Fallakte

Der Robert-Durst-Fall — Multistaat-Mordserie eines Immobilienerben

New York, Los Angeles, Galveston, 1982–2001 — verurteilt

🇺🇸 Amerikanisch

Veröffentlicht 5. Juni 2026

BEWEIS

Fakten

TäterRobert Alan Durst
OpferSusan Berman
TatortBenedict Canyon, Los Angeles, California, USA
TatzeitpunktDecember 2000
DeliktPremeditated first-degree murder

Der Fall

Der Robert-Durst-Fall ist eine der spektakulärsten und komplexesten Kriminalgeschichten der amerikanischen Justizgeschichte. Über fast vier Jahrzehnte hinweg stand der Immobilienerbe Robert Alan Durst im Verdacht, drei Menschen getötet zu haben: seine Ehefrau Kathleen McCormack Durst, die 1982 in New York verschwand, seine langjährige Vertraute Susan Berman, die im Jahr 2000 in Los Angeles erschossen wurde, und seinen Nachbarn Morris Black, den er 2001 in Texas erschoss und dessen Leiche er zerstückelte. Erst 2021, fast vier Jahrzehnte nach dem ersten mutmaßlichen Verbrechen, wurde Durst wegen des Mordes an Susan Berman verurteilt.

Der Fall gewann internationale Aufmerksamkeit durch die HBO-Dokumentation The Jinx: The Life and Deaths of Robert Durst, die 2015 ausgestrahlt wurde und neue Ermittlungen auslöste. Die sechsteilige Serie endete mit einer scheinbar selbstbelastenden Aussage Dursts, die auf einer nicht abgeschalteten Mikrofonaufnahme festgehalten wurde. Diese mediale Inszenierung und die rechtlichen Konsequenzen machten den Fall zu einem der meistdiskutierten True-Crime-Stoffe der vergangenen Jahrzehnte.

Das Verbrechen

Kathleen McCormack Durst (1982)

Am 31. Januar 1982 verschwand die 29-jährige Kathleen McCormack Durst, eine Medizinstudentin, spurlos aus dem gemeinsamen Haus in South Salem, New York. Ihr Ehemann Robert Durst gab an, sie am Abend zuvor zum Bahnhof gebracht zu haben, damit sie nach Manhattan zurückfahren könne. Zeugen berichteten später von häuslicher Gewalt in der Ehe und einem zunehmend kontrollierten Verhalten Dursts gegenüber seiner Frau.

Zeitlinie

1. Januar 1982

Kathie McCormack Durst verschwindet

Robert Dursts erste Ehefrau, Kathie McCormack Durst, verschwindet 1982. Der Fall wird untersucht, führt jedoch nicht zu einer Anklage gegen Durst. Susan Berman soll laut Anklage Kenntnis von dem Verschwinden gehabt haben.

24. Dezember 2000

Susan Bermans Leiche in Benedict Canyon gefunden

Die Leiche von Susan Berman wird am Heiligabend 2000 in ihrem Haus in Benedict Canyon, Los Angeles, entdeckt. Sie wurde mit einem Schuss in den Hinterkopf hinrichtungsartig getötet. Der Mord geschieht im Dezember 2000.

17. September 2021

Durst des vorsätzlichen Mordes ersten Grades für schuldig befunden

Die Jury am Los Angeles County Superior Court verkündet am 17. September 2021 ihr Urteil: Robert Alan Durst ist schuldig. Besondere Umstände, darunter die Tötung eines Zeugen, werden festgestellt.

14. Oktober 2021

Durst zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt

Am 14. Oktober 2021 wird Robert Alan Durst am Los Angeles County Superior Court zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt.

1. Januar 2022

Robert Durst stirbt im Gefängnis

Robert Alan Durst stirbt im Januar 2022 im Gefängnis, während seine Berufung gegen das Urteil noch nicht entschieden ist.

Kathleen wurde nie wieder gesehen, ihre Leiche nie gefunden. Jahrelang behandelten die Behörden den Fall als Vermisstensache, obwohl Verdachtsmomente gegen Durst bestanden. Erst Jahrzehnte später, nach neuen Ermittlungen und Indizien aus den anderen Fällen, wurde der Fall als Tötungsdelikt eingestuft. 2021 wurde Durst posthum in New York wegen Mordes angeklagt, doch der Prozess fand nie statt.

Susan Berman (2000)

Am 23. Dezember 2000 wurde Susan Berman, eine 55-jährige Schriftstellerin und langjährige Freundin Dursts, in ihrem Haus in Benedict Canyon, Los Angeles, tot aufgefunden. Sie war durch einen Schuss in den Hinterkopf hingerichtet worden — eine Hinrichtung im Gangster-Stil, die zunächst Rätsel aufgab. Berman, Tochter eines Mafiabosses aus Las Vegas, hatte enge Beziehungen zu Durst und galt als mögliche Mitwisserin im Fall Kathleen Durst.

