Fallakte

Joseph Naso — Der Alphabet-Killer von Kalifornien

Serienmörder tötete vier Frauen in Kalifornien, 1977–1994

🇺🇸 Amerikanisch

Veröffentlicht 3. Juni 2026

BEWEIS

Der Fall

Der Joseph-Naso-Fall ist eine der verstörendsten Serienmordserien der kalifornischen Kriminalgeschichte. Joseph Naso, geboren am 7. Januar 1934, wurde 2013 im Alter von 79 Jahren wegen der Ermordung von vier Frauen zum Tode verurteilt. Der ehemalige Werbefotograf aus Reno, Nevada, tötete seine Opfer zwischen 1977 und 1994 in verschiedenen Regionen Kaliforniens. Die Medien gaben ihm die Beinamen "Alphabet Killer" und "Double Initial Killer", da mehrere seiner Opfer Namen trugen, bei denen Vor- und Nachname mit demselben Buchstaben begannen – ein makabres Muster, das an einen anderen ungelösten Fall aus New York erinnerte.

Der Fall blieb jahrzehntelang ungeklärt, bis eine Routinekontrolle durch Bewährungshelfer im April 2010 die Ermittlungen ins Rollen brachte. In Nasos Haus in Reno entdeckten die Behörden ein erschreckendes Archiv aus Fotografien bewusstloser Frauen, ein handgeschriebenes "Vergewaltigungstagebuch" und andere belastende Beweise, die ihn mit jahrzehntealten Morden in Verbindung brachten. Der anschließende Prozess offenbarte das systematische Vorgehen eines Mannes, der seinen Beruf als Fotograf missbrauchte, um Frauen zu locken, zu betäuben, sexuell zu missbrauchen und zu töten.

Der Täter

Joseph Naso wurde am 7. Januar 1934 geboren und arbeitete als kommerzieller Fotograf. Er lebte zeitweise in verschiedenen Städten Kaliforniens, bevor er sich in Reno, Nevada, niederließ. Bekannte und frühere Geschäftspartner beschrieben ihn als exzentrisch, was ihm den Spitznamen "Crazy Joe" einbrachte. Naso war mehrfach verheiratet und hatte Kinder, die jedoch nach Bekanntwerden seiner Verbrechen den Kontakt abbrachen.

Zeitlinie

1. Januar 1977

Erster bekannter Mord

Roxene Roggasch, 18, wurde in der Nähe von Fairfax in Marin County, Kalifornien, getötet. Ihre Leiche wurde in der Gegend gefunden, was den ersten von vier verurteilten Morden markierte.

1. Januar 1978

Carmen Colon ermordet

Carmen Colon, 31, wurde das zweite Opfer in Kalifornien. Ihr Tod sollte später durch Beweise, die Jahrzehnte danach gefunden wurden, mit Naso in Verbindung gebracht werden.

1. Januar 1993

Pamela Parsons getötet

Nach einer 15-jährigen Pause wurde Pamela Parsons in Kalifornien ermordet, was eine Wiederaufnahme von Nasos Mordmuster markierte.

1. Januar 1994

Tracy Tafoya tot aufgefunden

Tracy Tafoya, 31, wurde tot in Marysville, Yuba County, Kalifornien, aufgefunden. Sie sollte als Nasos viertes und letztes verurteiltes Opfer identifiziert werden.

1. April 2010

Naso in Nevada verhaftet

Die Bewährungs- und Aufsichtsbehörde von Nevada verhaftete Joseph Naso bei einem routinemäßigen Hausbesuch in Reno. Die Beamten entdeckten beunruhigende Fotografien und ein handgeschriebenes Tagebuch.

1. Januar 2013

Mordprozess beginnt

Naso, der sich selbst vertrat, stand in Marin County wegen der Morde an vier Frauen über fast zwei Jahrzehnte vor Gericht.

20. August 2013

Für vier Morde verurteilt

Im Alter von 79 Jahren wurde Joseph Naso am Marin County Superior Court für alle vier Morde verurteilt und zum Tode verurteilt.

Zum Zeitpunkt seiner Festnahme befand sich Naso wegen eines Bagatelldelikts – Ladendiebstahl – auf Bewährung. Diese scheinbar unbedeutende Straftat führte zu der Routinekontrolle, die seine jahrzehntelangen Verbrechen ans Licht brachte. Psychologische Gutachten während des Prozesses deuteten auf narzisstische Persönlichkeitszüge und ein tiefsitzendes Bedürfnis nach Kontrolle hin. Naso vertrat sich während des Prozesses zeitweise selbst, was Beobachtern Einblick in seine manipulative und selbstgefällige Persönlichkeit gab.

Seine Karriere als Fotograf nutzte er gezielt, um Frauen zu ködern. Er bot angehenden Models oder Frauen in finanziellen Schwierigkeiten bezahlte Fotoshootings an – ein Vorwand, der ihm Zugang zu verletzlichen Opfern verschaffte.

