Terroranschläge Barcelona und Cambrils — Islamistischer Angriff 2017
La Rambla, Barcelona & Cambrils, Tarragona, 17.–18. August 2017 — verurteilt
Veröffentlicht 29. Juli 2026
Fakten
Der Fall
Die Terroranschläge von Barcelona und Cambrils sind eine der schwersten dschihadistischen Terrorattacken auf europäischem Boden in der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre. Am 17. und 18. August 2017 tötete eine aus zwölf Männern bestehende islamistische Zelle mit Wurzeln in der katalanischen Kleinstadt Ripoll insgesamt 16 Menschen und verletzte weit über 100 weitere. Die Anschläge erschütterten Spanien und lösten eine europaweite Debatte über die Prävention von Fahrzeuganschlägen sowie über die Radikalisierung in Moscheen aus.
Das Verbrechen
Die Zelle hatte ursprünglich einen weit größeren Anschlag geplant: Mit Sprengstoffgürteln und Bomben sollte mutmaßlich ein wesentlich verheerenderer Angriff verübt werden. Dieser Plan scheiterte jedoch, als es in der Nacht vom 16. auf den 17. August 2017 in einem Haus in Alcanar (Tarragona) zu einer schweren Explosion kam. Die Täter hatten dort im Verborgenen große Mengen an Sprengstoffvorläufern und Gasflaschen gelagert. Dabei kamen der geistige Anführer der Zelle, der Imam Abdelbaki es Satty, sowie ein weiteres Mitglied ums Leben. Die Explosion zwang die Überlebenden dazu, ihren Plan kurzfristig zu ändern und stattdessen Fahrzeuge als Waffe einzusetzen.
Am Nachmittag des 17. August 2017 stahl Younes Abouyaaqoub, 22 Jahre alt, einen weißen Lieferwagen und fuhr diesen um etwa 16:53 Uhr Ortszeit auf der berühmten Flaniermeile La Rambla in Barcelona absichtlich in eine dichte Menschenmenge. Die Promenade war an diesem Sommernachmittag, wie üblich zu dieser Jahreszeit, von Touristen und Einheimischen belebt. Der Lieferwagen raste auf einer Strecke von etwa 500 Metern durch die Menge, bevor er zum Stillstand kam. Abouyaaqoub floh anschließend zu Fuß vom Tatort. Auf seiner Flucht tötete er einen weiteren Mann, um dessen Auto zu stehlen, und entkam zunächst aus der Stadt.
Zeitlinie
Explosion in Alcanar — Pläne vereitelt
Eine unbeabsichtigte Explosion in einem Haus in Alcanar, Tarragona, tötete mindestens eine Person und zerstörte vermutlich ein großes Lager von TATP-Sprengstoff und Gasflaschen, das für einen weitaus größeren Anschlag bestimmt war. Der Vorfall zwang die Zelle, mit Fahrzeugattacken zu improvisieren.
Lieferwagen-Angriff auf La Rambla in Barcelona
Gegen 16.53 Uhr MESZ steuerte Younes Abouyaaqoub einen weißen Lieferwagen mit hoher Geschwindigkeit in Fußgänger auf La Rambla, wobei 13 Menschen getötet und über 100 verletzt wurden. Er flüchtete anschließend zu Fuß, tötete später einen Mann, um dessen Auto zu stehlen, und wurde einige Tage danach von der Polizei erschossen.
Fahrzeug- und Messerangriff in Cambrils
Kurz nach 01.00 Uhr MESZ nutzten fünf Mitglieder der Zelle einen Audi A3, um Fußgänger und Polizisten auf dem Paseo Marítimo in Cambrils anzufahren, bevor sie Umstehende mit Messern und einer Axt angriffen. Alle fünf Täter wurden von der Polizei erschossen; ein weiteres Opfer starb später an seinen Verletzungen.