Die Ermittler gingen davon aus, dass Berman kurz davor stand, von der Polizei in New York im Rahmen der wiederaufgenommenen Ermittlungen zu Kathleens Verschwinden befragt zu werden. Die Staatsanwaltschaft argumentierte später, dass Durst Berman tötete, um zu verhindern, dass sie belastende Aussagen machte. Ein entscheidender Beweis war ein anonymer Brief, der die Polizei zu Bermans Leiche führte — die Handschrift und Rechtschreibfehler entsprachen nachweislich Dursts Schreibweise.

Morris Black (2001)

Im Oktober 2001 lebte Robert Durst unter falschem Namen als Frau verkleidet in einem heruntergekommenen Apartment in Galveston, Texas — eine bizarre Flucht vor möglichen Ermittlungen. Am 9. Oktober 2001 erschoss er seinen 71-jährigen Nachbarn Morris Black. Anschließend zerstückelte Durst die Leiche in seinem Badezimmer und entsorgte die Körperteile in Müllsäcken in der Galveston Bay.

Als Teile von Blacks Leichnam an die Wasseroberfläche trieben, wurde Durst schnell identifiziert und verhaftet. Er gab die Tötung und Zerstückelung zu, behauptete jedoch, in Notwehr gehandelt zu haben, nachdem Black ihn mit einer Waffe bedroht habe. Überraschenderweise wurde Durst 2003 von einem texanischen Geschworenengericht vom Mordvorwurf freigesprochen — ein Urteil, das landesweit für Fassungslosigkeit sorgte.

Die Opfer

Kathleen McCormack Durst stammte aus einfachen Verhältnissen und träumte von einer Karriere als Ärztin. Sie hatte Robert Durst 1971 kennengelernt und 1973 geheiratet, doch die Ehe war zunehmend von Gewalt und Kontrolle geprägt. Freunde und Familie berichteten später von Dursts Eifersucht und seiner Ablehnung gegenüber Kathleens beruflichen Ambitionen. Ihr Verschwinden hinterließ ein lebenslanges Trauma bei ihrer Familie, die jahrzehntelang auf Antworten wartete.

Susan Berman war eine talentierte Autorin, die über ihre Kindheit als Tochter eines Mafiabosses geschrieben hatte. Sie und Durst teilten eine enge, fast symbiotische Freundschaft seit ihren Studientagen. Berman kämpfte zeitlebens mit finanziellen Schwierigkeiten und erhielt regelmäßig finanzielle Unterstützung von Durst. Diese Abhängigkeit und ihr Wissen über die Ereignisse von 1982 machten sie zu einer potenziellen Gefahr für Durst — und letztlich zu seinem Opfer.

Morris Black war ein einfacher Rentner, der in Galveston ein zurückgezogenes Leben führte. Er geriet zufällig in Dursts Orbit, als dieser unter falschem Namen in Texas untertauchte. Blacks Tod war möglicherweise das Ergebnis einer Konfrontation über Dursts wahre Identität — eine tödliche Begegnung mit einem Mann auf der Flucht vor seiner Vergangenheit.

Ermittlung

Die Ermittlungen im Fall Durst erstreckten sich über mehrere Bundesstaaten und Jahrzehnte. Der Fall Kathleen Durst wurde zunächst nur oberflächlich untersucht, da die örtliche Polizei in Westchester County dem einflussreichen und vermögenden Durst zunächst glaubte. Erst im Jahr 2000, nachdem der Fall in der Öffentlichkeit wieder Aufmerksamkeit erlangte, nahmen die New Yorker Behörden die Ermittlungen wieder auf.

Der Durchbruch kam mit der Wiederaufnahme der Ermittlungen zu Kathleen und der nahezu zeitgleichen Ermordung Susan Bermans. Ermittler stellten Verbindungen zwischen den Fällen her: Berman hatte Durst 1982 ein Alibi verschafft und behauptet, von Kathleen einen Anruf erhalten zu haben, nachdem diese angeblich nach New York zurückgekehrt war. Der anonyme Brief, der die Polizei zu Bermans Leiche führte, wurde später als von Dursts Hand stammend identifiziert — ein entscheidender forensischer Beweis.

Die HBO-Dokumentation *The Jinx* brachte 2015 neue Dynamik in die Ermittlungen. Regisseur Andrew Jarecki führte ausführliche Interviews mit Durst, in denen dieser über die Verbrechen sprach. In der finalen Episode wurde eine Badezimmer-Aufnahme ausgestrahlt, in der Durst — offenbar in der Annahme, nicht aufgezeichnet zu werden — murmelte: "What did I do? Killed them all, of course." Einen Tag vor der Ausstrahlung wurde Durst in einem Hotel in New Orleans verhaftet.

