
Werner Pinzner: Der Hitman, der Hamburgs Polizei angriff
Netflix-Doku beleuchtet den Fall des Auftragsmörders, der 1986 drei Menschen im Polizeipräsidium tötete
Der professionelle Killer aus Hamburg
Werner Pinzner, geboren am 16. April 1940 in Hamburg, führte ein erschreckendes Doppelleben: Tagsüber arbeitete der gelernte Schweißer und Tischler in normalen Handwerksberufen, nachts wurde er zum gefürchteten Auftragsmörder der Hamburger Unterwelt. Seit den 1970er Jahren tötete Pinzner mindestens zwölf Menschen im Auftrag von Drogenhändlern und Kriminellen. Seine bevorzugte Waffe war eine modifizierte .22-Long-Rifle-Pistole mit Schalldämpfer – eine Waffe, die ihm den Ruf des "sauberen Killers" einbrachte, weil sie verhältnismäßig leise war und wenig Spuren hinterließ.
Zu seinen dokumentierten Opfern gehörten prominente Figuren der Hamburger Unterwelt, darunter der Drogenboss Hans-Günter Peine, den Pinzner 1980 erschoss, und der Drogenhändler Uwe Prell, der 1983 einem Auftragsmord zum Opfer fiel. Sein Hauptauftraggeber war Peter Bertram, bekannt als "Kiekeberg-Bertram", ein einflussreicher Krimineller der Hamburger Szene. Pinzner galt als methodisch und emotionslos – er vermied Spuren, handelte professionell und wurde nie für diese Morde verurteilt.
Das Massaker im Polizeipräsidium
Am 1. April 1986 um 10:45 Uhr betrat Werner Pinzner das Polizeipräsidium Hamburg am Bruno-Georges-Platz 1 – verkleidet als Polizist und mit einem gefälschten Ausweis ausgestattet. Pinzner hatte sich zuvor bei der Polizei gemeldet, um Zeugenschutz zu beantragen, da er von Unterwelt-Rivalen bedroht wurde. Stattdessen führte er eines der schockierendsten Polizeimassaker der deutschen Geschichte aus.
Sein erstes Opfer war die 26-jährige Sekretärin Muriel Keup, die er im Empfangsbereich erschoss. Danach drang er in die Räume der Mordkommission vor, wo er Kriminalhauptkommissar Hans-Werner Meyer (43) und Kriminaloberkommissar Manfred Rost (49) tötete – ausgerechnet jene Beamten, die an Ermittlungen gegen die Unterwelt arbeiteten. Um 11:02 Uhr richtete sich Pinzner im dritten Stock mit seiner eigenen Waffe.
Hamburgs Innensenator Wenzel Jacob nannte die Tat "den schwersten Schlag für die Hamburger Polizei seit dem Zweiten Weltkrieg". Die Seriennummer seiner Tatwaffe (PH 74765) führte später zu ballistischen Nachweisen, die Pinzner mit weiteren ungeklärten Morden in Verbindung brachten.
Die Aufarbeitung und Konsequenzen
Nach Pinzners Selbstmord wurden ihm durch ballistische Untersuchungen und Zeugenaussagen insgesamt zwölf frühere Morde zugeschrieben. Sein Waffenlieferant und Hauptauftraggeber Peter Bertram wurde 1987 vom Landgericht Hamburg zu 15 Jahren Haft verurteilt (Az. 410 Ks 1/87) – wegen Beauftragung von Morden. Pinzner selbst entging durch seinen Tod einer strafrechtlichen Verfolgung.
Der Fall führte zu umfassenden Sicherheitsreformen bei der Hamburger Polizei, darunter verschärfte Eingangskontrollen und Waffenscreenings am Präsidiumseingang. Kriminaldirektor Rüdiger Scheel bezeichnete die Tat als "einzigartigen Akt der Verzweiflung und Rache", der die Polizei "in ihrem Kern angegriffen" habe.
Netflix-Dokumentation rekonstruiert den Fall
Die 2023 erschienene Netflix-Dokumentation "Pinzner: German Hitman" basiert auf Polizeiakten, gerichtlich verifizierten Archiven und zeitgenössischen Berichten. Die Produktion rekonstruiert Pinzners Karriere als Auftragsmörder und das Massaker vom 1. April 1986 anhand von Ermittlungsakten der Hamburger Kriminalpolizei und Interviews mit ehemaligen Ermittlern.
Der Fall Werner Pinzner gilt bis heute als eines der dunkelsten Kapitel der Hamburger Kriminalgeschichte – ein professioneller Killer, der sein Doppelleben jahrelang verbergen konnte und schließlich das Herz der Strafverfolgung selbst angriff. Die Dokumentation zeigt eindrücklich, wie die Hamburger Unterwelt der 1970er und 1980er Jahre funktionierte und welche fatalen Konsequenzen die Verstrickungen zwischen organisierter Kriminalität und Gewalt hatten.


