Fallakte

Der Fall Ursula Herrmann: Entführung mit tödlichem Ausgang

Ein 10-jähriges Mädchen wurde 1981 in Bayern entführt und in einer Kiste begraben – erst 29 Jahre später gab es eine Verhaftung

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Veröffentlicht 7. Mai 2026

BEWEIS

Fakten

TäterWerner Mazurek
OpferUrsula Herrmann, 10 years old
TatortEching am Ammersee and the forest between Eching and Schondorf am Ammersee, Bavaria, Germany
Tatzeitpunkt15 September 1981
DeliktErpresserischer Menschenraub mit Todesfolge (extortionate kidnapping resulting in death)

Die Entführung

Am 15. September 1981 fuhr die 10-jährige Ursula Herrmann mit dem Fahrrad von der Schule nach Hause in die kleine bayerische Gemeinde Eching, nördlich von München. Doch sie kam nie an. Ihr Fahrrad und ihre Schultasche wurden am Waldrand gefunden, und kurz darauf erhielten ihre Eltern ein Lösegelderpressungsforderung über 2 Millionen D-Mark.

Die Entführer gaben den Eltern genaue Anweisungen, wo das Geld abgelegt werden sollte. Doch die Geldübergabe unter Polizeiüberwachung scheiterte. Die Täter tauchten niemals auf, um das Lösegeld abzuholen, und jegliche Kommunikation brach ab.

Der Fund von Ursula

Nach einer groß angelegten Suche wurde Ursula Herrmann am 3. Oktober 1981 tot aufgefunden – fast drei Wochen nach ihrem Verschwinden. Sie lag in einer Holzkiste begraben im Eglinger Filz, einem Waldgebiet etwa 50 Kilometer von ihrem Zuhause entfernt.

Zeitlinie

15. September 1981

Ursula Herrmann wird in Bayern entführt

Die 10-jährige Ursula Herrmann verschwindet am 15. September 1981 auf dem Fahrradweg von einer Turnstunde nach Hause bei Eching am Ammersee. Es wird eine Lösegeldforderung von 2 Millionen Mark gestellt.

4. Oktober 1981

Ursula Herrmann tot in vergrabener Holzkiste gefunden

Am 4. Oktober 1981 – 19 Tage nach der Entführung – finden Suchtrupps Ursulas Leiche in einer im Wald zwischen Eching und Schondorf am Ammersee vergrabenen Holzkiste.

1. Mai 2008

Werner Mazurek wird festgenommen

Im Mai 2008, mehr als 26 Jahre nach der Tat, wird Werner Mazurek als Hauptverdächtiger im Fall der Entführung und des Todes von Ursula Herrmann festgenommen.

25. März 2010

Landgericht Augsburg verhängt lebenslange Haft

Am 25. März 2010 verurteilt das Landgericht Augsburg Werner Mazurek zu lebenslanger Haft. Seine mitangeklagte Ehefrau wird mangels Beweisen freigesprochen. Die anschließende Berufung scheitert, das Urteil wird rechtskräftig.

1. August 2018

Zivilurteil bestätigt Mazurek als Entführer

Im August 2018 stellt ein separates Zivilverfahren vor dem Landgericht Augsburg ebenfalls fest, dass Werner Mazurek der Täter hinter der Entführung von Ursula Herrmann ist.

Die enge Kiste war mit einem Luftschlauch und einem Ventilator ausgestattet, was darauf hindeutete, dass die Entführer ursprünglich vorhatten, sie am Leben zu halten. Die Obduktion ergab, dass Ursula an Erstickung starb, vermutlich weil die Luftzufuhr blockiert wurde oder versagte. Ihr Tod trat wahrscheinlich innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Entführung ein.

Die Ermittlungen kommen zum Stillstand

Trotz massiver Ermittlungen und über 10.000 Hinweisen aus der Bevölkerung führte der Fall zunächst zu keinem Ergebnis. Die Polizei verfügte 1981 nur über begrenzte technische Möglichkeiten, und die Spuren wurden kalt. Die Verjährungsfrist für Mord wurde 2008 aufgehoben, wodurch der Fall juristisch offen blieb.

Die bayerische Polizei gab den Fall jedoch nie auf. Über die Jahre wurde das Beweismaterial immer wieder mit neuen Methoden untersucht, während sich die forensische DNA-Technologie weiterentwickelte.

Durchbruch nach 29 Jahren

Im September 2010 kam es zum sensationellen Durchbruch. Die Polizei verhaftete das Ehepaar Werner und Iris Mazurek, die zur Tatzeit in Eching wohnten. Fortgeschrittene DNA-Analyse und neue Audiotechnologie hatten zur Verhaftung geführt.

Eine Tonbandaufnahme der ursprünglichen Lösegeldforderung wurde mit moderner Computertechnologie analysiert, und Experten kamen zu dem Schluss, dass die Stimmen mit dem Ehepaar übereinstimmten. Zudem fanden Forensiker DNA-Spuren auf Klebeband, das zum Fesseln von Ursula verwendet worden war, die Werner Mazurek zugeordnet werden konnten.

Der Prozess

Der Prozess gegen Werner und Iris Mazurek begann 2012 vor dem Landgericht Augsburg. Die Anklage lautete auf Entführung mit Todesfolge. Das Ehepaar bestritt während des gesamten Verfahrens seine Schuld.

Die Beweisführung war komplex und stützte sich hauptsächlich auf technisches und wissenschaftliches Material. Die Verteidigung argumentierte, dass die DNA-Spur kontaminiert sein könnte und dass die Stimmanalyse nicht zuverlässig genug sei, um als alleiniger Beweis zu dienen.

Umstrittenes Urteil

Im August 2012 wurden beide für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil wurde jedoch angefochten, und 2013 hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf und ordnete eine Neuverhandlung an. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass die Beweise nicht stark genug waren für eine Verurteilung ohne begründeten Zweifel.

Bei der neuen Verhandlung in Augsburg 2013 wurden Werner und Iris Mazurek aufgrund unzureichender Beweislage freigesprochen. Diese Entscheidung löste große Kontroversen in Deutschland aus und hinterließ bei vielen das Gefühl, dass der Fall nie wirklich aufgeklärt wurde. Bis heute bleibt der grausame Tod der kleinen Ursula Herrmann offiziell ungesühnt.

Medienberichterstattung

Documentaries

  • Zwei Urteile und viele Zweifel(2026)

TV series

  • Das Kind in der Kiste: Wer tötete Ursula Herrmann?(2026)

Books

  • Der Fall Ursula Herrmann: Das Mädchen in der Kiste(2026)

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