Prozess und Urteil

Der Prozess um den Mord an Susan Berman begann im März 2020 vor dem Los Angeles County Superior Court, wurde jedoch durch die COVID-19-Pandemie unterbrochen und erst im Mai 2021 fortgesetzt. Die Anklage, geleitet von dem erfahrenen Staatsanwalt John Lewin, baute ihren Fall auf Indizienbeweisen auf: die Handschriftanalyse des anonymen Briefs, finanzielle Transaktionen zwischen Durst und Berman kurz vor ihrem Tod, Zeugenaussagen über Bermans Wissen um Kathleens Verschwinden und die zeitliche Nähe zu den wiederaufgenommenen Ermittlungen in New York.

Die Verteidigung argumentierte, dass keine direkten Beweise Durst mit dem Tatort verbanden und dass die Staatsanwaltschaft lediglich Vermutungen über sein Motiv anstellte. Dennoch fand die Jury die Beweislast überzeugend. Am 17. September 2021 wurde der damals 78-jährige Durst des Mordes ersten Grades schuldig gesprochen.

Am 14. Oktober 2021 verhängte Richterin Mark Windham die Höchststrafe: lebenslange Haft ohne Möglichkeit auf Bewährung. In ihrer Urteilsbegründung bezeichnete sie Dursts Handeln als kaltblütig und berechnend. Durst, bereits schwer gesundheitlich angeschlagen, zeigte während der Urteilsverkündung keine sichtbare Reaktion.

Der Freispruch im Fall Morris Black im Jahr 2003 bleibt eine der umstrittensten Entscheidungen in der amerikanischen Justizgeschichte. Trotz der Tatsache, dass Durst die Tötung und Leichenzerlegung zugab, überzeugte sein Anwalt Dick DeGuerin die Jury, dass er in Notweh gehandelt hatte und die anschließende Leichenzerstückelung aus Panik geschah. Die texanischen Geschworenen akzeptierten diese Version, sehr zum Entsetzen der Staatsanwaltschaft und der Öffentlichkeit.

Heute

Robert Durst starb am 10. Januar 2022 im Alter von 78 Jahren in einem Gefängniskrankenhaus in Stockton, Kalifornien. Die offizielle Todesursache waren natürliche Ursachen, verstärkt durch eine COVID-19-Infektion und jahrelange gesundheitliche Probleme. Sein Tod kam nur wenige Monate nach seiner Verurteilung und bevor sämtliche Rechtsmittel ausgeschöpft waren.

Nach seinem Tod wurde die geplante Anklage wegen des Mordes an Kathleen Durst in New York nicht weiterverfolgt. Die Familie McCormack äußerte Erleichterung über die Verurteilung in Kalifornien, bedauerte jedoch, dass Kathleens Fall nie vor Gericht gebracht wurde und ihre sterblichen Überreste nie gefunden wurden.

Der Fall Robert Durst bleibt ein Lehrstück über die Grenzen der Justiz im Umgang mit vermögenden Verdächtigen, die Macht von Medien in der Aufklärung von Verbrechen und die Bedeutung forensischer Beweise in Indizienprozessen. Die Durst-Organisation, das millionenschwere Immobilienimperium der Familie, distanzierte sich über Jahre hinweg von Robert und seinen Taten.

The Jinx wird als Meilenstein des True-Crime-Genres betrachtet, der die Grenzen zwischen Dokumentarfilm und Ermittlungsarbeit verwischte. Die Serie wirft jedoch auch ethische Fragen auf: Durfte ein Filmemacher potenziell belastende Beweise zurückhalten, um eine dramaturgisch wirkungsvolle Enthüllung zu inszenieren? Diese Debatte hält bis heute an.

Für die Hinterbliebenen der Opfer brachte Dursts Tod einen bittersüßen Abschluss. Kathleens Familie kämpft weiterhin dafür, dass ihr Fall offiziell als Mord anerkannt wird. Susan Bermans Verwandte fanden zumindest juristischen Frieden durch die Verurteilung. Morris Blacks Familie erhielt nie die Genugtuung eines Schuldspruchs, sondern nur die Gewissheit, dass ihr Angehöriger nicht das einzige Opfer in Dursts Leben war.

Der Fall zeigt eindrücklich, wie lange es dauern kann, bis die Gerechtigkeit siegt — und wie nah sie manchmal daran ist, ganz zu versagen.

Medienberichterstattung

TV series

  • The Jinx: Robert Dursts Geständnis im Badezimmer(2026)

Zu diesem Fall fragen

Antworten nur aus der Berichterstattung von KrimiNyt

Diesem Fall folgen

Erhalte eine E-Mail, wenn eine neue Doku, ein Podcast oder ein Buch zu Der Robert-Durst-Fall — Multistaat-Mordserie eines Immobilienerben erscheint oder ein Urteil fällt.

Diesen Beitrag teilen:
Robert-Durst-Fall — Immobilienerbe als Serienmörder — TrueCrime.News