Snowtown: Der Film über Australiens grausamste Mordserie
Der australische Film aus dem Jahr 2011 rekonstruiert die sogenannten „Bodies in Barrels“-Morde, die einen ganzen Kontinent erschütterten.
Der australische Spielfilm Snowtown aus dem Jahr 2011 beleuchtet eine der dunkelsten Kapitel der australischen Kriminalgeschichte: die sogenannten Snowtown-Morde, auch bekannt als die „Bodies in Barrels“-Morde. Zwischen 1992 und 1999 wurden in South Australia mindestens elf Menschen gefoltert und getötet – von einem Mann, der sich selbst als Rächer der Gesellschaft verstand.
Eine Vorstadt als Tatort
Im Mittelpunkt des Films steht das Arbeiterviertel Salisbury North, ein ärmlicher Vorort nördlich von Adelaide. Hier, in einem sozialen Umfeld geprägt von Perspektivlosigkeit und familiärer Gewalt, entwickelte Haupttäter John Bunting seinen gefährlichen Einfluss über seine unmittelbare Umgebung. Der Film zeigt eindringlich, wie ein charismatischer Manipulator in einem vulnerablen Milieu Schritt für Schritt die Kontrolle über andere Menschen gewinnen kann.
Der Regisseur Justin Kurzel verzichtete bewusst auf reißerische Bilder und setzte stattdessen auf eine beklemmende Alltagsnähe. Das Ergebnis ist ein Film, der unter die Haut geht – nicht wegen expliziter Gewaltdarstellung, sondern wegen seiner nüchternen Schilderung der Mechanismen des Bösen.
John Bunting
Die Entdeckung der Fässer
Im Jahr 1999 machte die australische Polizei einen der makabersten Funde der Kriminalgeschichte des Landes: In einer verlassenen Bank im kleinen Ort Snowtown, rund 145 Kilometer nördlich von Adelaide, entdeckten Ermittler acht Leichen – in Salzsäure aufgelöst und in Kunststofffässern aufbewahrt. Weitere Opfer wurden an anderen Tatorten gefunden.
Die Morde waren von extremer Brutalität gekennzeichnet. Die Opfer wurden gefoltert, und es gab Hinweise auf kannibалistische Handlungen. John Bunting rechtfertigte seine Taten mit dem angeblichen Ziel, die Gesellschaft von Pädophilen und schwachen Individuen zu „reinigen“ – eine Ideologie, mit der er seine Mittäter zu manipulieren und zu kontrollieren wusste.
Bodies in Barrels
Manipulation und Gruppengewalt
Ein zentrales Thema des Films ist die Frage, wie gewöhnliche Menschen in außergewöhnliche Verbrechen hineingezogen werden können. Bunting agierte als eine Art Anführer einer kleinen Gruppe, die er durch psychologischen Druck, soziale Isolation und schrittweise Eskalation der Gewalt an sich band. Seine Mittäter – darunter Robert Wagner und James Vlassakis – wurden teils selbst zu Tätern, teils blieben sie in einem Geflecht aus Abhängigkeit und Angst gefangen.
Der Film verzichtet auf eine moralisierende Erzählstimme und lässt die Zuschauer stattdessen selbst erleben, wie sich das Unfassbare im Alltäglichen einbettet. Diese erzählerische Entscheidung macht Snowtown zu einem der beunruhigendsten True-Crime-Filme überhaupt.
Gruppengewalt Psychologie
Ein Film, der nachwirkt
Snowtown erhielt international Anerkennung für seine schonungslose Darstellung und wurde auf zahlreichen Filmfestivals gezeigt. Kritiker lobten vor allem die authentische Atmosphäre und die überzeugenden Laiendarsteller aus der Region. Der Film ist kein leicht konsumierbares Werk – er fordert sein Publikum heraus, sich mit dem Alltag des Bösen auseinanderzusetzen.
Für alle, die sich für die psychologischen Hintergründe von Serientätern und die sozialen Bedingungen schwerer Verbrechen interessieren, ist Snowtown ein ebenso wichtiges wie verstörendes Zeugnis.

