Der Fall Marta del Castillo — ungeklärter Mord in Sevilla
Sevilla, Spanien, 2009 — Körper bis heute nicht gefunden
Veröffentlicht 9. Juni 2026

Falldetails
Quick Facts
Klassifizierung:
Der Fall
Der Fall Marta del Castillo ist ein spanischer Mordfall, bei dem die 17-jährige Marta del Castillo Casanueva am 24. Januar 2009 in Sevilla verschwand und juristisch als ermordet gilt, obwohl ihr Körper bis heute nicht gefunden wurde. Der Hauptverantwortliche, Miguel Carcaño Delgado, wurde 2012 wegen Mordes zu 20 Jahren Haft verurteilt. Der Fall gilt als einer der bekanntesten ungeklärten Kriminalfälle Spaniens und hat über ein Jahrzehnt lang die spanische Öffentlichkeit beschäftigt.
Trotz intensiver Ermittlungen, mehrerer Geständnisse und umfangreicher Suchaktionen konnte Martas Leichnam nie geborgen werden. Die widersprüchlichen Aussagen der Beteiligten, die komplexe Beweislage und das Fehlen des Körpers machten diesen Fall zu einem der schwierigsten in der jüngeren spanischen Kriminalgeschichte.
Das Verbrechen
Am Abend des 24. Januar 2009 verließ Marta del Castillo Casanueva ihr Elternhaus in Sevilla, um sich mit ihrem Ex-Freund Miguel Carcaño zu treffen. Die 17-jährige Schülerin kehrte nie nach Hause zurück. Carcaño, damals 19 Jahre alt, hatte Marta zu sich in die Wohnung eingeladen, die er mit seiner Familie bewohnte.
Zeitlinie
Marta del Castillo verschwindet
Die 17-jährige Marta del Castillo Casanueva verschwindet in Sevilla, Spanien. Sie wurde zuletzt gesehen, als sie auf dem Weg zu einem Treffen mit ihrem Ex-Freund Miguel Carcaño war.
Erste Festnahmen erfolgen
Miguel Carcaño und weitere Verdächtige werden festgenommen, nachdem Carcaño gesteht, Marta getötet zu haben. Er behauptet, ihre Leiche in den Fluss Guadalquivir geworfen zu haben.
Leiche bleibt verschwunden
Trotz umfangreicher Suchaktionen im Fluss Guadalquivir und an anderen Orten, die in wechselnden Geständnissen genannt wurden, wird Martas Leiche nicht gefunden.
Gerichtsverfahren beginnt
Der Prozess gegen Miguel Carcaño und Mitangeklagte beginnt in Sevilla. Der Fall stützt sich mangels einer Leiche größtenteils auf Geständnisse und Indizienbeweise.
Carcaño des Mordes für schuldig befunden
Miguel Carcaño wird zu 20 Jahren Haft wegen Mordes verurteilt. Andere Angeklagte werden entweder freigesprochen oder nur wegen Delikten im Zusammenhang mit der Verschleierung verurteilt.
Urteil veröffentlicht
Das Urteil des Gerichts in Sevilla wird offiziell veröffentlicht und stellt fest, dass Carcaño Marta mit einem schweren Aschenbecher getötet und ihre Leiche mit Hilfe anderer beseitigt hat.
Nach späteren Geständnissen und gerichtlichen Feststellungen tötete Carcaño Marta durch einen Schlag mit einem schweren Aschenbecher auf den Kopf. Die genauen Umstände und das Motiv blieben umstritten. In verschiedenen Aussagen behauptete Carcaño unterschiedliche Versionen: Mal sprach er von einem Unfall, mal von einer Auseinandersetzung, bei der er die Kontrolle verloren habe.
Nach der Tat soll Carcaño mehrere Bekannte kontaktiert haben, um ihm bei der Beseitigung der Leiche zu helfen. Zu diesem Kreis gehörte unter anderem Francisco Javier García Marín, bekannt als "El Cuco", der zum Zeitpunkt der Tat minderjährig war. Gemeinsam versuchten sie, den Körper zu verstecken.
Das Opfer
Marta del Castillo Casanueva war eine 17-jährige Schülerin aus Sevilla, die bei ihren Eltern und Geschwistern lebte. Sie wurde von Freunden und Familie als lebensfrohe und beliebte junge Frau beschrieben. Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens hatte sie gerade ihre Beziehung zu Miguel Carcaño beendet, was später als mögliches Motiv für die Tat diskutiert wurde.
Martas Familie wurde zu einem Symbol für den Kampf um Gerechtigkeit in Spanien. Ihre Mutter und ihr Vater führten über Jahre hinweg einen öffentlichen Kampf, um die Wahrheit über das Schicksal ihrer Tochter zu erfahren und ihren Körper zu finden. Die Familie gründete eine Stiftung in Martas Namen und setzte sich für andere Familien vermisster Personen ein.
Die Tatsache, dass Marta nie bestattet werden konnte, machte die Trauer für die Familie besonders schwer. Ihr Fall wurde zum Inbegriff der sogenannten "desaparecidos" – verschwundener Personen, deren Angehörige keinen Abschied nehmen können.
