Fakten

TäterBrigate Rosse (Red Brigades) – including Mario Moretti, Valerio Morucci, Barbara Balzerani, Adriana Faranda, Prospero Gallinari and Germano Maccari
OpferAldo Moro
TatortRome, Italy
Tatzeitpunkt16 March – 9 May 1978
DeliktKidnapping and murder

Am 16. März 1978 überfielen Mitglieder der linksextremistischen Terrororganisation Rote Brigaden (Brigate Rosse) den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Aldo Moro auf der Via Fani in Rom, töteten alle fünf Mitglieder seiner Sicherheitseskorte und verschleppten ihn an einen geheimen Ort. 55 Tage später wurde Moro ermordet aufgefunden. Der Fall gilt als eines der erschütterndsten politischen Verbrechen in der italienischen Nachkriegsgeschichte.

Der Überfall auf der Via Fani

Aldo Moro war einer der bedeutendsten Politiker Italiens – ehemaliger Ministerpräsident und Vorsitzender der Christdemokratischen Partei. Ausgerechnet an dem Tag, an dem eine neue italienische Regierung dem Parlament vorgestellt werden sollte, führten die Roten Brigaden einen sorgfältig geplanten Hinterhalt auf der Via Fani im Herzen Roms durch.

Bei dem Angriff wurden alle fünf Mitglieder von Moros Sicherheitseskorte getötet: Oreste Leonardi, Domenico Ricci, Giulio Rivera, Francesco Zizzi und Raffaele Iozzino. Sie verloren ihr Leben im Dienst und werden als Opfer desselben Verbrechens in Erinnerung behalten, das auch Moro das Leben kostete. Moro selbst wurde entführt und an einem geheimen Ort festgehalten.

Zeitlinie

16. März 1978

Entführung auf der Via Fani – fünf Leibwächter getötet

Am 16. März 1978 greifen die Roten Brigaden Moros Sicherheitseskorte auf der Via Fani in Rom an. Fünf Leibwächter werden getötet, und Moro wird entführt.

9. Mai 1978

Aldo Moro tot in der Via Michelangelo Caetani gefunden

Am 9. Mai 1978 – 55 Tage nach der Entführung – wird Moros Leiche in einem geparkten Auto in der Via Michelangelo Caetani im Zentrum Roms gefunden.

23. Januar 1983

32 Mitglieder der Roten Brigaden zu lebenslanger Haft verurteilt

Am 23. Januar 1983 verurteilt ein italienisches Gericht 32 Mitglieder der Roten Brigaden wegen der Entführung, des Mordes und weiterer Straftaten zu lebenslanger Haft.

Zu den namentlich bekannten Beteiligten der Entführung zählen Mario Moretti, Valerio Morucci, Barbara Balzerani, Adriana Faranda, Prospero Gallinari und Germano Maccari. Der Angriff auf der Via Fani galt als die bis dahin ambitionierteste und brutalste Operation der Roten Brigaden.

Rote Brigaden

55 Tage Geiselhaft

Die italienischen Behörden leiteten unmittelbar nach der Entführung eine massive Suchaktion ein. Trotz intensiver Polizeieinsätze und erheblicher staatlicher Ressourcen gelang es nicht, Moro während der 55 Tage seiner Gefangenschaft zu lokalisieren. Die Roten Brigaden veröffentlichten in dieser Zeit Kommuniqués sowie Briefe, die angeblich von Moro selbst verfasst worden waren – was in Italien eine intensive politische und mediale Debatte auslöste.

Am 9. Mai 1978 wurde Aldo Moros Leiche in einem geparkten Auto auf der Via Michelangelo Caetani im Zentrum Roms entdeckt. Die Wahl des Ortes galt als symbolisch: Die Straße lag genau zwischen dem Hauptquartier der Christdemokratischen Partei und dem Büro der Italienischen Kommunistischen Partei.

Politischer Terrorismus Italien

Ermittlungen und Strafverfolgung

Nach dem Mord wurden die Ermittlungen fortgesetzt und das Netzwerk der Organisation nach und nach aufgerollt. Die Behörden verhafteten im Laufe der Zeit zahlreiche Mitglieder der Roten Brigaden, die mit dem Fall in Verbindung standen. Ein zentraler Ermittlungsschwerpunkt galt der Planung, der Finanzierung und der internen Hierarchie der Organisation.

Am 23. Januar 1983 fällte ein italienisches Gericht in dem bis dahin umfangreichsten Prozess gegen die Roten Brigaden ein Urteil: 32 Mitglieder der Organisation wurden wegen ihrer Rollen bei der Entführung und Ermordung Moros sowie weiterer Verbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil war eines der weitreichendsten in der italienischen Rechtsgeschichte und markierte eine entscheidende juristische Auseinandersetzung mit dem Terrorismus der Dekade. Unter den Verurteilten befanden sich mehrere der namentlich bekannten Beteiligten an der Entführungsoperation. Der Prozess stützte sich auf umfangreiches Beweismaterial sowie Aussagen früherer Mitglieder der Roten Brigaden, die mit den Behörden kooperiert hatten.

Anni di piombo – Italiens Bleijahre

Der Fall heute

Der Fall Aldo Moro gilt heute als ein prägendes Kapitel der sogenannten anni di piombo – der Bleijahre –, einer Epoche, die in Italien durch politische Gewalt sowohl rechts- als auch linksextremistischer Gruppierungen gekennzeichnet war. Das Verbrechen hat tiefe Spuren im kollektiven Gedächtnis Italiens hinterlassen und wurde in zahlreichen Büchern, Filmen und Dokumentationen aufgearbeitet.

Der Fall war Gegenstand mehrerer parlamentarischer Untersuchungskommissionen, die das Geschehen von 1978 weiter beleuchten sollten – darunter Fragen zu möglichen Verbindungen in ein breiteres politisches und internationales Umfeld. Die tieferen Hintergründe, einschließlich der Frage nach möglichen Akteuren am Rand der Terroroperation, werden in Italien bis heute diskutiert.

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