Das meistgestohlene Gemälde der Welt: Rembrandts Miniatur
Viermal gestohlen, immer wiedergefunden: Die kriminelle Karriere eines Meisterwerks
Veröffentlicht 6. Juni 2025
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Fakten
Ein Meisterwerk im Taschenformat
Rembrandts 'Porträt des Jacob de Gheyn III' aus dem Jahr 1632 ist nicht nur ein bedeutendes Kunstwerk — es trägt auch einen höchst ungewöhnlichen und wenig ehrenvollen Rekord. Laut Guinness World Records ist das Gemälde das am häufigsten gestohlene Kunstwerk der Welt. Seine geringe Größe machte es über Jahrzehnte hinweg zum bevorzugten Ziel von Kunstdieben.
Das Ölgemälde auf Eichenholz zeigt Jacob de Gheyn III, einen Utrechter Kupferstecher des 17. Jahrhunderts. Mit seinen Maßen von gerade einmal 29,9 × 24,9 Zentimetern passt es problemlos unter eine Jacke oder in eine Tasche — was ihm den Spitznamen 'Takeaway Rembrandt' einbrachte. Diese kompakte Größe und die damit verbundene einfache Transportierbarkeit wurden dem Meisterwerk zum Verhängnis.
Der erste Diebstahl ereignete sich 1966 und markierte den Beginn einer jahrzehntelangen Serie von Raub und Wiederfund. Über die folgenden zwei Jahrzehnte wurde das Gemälde insgesamt viermal gestohlen — jedes Mal unter dramatischen Umständen und jedes Mal an unterschiedlichen, oft überraschenden Orten wiedergefunden.
Zeitlinie
Erster Diebstahl: acht Gemälde in der Silvesternacht gestohlen
In der Silvesternacht 1966 wird in die Dulwich Picture Gallery eingebrochen. Acht Gemälde werden gestohlen, darunter Jacob de Gheyn III. Michael Hall wird festgenommen und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.
Zweiter Diebstahl: Gemälde gestohlen und schnell wiedergefunden
1973 wird das Gemälde erneut gestohlen. Es wird kurz darauf wiedergefunden. Ein Täter soll auf einem Fahrrad geflohen sein. Verifizierte Gerichtsangaben liegen nicht vor.
Dritter Diebstahl aus der Dulwich Picture Gallery
Am 14. August 1981 wird Jacob de Gheyn III zum dritten Mal aus der Galerie in South London gestohlen.
Schnelle Festnahme
Die Polizei verhaftet vier Männer in einem Taxi und stellt das Gemälde sicher.
Spektakulärer Einbruch
Diebe klettern mit einer Leiter aufs Dach, zerstören ein Oberlicht und stehlen das Porträt.
Fund in Münster
Das Gemälde wird auf einer Gepäckablage im Bahnhof Münster in Deutschland wiedergefunden.
Die dokumentierten Raubzüge
Im August 1981 verschwand das Gemälde erneut aus der Dulwich Picture Gallery. Doch diesmal ging es schnell: Am 3. September 1981 stoppte die Polizei ein Taxi und verhaftete vier Männer. Das Kunstwerk wurde sichergestellt. Es war einer von mehreren Fällen, in denen die Täter kurz nach der Tat gefasst wurden.
1983 nahm der Kunstraub eine spektakuläre Wendung. Die Einbrecher kletterten mit einer Leiter aufs Dach, schlugen ein Oberlicht ein und stahlen das Gemälde direkt aus der Galerie. Diesmal sollte es deutlich länger dauern, bis das Werk wieder auftauchte.
Erst am 8. Oktober 1986 wurde das Rembrandt-Porträt wiedergefunden — auf einer Gepäckablage im Bahnhof von Münster in Deutschland. Offenbar hatten die Diebe versucht, das Kunstwerk außer Landes zu schaffen. Die Tatsache, dass es ausgerechnet in einem deutschen Bahnhof zurückgelassen wurde, deutet darauf hin, dass die Täter nervös geworden waren oder die Beute nicht zu Geld machen konnten.
Kuriose Fundorte
Neben diesen gut dokumentierten Fällen tauchte das Gemälde auch unter besonders ungewöhnlichen Umständen wieder auf. So wurde es einmal unter einer Bank auf einem Friedhof in Streatham, einem Londoner Stadtteil, entdeckt. Ein anderes Mal fand man es am Gepäckträger eines Fahrrads.
Diese bizarren Fundorte unterstreichen zwei Dinge: Zum einen die schiere Häufigkeit der Diebstähle, zum anderen die Tatsache, dass die Täter das Werk oft auf geradezu verzweifelt primitive Weise wieder loswerden wollten. Offenbar stellten viele Diebe erst nach der Tat fest, dass ein gestohlener Rembrandt auf dem Schwarzmarkt praktisch nicht zu verkaufen ist — zu bekannt, zu gut dokumentiert, zu heiß.
Unter verschärfter Bewachung
Heute hängt das 'Porträt des Jacob de Gheyn III' wieder an seinem rechtmäßigen Platz in der Dulwich Picture Gallery in London — allerdings unter deutlich verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Das Gemälde dient nun nicht nur als kunsthistorisches Meisterwerk, sondern auch als faszinierende Fallstudie über Kunstkriminalität.
Die bewegte Vergangenheit hat das Werk zu einem der berühmtesten Gemälde in der Welt der Kunstkriminalität gemacht — nicht allein wegen seines künstlerischen Werts, sondern vor allem wegen seines zweifelhaften Rekords als meistgestohlenes Gemälde der Welt.
Die Geschichte des 'Takeaway Rembrandt' zeigt eindrücklich, dass auch kleine Kunstwerke große Begehrlichkeiten wecken können — und dass die Größe eines Gemäldes manchmal dessen größte Schwachstelle ist. Für die Dulwich Picture Gallery endete die Serie der Diebstähle mit erheblichen Investitionen in moderne Sicherheitstechnik. Seit 1986 blieb das Porträt unangetastet — ein kleiner Sieg im ewigen Kampf zwischen Museen und Kunstdieben.
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