Abouyaaqoub erschossen
Younes Abouyaaqoub, der Fahrer des Lieferwagens in Barcelona, der sich vier Tage lang der Festnahme entzogen hatte, wurde in Subirats bei Barcelona von Beamten der Mossos d'Esquadra lokalisiert und erschossen.
Imam es Satty als Anführer der Zelle identifiziert
Ermittler identifizierten Abdelbaki es Satty, Imam der Moschee in Ripoll, als Organisator und Radikalisierungsführer der Zelle. Es Satty war am Abend vor den eigentlichen Anschlägen bei der Explosion in Alcanar ums Leben gekommen.
Prozess vor der Audiencia Nacional eröffnet
Der Prozess gegen die drei überlebenden Mitglieder der Zelle — Mohamed Houli Chemlal, Driss Oukabir und Said Ben Iazza — wurde vor Spaniens oberstem Strafgericht, der Audiencia Nacional, in Madrid eröffnet.
Urteile verkündet
Die Audiencia Nacional verurteilte alle drei Angeklagten unter anderem wegen Terrorismus und Mordes. Die Urteile markierten den formellen juristischen Abschluss des Falls.
Wenige Stunden später, in der Nacht zum 18. August 2017, verübten fünf weitere Mitglieder der Zelle einen Anschlag in der Küstenstadt Cambrils, rund 120 Kilometer südwestlich von Barcelona. Mit einem Audi A3 rasten sie auf der Strandpromenade Paseo Marítimo in Fußgänger. Nach dem Aufprall stiegen die Täter aus dem Fahrzeug und griffen Passanten sowie Polizeibeamte mit Messern und einer Axt an. Die Mossos d'Esquadra, die katalanische Polizei, reagierten schnell: Alle fünf Angreifer wurden noch am Tatort erschossen. Dennoch erlag eine weitere Person später ihren Verletzungen.
Die Opfer
Die Anschläge forderten insgesamt 16 Menschenleben. Unter den Todesopfern befanden sich Menschen verschiedenster Nationalitäten — ein Spiegelbild der internationalen Touristen, die La Rambla an jenem Sommertag bevölkerten. Besonders erschütternd war der Tod von zwei Kindern im Alter von drei und sieben Jahren, die auf der Promenade in Barcelona starben. Mehr als 100 weitere Menschen wurden verletzt, viele davon schwer. Die Opfer stammten aus Spanien sowie aus zahlreichen anderen Ländern, darunter Frankreich, Deutschland, Australien, Belgien, Kanada, China, Griechenland, Italien, den Niederlanden, Portugal, Rumänien und den Vereinigten Staaten. Der internationale Charakter der Opferliste verdeutlichte, dass der Anschlag nicht allein gegen Spanien gerichtet war, sondern gegen die offene westliche Gesellschaft als solche.
Die Täter und ihre Radikalisierung
Die Zelle bestand aus zwölf Männern, von denen die meisten in Ripoll, einer kleinen Stadt in der Provinz Girona, aufgewachsen oder ansässig waren. Das verbindende Element der Gruppe war Abdelbaki es Satty, ein marokkanischstämmiger Imam, der in Ripoll predigte und als Hauptradikalisierer der jungen Männer gilt. Es Satty hatte eine kriminelle Vorgeschichte und soll Verbindungen zu dschihadistischen Netzwerken gehabt haben. Er starb bei der Explosion in Alcanar, bevor er vor Gericht gestellt werden konnte.
Der Hauptattentäter in Barcelona, Younes Abouyaaqoub, war zum Tatzeitpunkt 22 Jahre alt. Er wurde vier Tage nach dem Anschlag, am 21. August 2017, in Subirats gestellt und von Polizeibeamten erschossen, nachdem er eine Sprengstoffweste vorzutäuschen versucht hatte. Die fünf Täter des Cambrils-Anschlags wurden, wie erwähnt, noch in der Tatnacht getötet.