Die Opfer

Die vier Frauen, für deren Mord Joseph Naso rechtskräftig verurteilt wurde, stammten aus unterschiedlichen Verhältnissen, hatten aber Gemeinsamkeiten: Sie waren alle in einer verwundbaren Lebenssituation und hatten Kontakt zu Naso im Rahmen seiner fotografischen Tätigkeit.

Roxene Roggasch, 18 Jahre alt, war Nasos erstes bestätigtes Opfer. Ihre Leiche wurde 1977 nahe Fairfax in Marin County gefunden. Die junge Frau war erdrosselt worden, und die Todesumstände wiesen auf sexuelle Gewalt hin.

Carmen Colon, 31 Jahre alt, wurde 1978 ermordet. Ihr Name mit den identischen Anfangsbuchstaben wurde später zu einem Schlüsselelement der Medienberichterstattung. Carmen war Prostituierte – eine Tatsache, die Ermittler zunächst als Grund dafür ansahen, dass ihr Tod nicht ausreichend untersucht wurde.

Pamela Parsons wurde 1993 getötet. Über ihr Leben ist öffentlich weniger bekannt, doch Ermittler stellten fest, dass sie ebenfalls Kontakt zu Naso als Fotograf hatte. Auch bei ihr deuteten forensische Beweise auf Erdrosseln als Todesursache hin.

Tracy Tafoya, 31 Jahre alt, wurde 1994 in Marysville, Yuba County, tot aufgefunden. Sie ist das letzte bestätigte Opfer. Wie die anderen Frauen war sie erdrosselt worden, nachdem sie betäubt und fotografiert worden war.

Ermittler vermuten, dass es weitere Opfer geben könnte. In Nasos Besitz fanden sich Fotografien und Notizen, die auf zusätzliche Taten hindeuten, darunter möglicherweise ein Fall aus dem Jahr 1974 und der Tod von Charlotte Cooke in Daly City. Diese Fälle wurden jedoch nicht Teil der Anklage von 2013.

Das Verbrechen

Joseph Nasos Modus Operandi war erschreckend methodisch. Als selbstständiger Fotograf hatte er leichten Zugang zu Frauen, die er mit dem Versprechen bezahlter Arbeit lockte. Zeugenaussagen und forensische Beweise zeichneten während des Prozesses ein klares Bild seines Vorgehens:

Naso kontaktierte Frauen, oft über Anzeigen oder persönliche Netzwerke, und bot ihnen Fotoshootings an. Bei den Treffen verabreichte er ihnen heimlich Drogen – wahrscheinlich über Getränke oder Nahrungsmittel. Sobald die Opfer bewusstlos oder betäubt waren, fotografierte er sie in verschiedenen Posen und Zuständen der Entkleidung. Diese Fotografien dienten ihm sowohl zur sexuellen Befriedigung als auch als "Trophäen".

Nach den sexuellen Übergriffen erdrosselte er seine Opfer. Die Leichen wurden an verschiedenen Orten in Kalifornien abgelegt, oft in abgelegenen Gebieten, wo sie erst Tage oder Wochen später gefunden wurden. Die lange Zeitspanne zwischen Tod und Auffinden erschwerte die forensische Arbeit erheblich.

In seinem Haus und in einem Bankschließfach bewahrte Naso ein akribisches Archiv seiner Taten auf: hunderte Fotografien bewusstloser Frauen, persönliche Gegenstände der Opfer wie Ausweise, und am belastendsten – ein handgeschriebenes Tagebuch, in dem er sexuelle Übergriffe detailliert beschrieb. Dieses "Vergewaltigungstagebuch" enthielt Listen mit Namen, Daten und Beschreibungen seiner Taten und wurde zum zentralen Beweismittel im Prozess.

Die Ermittlung

Der Durchbruch im Fall kam unerwartet. Im April 2010 führten Bewährungshelfer in Nevada eine Routinekontrolle in Joseph Nasos Wohnung in Reno durch – eine Standardmaßnahme aufgrund seiner Verurteilung wegen Ladendiebstahls. Was sie fanden, übertraf ihre schlimmsten Befürchtungen: Kisten voller Fotografien, auf denen bewusstlose oder schlafende Frauen in kompromittierenden Positionen zu sehen waren. Einige der Frauen wirkten leblos.

Die Bewährungshelfer alarmierten sofort die Kriminalpolizei. Eine gründliche Durchsuchung förderte weitere Beweise zutage: das erwähnte Tagebuch, Zeitungsausschnitte über ungelöste Morde an Frauen, und in einem Bankschließfach persönliche Gegenstände, die Mordopfern gehört hatten.

Ermittler der Marin County Sheriff's Office übernahmen die Federführung, da mehrere der vermuteten Taten in ihrer Zuständigkeit lagen. Sie verglichen die in Nasos Besitz gefundenen Fotografien und Aufzeichnungen mit ungelösten Fällen aus ganz Kalifornien. DNA-Analysen und forensische Vergleiche verbanden Naso mit den vier Morden, die später zur Anklage führten.

