören zu den berüchtigtsten Kriminalfällen der amerikanischen Geschichte. Zwischen Juli 1976 und Juli 1977 versetzte ein unbekannter Schütze New York City in Angst und Schrecken, indem er mit einer .44-Kaliber-Revolver wahllos auf Menschen schoss, die in geparkten Autos saßen oder auf der Straße gingen. Die Mordserie forderte sechs Todesopfer und sieben Verletzte, bevor der Täter am 10. August 1977 identifiziert und festgenommen werden konnte.
Der Täter war David Richard Berkowitz, geboren am 1. Juni 1953 in Brooklyn, New York. Als adoptiertes Kind von Pearl und Nathan Berkowitz wuchs er in der Bronx auf. Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung war Berkowitz 24 Jahre alt und arbeitete als Postangestellter. Er erhielt mehrere Spitznamen in der Öffentlichkeit: "Son of Sam", ".44 Caliber Killer" und "Phantom of the Bronx". Der Name "Son of Sam" stammte aus kryptischen Briefen, die Berkowitz an die Polizei und Medien schickte und in denen er behauptete, von einem Dämon namens Sam besessen zu sein.
Die Jagd nach dem Son of Sam wurde zu einer der größten Fahndungsaktionen in der Geschichte des New York Police Department und prägte eine Ära der Kriminalgeschichte, in der Serienmörder zunehmend in das öffentliche Bewusstsein rückten.
Zeitlinie
Erster Angriff: Donna Lauria in der Bronx getötet
In der Nacht zum 29. Juli 1976 schießt Berkowitz auf ein geparktes Auto in der Bronx. Donna Lauria, 18 Jahre, wird getötet. Jody Valenti überlebt verletzt.
Letzter Angriff: Stacy Moskowitz in Brooklyn getötet
Am 31. Juli 1977 schießt Berkowitz in Brooklyn. Stacy Moskowitz wird getötet. Eine Zeugenbeobachtung eines geparkten Autos mit Strafzettel wird zur entscheidenden Spur.
Berkowitz in Yonkers festgenommen
Am 10. August 1977 wird David Berkowitz vor seiner Wohnung in Yonkers, New York, aufgrund eines Strafzettels festgenommen, der in der Nähe des letzten Tatorts ausgestellt worden war.
Berkowitz bekennt sich in sechs Fällen schuldig
Vor dem New York State Supreme Court in Kings County (Brooklyn) bekennt sich Berkowitz in sechs Fällen von Mord zweiten Grades schuldig und vermeidet damit ein Geschworenenverfahren.
Urteil: Sechs aufeinanderfolgende lebenslange Haftstrafen
Berkowitz wird zu sechs aufeinanderfolgenden lebenslangen Haftstrafen verurteilt, jede mit einer Mindestdauer von 25 Jahren. Er wird faktisch lebenslang inhaftiert bleiben.
Das Verbrechen
Berkowitz' Modus Operandi war erschreckend einfach und willkürlich. Er suchte sich seine Opfer nach dem Zufallsprinzip aus — meist junge Frauen mit langen, dunklen Haaren, die allein oder mit Begleitern in geparkten Autos saßen. Er näherte sich den Fahrzeugen auf der Fahrerseite, zog seine .44-Kaliber Bulldog-Revolver und feuerte mehrere Schüsse aus nächster Nähe ab. In anderen Fällen schoss er auf Fußgänger auf der Straße.
Die erste dokumentierte Tat ereignete sich am 29. Juli 1976 in Pelham Bay, Bronx. Donna Lauria, 18 Jahre alt, und ihre Freundin Jody Valenti, 19, saßen in einem geparkten Auto vor Laurias Wohnhaus, als Berkowitz auf sie zukam und das Feuer eröffnete. Lauria starb noch am Tatort, Valenti überlebte mit Verletzungen.
Nach diesem ersten Angriff schwieg Berkowitz mehrere Monate, bevor er am 30. Januar 1977 erneut zuschlug. In Queens wurde Christine Freund in einem geparkten Auto erschossen. Am 8. März 1977, ebenfalls in Queens, tötete er die 19-jährige Virginia Voskerichian auf offener Straße.
Die Taten wiederholten sich in unregelmäßigen Abständen über die verschiedenen Stadtteile New Yorks. Der letzte bekannte Angriff fand am 31. Juli 1977 in Bath Beach, Brooklyn, in der Nähe von Shore Parkway und Bay 14th Street statt. Stacy Moskowitz, 19 Jahre alt, wurde getötet, und Robert Violante, 20, schwer verletzt und dauerhaft geblendet.
Die Schusswaffe — ein .44-Kaliber Charter Arms Bulldog Revolver — wurde bei allen Taten verwendet, was die Polizei schnell zu der Erkenntnis führte, dass ein einzelner Täter für die Serie verantwortlich war.