Von den zwölf Zellenmitgliedern überlebten drei den gesamten Komplex aus Explosion, Anschlägen und anschließender Polizeifahndung: Mohamed Houli Chemlal, Driss Oukabir und Said Ben Iazza wurden festgenommen und angeklagt.
Ermittlung
Die Ermittlungen der spanischen Behörden wurden von den Mossos d'Esquadra in enger Zusammenarbeit mit der Guardia Civil und dem spanischen Inlandsgeheimdienst CNI (Centro Nacional de Inteligencia) geführt. Bereits kurz nach dem Anschlag auf La Rambla konnten die Behörden den Lieferwagen sicherstellen und Überwachungsvideos auswerten, die Abouyaaqoub als Fahrer identifizierten. Die Fahndung nach ihm gestaltete sich dennoch als schwierig und dauerte mehrere Tage.
Ein zentraler Streitpunkt in der Nachbereitung der Anschläge war die Frage, ob der CNI im Vorfeld Hinweise auf die Radikalisierung des Imams Es Satty gehabt, diese aber nicht an die katalanischen Sicherheitsbehörden weitergegeben hatte. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss befasste sich mit dieser Frage, ohne abschließende Klarheit zu schaffen. Auch die Verbindungen Es Sattys zu früheren Dschihadnetzwerken sowie seine Reisen in den Nahen Osten wurden eingehend untersucht.
Prozess und Urteil
Der Prozess gegen die drei überlebenden Angeklagten fand vor der Audiencia Nacional statt, dem für Terrorismusfälle zuständigen Sondergericht Spaniens mit Sitz in Madrid. Im Juni 2019 wurden alle drei Angeklagten verurteilt. Mohamed Houli Chemlal erhielt eine Strafe von 36 Jahren Haft wegen seiner Beteiligung an der Herstellung der Sprengvorrichtungen in Alcanar, bei deren Explosion er selbst verletzt worden war. Driss Oukabir und Said Ben Iazza wurden wegen Beihilfe zum Terrorismus zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
Das Gericht stellte fest, dass die Zelle ideologisch durch Es Satty geformt und angeleitet worden war und im Geiste der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) handelte, ohne dass eine direkte operative Führung durch den IS von außen nachgewiesen werden konnte. Der IS reklamierte die Anschläge gleichwohl für sich.
Dieses Urteil reiht sich in eine Reihe europäischer Terrorurteile dieser Ära ein — vergleichbar etwa mit den Verfahren nach dem Terroranschlag Berlin Breitscheidplatz 2016 oder dem Terroranschlag Nizza 2016.
Heute
Jedes Jahr am 17. August gedenkt Barcelona der Opfer mit einer öffentlichen Zeremonie auf La Rambla. Ein dauerhaftes Mahnmal erinnert an die Ereignisse. Die Gedenkfeiern zum achten Jahrestag im August 2025 zeigten, dass der Anschlag tief im kollektiven Gedächtnis Kataloniens und ganz Spaniens verankert bleibt.
Politisch bleibt die Frage nach einer möglichen Mitverantwortung des CNI umstritten. Hinterbliebene und Überlebende haben mehrfach eine vollständige Aufklärung gefordert und kritisieren, dass Geheimdienstinformationen über Es Satty möglicherweise nicht rechtzeitig geteilt wurden. Ein abschließendes politisches oder juristisches Urteil zu dieser Frage steht weiterhin aus.
Die Anschläge von Barcelona und Cambrils haben die Sicherheitsarchitektur Spaniens und Europas nachhaltig beeinflusst: Sicherheitsbarrieren auf belebten Promenaden und Plätzen, schärfere Überwachung religiöser Einrichtungen und intensivierter Austausch europäischer Geheimdienste sind direkte Konsequenzen dieser Ereignisse — ebenso wie nach dem Terroranschlag Brüssel 2016 und ähnlichen Fällen der Epoche.
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