Ermittlung
Die Ermittlungen begannen unmittelbar nach Martas Verschwinden, als ihre Familie sie als vermisst meldete. Die Polizei konzentrierte sich schnell auf Miguel Carcaño und seinen Bekanntenkreis. Anfang Februar 2009, etwa eine Woche nach dem Verschwinden, legte Carcaño ein erstes Geständnis ab.
Dieses Geständnis war jedoch nur der Beginn einer Serie von widersprüchlichen Aussagen. Carcaño änderte seine Geschichte mehrfach und nannte verschiedene Orte, an denen er Martas Leichnam angeblich entsorgt hatte. Er behauptete unter anderem, den Körper in den Fluss Guadalquivir geworfen zu haben, was zu groß angelegten Suchaktionen führte, die jedoch erfolglos blieben.
Weitere Verdächtige wurden verhaftet, darunter Samuel Benítez Pérez und Francisco Javier García Marín. Die Ermittler versuchten, aus den sich widersprechenden Aussagen und forensischen Spuren ein kohärentes Bild zu rekonstruieren. Forensische Untersuchungen in Carcaños Wohnung ergaben Hinweise auf Gewalteinwirkung, doch der fehlende Körper erschwerte die Beweisführung erheblich.
Die Ermittlungen wurden durch die Tatsache kompliziert, dass mehrere der Beschuldigten ihre Aussagen koordiniert zu haben schienen und sich gegenseitig belasteten oder entlasteten. Die spanische Polizei setzte verschiedene Suchmethoden ein, von Tauchern im Guadalquivir über Spürhunde bis hin zu Bodenradar an verschiedenen Standorten, die Carcaño genannt hatte.
Prozess und Urteil
Der Prozess gegen Miguel Carcaño und die weiteren Angeklagten begann im Herbst 2011 vor der Audiencia Provincial de Sevilla. Die Staatsanwaltschaft stützte sich auf Carcaños Geständnisse, forensische Beweise aus seiner Wohnung und die Aussagen von Zeugen.
Am 13. Januar 2012 verkündete das Gericht sein Urteil: Miguel Carcaño wurde wegen Mordes zu 20 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht befand, dass er Marta del Castillo mit einem schweren Gegenstand erschlagen und anschließend ihren Körper mit Hilfe anderer beseitigt hatte. Die Urteilsbegründung stellte fest, dass trotz des fehlenden Leichnams ausreichend Beweise für einen Schuldspruch vorlagen.
Francisco Javier García Marín wurde in einem separaten Jugendgerichtsverfahren lediglich wegen Strafvereitelung verurteilt, nicht jedoch wegen Mordes oder Beihilfe zum Mord. Samuel Benítez und andere Angeklagte wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen, was bei der Familie des Opfers und in der Öffentlichkeit für Empörung sorgte.
Die Verteidigung Carcaños argumentierte, dass ohne Leichnam kein Mord zweifelsfrei nachgewiesen werden könne, doch das Gericht folgte dieser Argumentation nicht. Das Urteil wurde in höheren Instanzen bestätigt, obwohl es weiterhin Debatten über die Schuld anderer Beteiligter gab.
Heute
Mehr als ein Jahrzehnt nach Martas Verschwinden bleibt ihr Körper unauffindbar. Miguel Carcaño verbüßt seine Haftstrafe und hat im Laufe der Jahre wiederholt neue Aussagen gemacht, die jedoch nie zur Auffindung der Leiche führten. Die Familie del Castillo setzt ihren Kampf fort und fordert weiterhin Antworten.
Der Fall hat die spanische Gesetzgebung beeinflusst und zu Diskussionen über Verfahren bei vermissten Personen und die rechtliche Behandlung von Fällen ohne Leichnam geführet. 2021 führte die Veröffentlichung einer Netflix-Dokumentation zu erneuter internationaler Aufmerksamkeit für den Fall.
Immer wieder gibt es neue Suchaktionen, wenn Carcaño oder andere Beteiligte neue Hinweise geben. Bislang blieben alle diese Bemühungen erfolglos. Die spanische Öffentlichkeit verfolgt den Fall weiterhin mit großem Interesse, und Martas Name ist zum Symbol für ungeklärte Verbrechen und den Schmerz von Angehörigen geworden, die keinen Abschied nehmen können.
Die Frage "Wo ist Marta?" bleibt eine der drängendsten in der spanischen Kriminalgeschichte und ein mahnendes Beispiel dafür, wie ein Verbrechen auch nach einem Urteil ungelöste Fragen hinterlassen kann.
Medienberichterstattung
TV series
- ¿Dónde está Marta?(2026)
Zu diesem Fall fragen
Antworten nur aus der Berichterstattung von KrimiNytDiesem Fall folgen
Erhalte eine E-Mail, wenn eine neue Doku, ein Podcast oder ein Buch zu Der Fall Marta del Castillo — ungeklärter Mord in Sevilla erscheint oder ein Urteil fällt.