Die Opfer
Die sechs bestätigten Todesopfer der Son-of-Sam-Serie waren überwiegend junge Menschen im Alter zwischen 18 und 26 Jahren:
- Donna Lauria, 18 Jahre alt, Studentin, getötet am 29. Juli 1976
- Christine Freund, getötet am 30. Januar 1977
- Virginia Voskerichian, 19 Jahre alt, Studentin, getötet am 8. März 1977
- Stacy Moskowitz, 19 Jahre alt, getötet am 31. Juli 1977
Zu den Verletzten gehörten Jody Valenti und Robert Violante, dessen Leben durch die Schussverletzungen dauerhaft verändert wurde. Violante verlor durch die Schüsse sein Augenlicht.
Viele Opfer waren zum Zeitpunkt des Angriffs mit Freunden oder Partnern unterwegs und befanden sich in scheinbar sicheren Situationen — in ihren Autos oder auf dem Heimweg. Die Willkürlichkeit der Angriffe verstärkte die Angst in der Bevölkerung erheblich.
Ermittlung
Die Ermittlungen gestalteten sich anfangs schwierig, da es keine offensichtlichen Verbindungen zwischen den Opfern gab. Der entscheidende Durchbruch gelang durch forensische Ballistik: Die Polizei konnte nachweisen, dass bei allen Angriffen dieselbe .44-Kaliber-Waffe verwendet wurde.
Ein weiteres wichtiges Element waren die Briefe, die Berkowitz an Medien und die Polizei schickte. In diesen kryptischen Schreiben unterzeichnete er mit "Son of Sam" und gab vor, von einem dämonischen Nachbarn namens Sam Carr befohlen zu werden, zu töten. Diese Briefe halfen, ein psychologisches Profil zu erstellen, lieferten aber keine konkreten Hinweise auf seine Identität.
Der endgültige Durchbruch kam durch einen Strafzettel. In der Nähe des letzten Tatorts in Brooklyn hatte ein Zeuge ein verdächtig geparktes Fahrzeug bemerkt. Die Polizei überprüfte alle Strafzettel, die in jener Nacht in der Gegend ausgestellt worden waren, und stieß auf den Ford Galaxie von David Berkowitz aus Yonkers. Weitere Ermittlungen ergaben, dass Berkowitz Verbindungen zu den Tatorten hatte und sein Fahrzeug mehrfach in der Nähe gesichtet worden war.
Am 10. August 1977 wurde Berkowitz vor seinem Wohnhaus in Yonkers festgenommen, während er in seinem Auto saß. Bei seiner Festnahme gestand er sofort die Morde.
Prozess und Urteil
David Berkowitz wurde wegen sechs Morden, versuchten Morden und Körperverletzung angeklagt. Am 8. Mai 1978 bekannte er sich vor einem Gericht in Brooklyn schuldig aller Anklagepunkte. Durch sein Schuldbekenntnis entfiel ein umfangreicher Prozess.
Das Gericht verurteilte Berkowitz zu sechs aufeinanderfolgenden lebenslangen Haftstrafen. Nach anderen Quellen wurde die Strafe als 365 Jahre Gefängnis formuliert. Er wurde in verschiedenen Hochsicherheitsgefängnissen in New York inhaftiert und verbüßt seine Strafe bis heute.
Während der Haft änderte Berkowitz mehrfach seine Erklärungen. Zunächst behauptete er, von dämonischen Stimmen getrieben worden zu sein. Später widerrief er diese Version teilweise und behauptete, Mitglied eines satanischen Kults gewesen zu sein. Diese späteren Aussagen wurden von Ermittlern und Gerichten weitgehend als unglaubwürdig eingestuft.
Der Fall führte zur Verabschiedung des sogenannten "Son of Sam Law" im Bundesstaat New York, das es Straftätern verbietet, von der Vermarktung ihrer Verbrechen zu profitieren — etwa durch Buchverkäufe oder Filmrechte.
Heute
David Berkowitz ist weiterhin in Haft und hat mehrfach Anträge auf vorzeitige Entlassung gestellt, die alle abgelehnt wurden. In Interviews aus dem Gefängnis zeigte er sich reumütig und behauptete, zum Christentum konvertiert zu sein. Er lehnt heute eigene Medienanfragen ab und distanziert sich von seiner Vergangenheit.
Der Fall bleibt ein zentraler Referenzpunkt in der Kriminalgeschichte und hat zahlreiche Dokumentationen, Bücher und Podcasts inspiriert. Die CBS-Retrospektive "Son of Sam: A serial killer's reign of terror" gehört zu den bekanntesten medialen Aufarbeitungen. Auch die Interviewreihe "Son of Sam: The Killer Speaks" erreichte ein Millionenpublikum.
Die Mordserie veränderte das öffentliche Bewusstsein für Serienmorde in den USA und führte zu erheblichen Veränderungen in der polizeilichen Ermittlungsarbeit, insbesondere in der forensischen Ballistik und der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Polizeibehörden.
Für die Angehörigen der Opfer bleibt der Fall eine offene Wunde. Viele haben sich öffentlich gegen eine mögliche Freilassung von Berkowitz ausgesprochen und setzen sich dafür ein, dass die Erinnerung an die Opfer nicht durch die Medienpräsenz des Täters überschattet wird.
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