Thomas Randolph — Der schwarze Witwer aus Las Vegas
Vier tote Ehefrauen, hohe Versicherungssummen und ein inszenierter Mord: Der Fall Thomas Randolph beschäftigte die amerikanische Justiz fast zwei Jahrzehnte lang.
Veröffentlicht 3. Juni 2026

Falldetails
Quick Facts
Klassifizierung:
Am Abend des 8. Mai 2008 rief Thomas William Randolph in Las Vegas den Notruf an und behauptete, ein maskierter Eindringling habe seine Ehefrau Sharon Causse Randolph erschossen — er selbst habe den Angreifer in Notwehr getötet. Als die Polizei eintraf, lagen zwei Menschen tot im Haus: Sharon und ein Mann, der später als Michael Miller identifiziert wurde. Was Randolph als tragischen Selbstverteidigungsfall darstellte, entpuppte sich nach Überzeugung der Ermittler als kalt kalkulierter Doppelmord.
Der Abend des 8. Mai 2008
Randolphs Schilderung wies von Beginn an Widersprüche auf. Spurensicherung, Schusswinkelanalysen und Blutspuren am Tatort stimmten nicht mit seiner Version überein. Ermittler der Polizei Las Vegas und der Staatsanwaltschaft Clark County kamen rasch zu dem Schluss, dass Miller kein fremder Einbrecher, sondern ein Bekannter Randolphs war — und dass er unter falschen Vorspiegelungen in das Haus gelockt worden war. Der Verdacht: Randolph hatte Miller angeheuert, Sharon zu töten, und erschoss ihn anschließend, um den einzigen Zeugen zu beseitigen und als Held einer Notwehrsituation dazustehen.
Als Motiv nannte die Staatsanwaltschaft finanzielle Interessen: Sharon war hoch versichert, und Randolph hätte als Erbe von ihrer Lebensversicherung profitiert.
Zeitlinie
Doppelte Schießerei in Las Vegas
Thomas Randolph ruft den Notruf an und berichtet, ein maskierter Eindringling habe seine Ehefrau Sharon Causse erschossen; er selbst habe den Angreifer in Notwehr getötet. Beide – Sharon und der angebliche Eindringling Michael Miller – werden tot aufgefunden.
Randolph festgenommen
Die Polizei nimmt Thomas Randolph noch am selben Abend fest, nachdem erste Ermittlungen seine Notwehrdarstellung in Zweifel ziehen.
Erste Verurteilung – Todesstrafe
Eine Geschworenenjury im Clark County spricht Randolph des zweifachen Mordes ersten Grades schuldig. Er wird zum Tod verurteilt.
Oberster Gerichtshof Nevadas hebt Urteil auf
Das Gericht kippt die Verurteilung mit der Begründung, Beweise über den Tod einer früheren Ehefrau seien unzulässigerweise im Prozess zugelassen worden.
Zweite Jury spricht Randolph erneut schuldig
Nach einem Neuverfahren im Clark County wird Randolph wegen Mordverschwörung sowie zweifachen Mordes unter Verwendung einer tödlichen Waffe verurteilt.
Endurteil: 60 Jahre bis lebenslänglich
Staatsanwältin Tierra Jones verurteilt den 69-jährigen Randolph zu 60 Jahren bis lebenslänglich – ein Strafmaß, das bedeutet, dass er aller Wahrscheinlichkeit nach hinter Gittern sterben wird.
Die Opfer
Sharon Causse Randolph war Thomas Randolphs sechste Ehefrau. Sie starb im eigenen Zuhause — einem Ort, der ihr Sicherheit hätte bieten sollen. Gerichtsakten beschreiben sie als Opfer einer manipulativen und letztlich tödlichen Beziehung.
Michael Miller, das zweite Todesopfer, war nach Darstellung der Anklage von Randolph für den Mord an Sharon angeworben worden. Damit wurde auch Miller selbst zum Opfer: Er soll nach der Tat erschossen worden sein, um Randolphs Inszenierung zu vervollständigen und Spuren zu verwischen.
Ermittlungen und das Muster des „schwarzen Witwers“
Die Ermittlungen weiteten sich rasch auf Randolphs Vergangenheit aus. Es stellte sich heraus, dass vier seiner sechs Ehefrauen unter verdächtigen Umständen gestorben waren — und dass er nach jedem Todesfall erhebliche Lebensversicherungsleistungen erhalten hatte. Dieses Muster brachte ihm in den Medien den Beinamen „Der schwarze Witwer“ (englisch: „The Black Widower“) ein, in Anlehnung an die Schwarze Witwe — jene Frauen, die ihre Partner töten, um finanziell zu profitieren.
Die Frage, ob und wie diese früheren Todesfälle als Beweise im Prozess verwendet werden durften, sollte zum juristischen Dreh- und Angelpunkt des gesamten Verfahrens werden.
Erste Verurteilung und Urteilsaufhebung
2017 stand Randolph erstmals vor Gericht im Clark County. Die Geschworenen befanden ihn des zweifachen Mordes ersten Grades für schuldig; er wurde zum Tode verurteilt. Doch seine Verteidiger legten erfolgreich Berufung ein: Im Dezember 2020 hob der Oberste Gerichtshof Nevadas das Urteil auf. Die Begründung: Beweise über den Tod einer früheren Ehefrau seien unzulässigerweise in den Prozess eingeführt worden und hätten die Jury in unzulässiger Weise beeinflusst. Das Gericht stellte fest, dass diese sogenannten „Prior Bad Act Evidence“ — Belege für frühere verdächtige Handlungen — nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprechend präsentiert worden waren. Beweisrecht USA
Zweites Verfahren und endgültiges Urteil
Im August 2023 begann im Clark County ein neues Verfahren. Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Beweisführung angepasst, um die früheren rechtlichen Fehler zu vermeiden. Eine neue Jury befand Randolph erneut für schuldig — diesmal wegen Mordverschwörung sowie zweifachen Mordes unter Verwendung einer tödlichen Waffe.
Am 4. April 2024 wurde das Strafmaß durch Richterin Tierra Jones verkündet: 60 Jahre bis lebenslänglich. Der damals 69-Jährige wird diese Strafe aller Wahrscheinlichkeit nach nicht überleben — er wird hinter Gittern sterben.
Bedeutung des Falls
Der Fall Randolph zog erhebliche Medienaufmerksamkeit auf sich, in den USA ebenso wie international. Investigation Discovery produzierte eine Dokumentation über den „schwarzen Witwer“, Court TV berichtete ausführlich von den Verhandlungen. Der Fall gilt heute als Lehrstück für sogenannte Black-Widower-Verbrechen — Männer, die mehrere Partnerinnen aus finanziellem Kalkül töten.
Für die Familien von Sharon Causse Randolph und Michael Miller bedeuteten fast 16 Jahre Justizgeschichte eine lange, schmerzhafte Prüfung. Das endgültige Urteil von 2024 brachte einen gewissen Abschluss — auch wenn keine Strafe die verlorenen Leben zurückbringen kann.
Juristisch wirft der Fall grundlegende Fragen auf: Wie und in welchem Umfang dürfen frühere verdächtige Todesfälle als Beweise in einem Strafprozess herangezogen werden — und wie lässt sich das Bedürfnis nach Gerechtigkeit mit dem Recht auf ein faires Verfahren in Einklang bringen?
Medienberichterstattung
TV series
- The Black Widower: The Six Wives of Thomas Randolph(2026)
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