Serie2019

Grégory – Wer tötete den kleinen Grégory?

Die Netflix-Doku über Frankreichs ungeklärten Jahrhundertfall

★ IMDb 8,2Streamt auf Netflix
Von
KrimiNyt Redaktionen

Fakten

Serientitel (Original)Who Killed Little Gregory?
PlattformNetflix
Erscheinungsdatum20. November 2019
Episodenanzahl5
Episodenlängeca. 60 Minuten

Am 16. Oktober 1984 wurde der vierjährige Grégory Villemin im nordostfranzösischen Lépanges-sur-Vologne ermordet – ein Fall, der Frankreich bis heute nicht loslässt. Die Netflix-Dokumentarserie Grégory (Originaltitel: Who Killed Little Gregory?) erzählt diesen Kriminalfall in fünf rund einstündigen Episoden nach und fragt, wie ein Land an seinem eigenen Justizsystem und seinen Medien scheitern kann.

Worum geht es in der Serie?

Die Dokumentarserie rekonstruiert einen der rätselhaftesten und meistdiskutierten Kriminalfälle der französischen Geschichte. In fünf Episoden à rund 60 Minuten beleuchtet sie nicht nur das Verbrechen selbst, sondern auch den Medienrummel, das juristische Chaos und die familiäre Tragödie, die dem Mord folgten. Mehr als 40 Jahre nach dem Tod des kleinen Jungen wurde niemand rechtskräftig verurteilt – das Verfahren ist beim französischen Justizsystem nach wie vor anhängig.

Die Serie versteht sich als eine der ersten modernen True-Crime-Produktionen aus Frankreich und zeigt, wie ein kleiner Junge aus den Vogesen ein ganzes Land erschütterte und grundlegende Fragen über die Rolle der Medien in der Strafverfolgung aufwarf.

Netflix True Crime Dokumentationen

Der Fall hinter der Dokumentation

Am 16. Oktober 1984 verschwand der vierjährige Grégory Villemin aus dem Garten seines Elternhauses in Lépanges-sur-Vologne in der ostfranzösischen Region Vogesen. Noch am selben Nachmittag wurde er tot aus dem Fluss Vologne nahe der Ortschaft Docelles geborgen – Hände und Füße mit einem Seil gefesselt. Er war gerade einmal vier Jahre alt.

Noch bevor die Leiche entdeckt wurde, erhielt die Familie ein Schreiben eines anonymen Briefschreibers, der später den Beinamen Le Corbeau – der Rabe – bekam. Diese mysteriöse Figur hatte die Familie Villemin jahrelang mit hasserfüllten anonymen Drohbriefen und Telefonanrufen terrorisiert. Im Brief vom Abend des Mordes erklärte der Rabe, die Tat sei Rache.

Der Fall – in Frankreich schlicht als l'Affaire Grégory bekannt – entwickelte sich rasch zu einer nationalen Obsession. Polizei, Medien und Öffentlichkeit stürzten sich mit einer Intensität auf den Fall, die rückblickend eher einer Hexenjagd als einem Rechtsstaat ähnelte. Der Verdacht richtete sich schnell gegen das engste Familienumfeld.

Justizirrtümer Frankreich

Christine Villemin – eine Mutter im Mediensturm

1985 wurde Grégoryss Mutter Christine Villemin vorübergehend als Verdächtige verhaftet. Sie wurde freigelassen und nie angeklagt, doch die Berichterstattung über sie war brutal: Die Medien stilisierten sie zur kaltblütigen Kindsmörderin – eine Phase, die von vielen Beobachtern als moderne Hexenverfolgung beschrieben wird.

Ihr Mann Raymond Villemin verdächtigte unterdessen ein anderes Familienmitglied: Bernard Laroche. 1989 erschoss er ihn – eine Tat, die Raymond Villemin eine Haftstrafe einbrachte, während das Rätsel um den Mord an seinem Sohn ungelöst blieb.

Im Jahr 2017 nahmen die französischen Behörden die Ermittlungen wieder auf und verhafteten drei Familienmitglieder – darunter eine Großtante und einen Großonkel – auf Grundlage neuer DNA-Analysen. Keiner von ihnen wurde seitdem verurteilt. Noch im Jahr 2025 wurde Großtante Jacqueline Jacob erneut vernommen; eine mögliche Anklageerhebung wird in französischen Medien diskutiert.

DNA-Beweise in Kriminalfällen

Produktion und Umsetzung

Die Dokumentarserie erschien am 20. November 2019 als Netflix-Original in Zusammenarbeit mit französischen Produktionsfirmen. In den fünf Episoden kommen Journalistinnen und Journalisten, Ermittler, Familienmitglieder und Rechtsexperten zu Wort, um die zahlreichen Wendungen des Falls zu rekonstruieren. Besonders prägend ist der Einsatz von Originalarchivmaterial aus der damaligen Ermittlungszeit, der dem Zuschauer das Ausmaß des medialen und juristischen Versagens aus erster Hand vor Augen führt.

Der Fall Grégory gilt bis heute als Symbol für das Versagen von Justiz und Medien gleichermaßen – und die Netflix-Dokumentation macht deutlich, warum Frankreich diesen Fall nicht vergessen kann.

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