Die Ermittlungsarbeit wurde durch die Tatsache erschwert, dass die Taten Jahrzehnte zurücklagen. Viele potenzielle Zeugen waren verstorben oder unauffindbar. Dennoch gelang es den Ermittlern, ein überzeugendes Indiziengeflecht zu knüpfen: Fotografien der Opfer in Nasos Besitz, das Tagebuch mit Namen und Details, die nur der Täter kennen konnte, und forensische Spuren, die ihn mit den Fundorten verbanden.

Prozess und Urteil

Die formelle Anklage gegen Joseph Naso wurde am 13. April 2011 erhoben. Die Staatsanwaltschaft von Marin County unter Führung von Staatsanwalt Paul Sequeira klagte ihn des vierfachen Mordes an. Der Prozess begann 2013 und erregte landesweite Aufmerksamkeit.

Naso entschied sich zeitweise, sich selbst zu verteidigen – eine Entscheidung, die viele Prozessbeobachter als taktischen Fehler bewerteten. Seine Verteidigungsstrategie beruhte auf der Behauptung, die Fotografien seien Teil seiner legitimen Arbeit als Fotograf gewesen, und die Frauen seien entweder einvernehmlich oder aus anderen Gründen fotografiert worden. Er bestritt jede Beteiligung an den Morden.

Die Staatsanwaltschaft präsentierte jedoch erdrückende Beweise: das Tagebuch mit detaillierten Beschreibungen sexueller Gewalt, Fotografien der Opfer in bewusstlosem Zustand, persönliche Gegenstände der ermordeten Frauen in Nasos Besitz, und forensische Verbindungen zwischen ihm und den Fundorten. Besonders wirkungsvoll war die Aussage forensischer Experten, die erklärten, dass die Körperhaltungen und Umstände auf den Fotografien eindeutig auf Bewusstlosigkeit oder Tod hindeuteten.

Am 20. August 2013 befand die Jury Joseph Naso in allen vier Anklagepunkten des Mordes für schuldig. Am 22. November 2013 verhängte Richter Andrew Sweet die Todesstrafe. Bei der Urteilsverkündung bezeichnete der Richter Naso als gefährlichen Raubtier, der jahrzehntelang ungestraft gehandelt hatte.

Naso zeigte während des gesamten Verfahrens keine Reue. In seinem abschließenden Statement behauptete er weiterhin seine Unschuld und beschuldigte die Ermittler und die Staatsanwaltschaft, Beweise manipuliert zu haben.

Heute

Joseph Naso befindet sich derzeit in der Todeszelle des San Quentin State Prison in Kalifornien. Aufgrund des Moratoriums für Hinrichtungen, das Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom 2019 verhängt hat, wird das Todesurteil voraussichtlich nicht vollstreckt. Naso, inzwischen über 90 Jahre alt, verbringt seine Tage in Einzelhaft.

Die Ermittlungen zu möglichen weiteren Opfern dauern an. Polizeibehörden in mehreren kalifornischen Bezirken prüfen ungelöste Fälle aus den 1970er und 1980er Jahren auf mögliche Verbindungen zu Naso. Besonders der Fall Charlotte Cooke aus Daly City, deren Leiche 1976 gefunden wurde, wird weiterhin mit Naso in Verbindung gebracht, obwohl bisher keine formelle Anklage erfolgt ist.

Der Fall hat zu Diskussionen über systemische Probleme in der Verbrechensbekämpfung geführt. Viele der Opfer waren marginalisierte Frauen – Prostituierte oder Frauen in instabilen Lebenssituationen – deren Fälle in den 1970er und 1980er Jahren nicht mit der Gründlichkeit untersucht wurden, die sie verdient hätten. Ermittler und Opferanwälte haben den Fall als Beispiel dafür angeführt, wie gesellschaftliche Vorurteile die Aufklärung von Verbrechen behindern können.

Mehrere Dokumentationen haben sich mit dem Fall befasst, darunter "Death Row Confidential" auf dem Sender Oxygen. Diese Produktionen beleuchten nicht nur die Verbrechen selbst, sondern auch die Ermittlungsarbeit und die psychologischen Aspekte eines Täters, der jahrzehntelang unentdeckt blieb.

Für die Angehörigen der Opfer brachte das Urteil einen gewissen Abschluss, auch wenn viele Fragen unbeantwortet bleiben. Die Tatsache, dass Naso wahrscheinlich weitere Opfer hatte, deren Fälle nie aufgeklärt wurden, hinterlässt bei vielen ein Gefühl der Unvollständigkeit.

Der Joseph-Naso-Fall bleibt ein verstörendes Beispiel dafür, wie ein Serienmörder jahrzehntelang im Verborgenen agieren konnte, geschützt durch gesellschaftliche Gleichgültigkeit gegenüber seinen Opfern und die technologischen Grenzen der Forensik seiner Zeit. Erst moderne Ermittlungsmethoden und ein Zufallsfund brachten seine Verbrechen ans Licht – ein mahnendes Beispiel für die Bedeutung gründlicher Polizeiarbeit und gesellschaftlicher Wachsamkeit.

Medienberichterstattung

TV series

  • Death Row Confidential: Secrets of a Serial Killer(2026)

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