Der Fall John McAfee — Tod, Flucht und Steuerermittlungen
Belize, USA und Spanien, 2012–2021 — mehrere Strafverfahren, Tod in spanischer Haft
Veröffentlicht 2. Juni 2026

Falldetails
Quick Facts
Klassifizierung:
Der Fall
Der Fall John McAfee ist kein einzelnes Tötungsdelikt, sondern ein Komplex separater Strafsachen rund um den britisch-amerikanischen Software-Unternehmer John David McAfee. Dazu gehören die Mordermittlungen zum Tod seines Nachbarn Gregory Faull in Belize im Jahr 2012, eine Festnahme in Guatemala wegen illegaler Einreise sowie ein späteres US-Steuerverfahren, das mit McAfees Tod in spanischer Auslieferungshaft im Juni 2021 endete. McAfee, geboren am 18. September 1945 und Gründer der Antivirenfirma McAfee Associates, geriet in den 2010er Jahren mehrfach mit Justizbehörden in Konflikt und entwickelte sich zu einer der bekanntesten Fluchtfiguren der Tech-Welt.
Das Verbrechen
Im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit steht zunächst der gewaltsame Tod von Gregory Faull im November 2012 auf der Karibikinsel Ambergris Caye in Belize. Faull, ein 52-jähriger US-Bürger und Nachbar McAfees, wurde in seinem Haus mit einer Schusswunde am Kopf tot aufgefunden. Sein Wohnsitz lag nach Angaben von ABC News nur zwei Häuser entfernt vom Anwesen McAfees. Belizische Behörden nahmen umgehend Ermittlungen auf und benannten McAfee öffentlich als „person of interest“. Eine formelle Anklage oder Verhaftung gegen ihn wegen dieser Tat erfolgte jedoch nie. McAfee selbst floh aus Belize und bestritt jede Beteiligung am Tod seines Nachbarn.
Parallel dazu warfen US-Bundesstaatsanwälte McAfee Jahre später vor, zwischen 2014 und 2018 Millionen verdient zu haben, ohne entsprechende Einkommensteuererklärungen einzureichen. Diese Vorwürfe der Steuerhinterziehung bildeten die Grundlage des späteren US-Verfahrens und des internationalen Auslieferungsersuchens.
Zeitlinie
Gregory Faull tot aufgefunden
Gregory Faull, McAfees 52-jähriger amerikanischer Nachbar auf Ambergris Caye, wurde tot mit einer Schussverletzung am Kopf aufgefunden.
McAfee in Guatemala festgenommen
Nachdem er aus Belize geflohen war, wurde McAfee in Guatemala wegen illegaler Einreise in das Land festgenommen.
Ende des mutmaßlichen Zeitraums der Steuerhinterziehung
Amerikanische Staatsanwälte behaupteten später, McAfee habe von 2014 bis 2018 Millionen verdient, ohne eine Steuererklärung abzugeben.
Festnahme in Spanien
McAfee wurde auf Ersuchen des amerikanischen Justizministeriums am Flughafen Barcelona-El Prat wegen Vorwürfen der Steuerhinterziehung festgenommen.
Tod in spanischer Haft
McAfee wurde tot in seiner Zelle in der Nähe von Barcelona aufgefunden, nachdem ein spanisches Gericht seine Auslieferung an die USA genehmigt hatte; die Behörden bezeichneten den Tod als mutmaßlichen Suizid durch Erhängen.
Die Opfer
Das einzige bestätigte Todesopfer im engeren Sinne ist Gregory Faull, ein 52-jähriger US-amerikanischer Bauunternehmer, der sich nach Belize zurückgezogen hatte. Berichten zufolge hatte es zwischen Faull und McAfee Spannungen wegen Hunden auf dem McAfee-Grundstück gegeben. Der zweite „Tote“ des Gesamtkomplexes ist McAfee selbst, der im Juni 2021 in einer Haftanstalt nahe Barcelona starb. Spanische Behörden stuften seinen Tod laut der Berichterstattung über sein Ableben als mutmaßlichen Suizid durch Erhängen ein.
Ermittlung
Die belizische Polizei suchte McAfee nach Faulls Tod intensiv, ohne ihn jedoch festzunehmen. McAfee tauchte unter, gab via Blog und Medien Interviews und floh schließlich über die Grenze nach Guatemala. Dort wurde er am 5. Dezember 2012 wegen illegaler Einreise festgenommen und später in die USA abgeschoben — nicht jedoch nach Belize ausgeliefert. Eine umfassende Darstellung der damaligen Ermittlungsschritte und seines exzentrischen Verhaltens während der Flucht findet sich in der Falldokumentation des Crime Museum.
In den folgenden Jahren rückte McAfee wegen seiner öffentlichen Auftritte, seines Kryptowährungsengagements und politischer Ambitionen erneut in den Fokus. Das US-Justizministerium leitete schließlich ein Steuerstrafverfahren ein. Am 5. Oktober 2020 wurde McAfee auf Ersuchen der USA in Spanien festgenommen. Die Vorwürfe umfassten die Nichtabgabe von Steuererklärungen über vier Jahre hinweg sowie die Verschleierung erheblicher Einkünfte aus Kryptowährungsgeschäften, Beratungsverträgen und Werbeauftritten.
Prozess und Urteil
In der Sache Faull kam es nie zu einer Anklage gegen McAfee — der Fall blieb formal eine offene Ermittlung der belizischen Behörden. Im US-Steuerverfahren saß McAfee in Spanien in Auslieferungshaft. Nach mehreren Anhörungen genehmigte ein spanisches Gericht im Juni 2021 die Auslieferung an die Vereinigten Staaten. Nur Stunden nach Bekanntwerden dieser Entscheidung wurde McAfee am 23. Juni 2021 in seiner Zelle tot aufgefunden. Eine strafrechtliche Verurteilung in den USA erfolgte damit nicht; das Verfahren endete mit seinem Tod. Verschiedene Videoreportagen, darunter eine ausführliche Dokumentation auf YouTube, zeichnen die letzten Monate seines Lebens nach.
Heute
Der Fall John McAfee bleibt ein Sinnbild für den Absturz einer schillernden Tech-Persönlichkeit zwischen Reichtum, Paranoia und juristischer Verfolgung. Der Tod von Gregory Faull ist bis heute strafrechtlich nicht aufgeklärt; eine zivilrechtliche Klage von Faulls Familie führte in den USA zu einem Versäumnisurteil gegen McAfee, die Hintergründe der Tat wurden jedoch nie gerichtlich festgestellt. Die Umstände seines eigenen Todes in spanischer Haft werden in Teilen der Öffentlichkeit weiter angezweifelt, auch wenn die offizielle Version von Suizid spricht. Weitere Hintergrundinformationen und Reaktionen aus der Tech- und Kryptoszene finden sich in ergänzenden Videoberichten zur Causa McAfee. Der Komplex bleibt damit eines der ungewöhnlichsten True-Crime-Kapitel des digitalen Zeitalters: mehrere Strafverfahren, ein ungelöster Mord und ein Hauptverdächtiger, der nie vor Gericht stand.
Medienberichterstattung
TV series
- Running with the Devil: The Wild World of John McAfee(2026)
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