Skandal im 39. Distrikt: Korruption in Philadelphias Polizei
Beamte pflanzten Beweise, bestahlen Drogendealer und verhafteten Unschuldige – vor allem arme schwarze und lateinamerikanische Bewohner der Stadt.
Veröffentlicht 6. Juni 2025

Fakten
Beamte des 39. Polizeidistrikts in Philadelphia begingen zwischen 1988 und 1991 – manche Quellen dehnen den Zeitraum auf 1987 bis 1994 aus – systematisch schwere Verbrechen gegen Bürger der Stadt. Die interne Einheit, die gemeinhin als „Five Squad“ bezeichnet wird, richtete ihre kriminellen Handlungen überwiegend gegen arme schwarze und lateinamerikanische Bewohner sowie gegen Personen, die im Zusammenhang mit Drogendelikten verdächtig wurden. Human Rights Watch bezeichnete den Skandal später als einen der schwersten Fälle von Polizeimissbrauch in der Geschichte Philadelphias.
Die Verbrechen
Die dokumentierten Vergehen folgen einem systematischen Muster: Die Beamten führten falsche Verhaftungen und rechtswidrige Durchsuchungen ohne rechtliche Grundlage durch und fertigten anschließend gefälschte Polizeiberichte an, um ihre Handlungen zu verschleiern. Sie pflanzten Beweise und legten unter Eid falsche Aussagen ab – also Meineid –, um Verurteilungen zu sichern. Daneben bereicherten sie sich persönlich, indem sie Drogendealer unter dem Deckmantel dienstlicher Maßnahmen ausraubten und bestahlen.
Die Opfer waren überwiegend Menschen mit zu wenig Mitteln, um sich gegen das System zur Wehr zu setzen. Viele wurden auf Grundlage fabrizierter Beweise und falscher Zeugenaussagen jener Beamten verurteilt, die sie eigentlich schützen sollten.
Zeitlinie
Korruption im 39. Distrikt beginnt dokumentiert
Beamte im 39. Distrikt von Philadelphia beginnen die Periode systematischen Missbrauchs, die vor allem ab 1988 dokumentiert ist. Manche Quellen geben Aktivitäten bereits ab 1987 an.
Arthur Colbert erstattet Anzeige gegen Beamten John Baird
Der Bürger Arthur Colbert erstattet 1991 Anzeige gegen Beamten John Baird wegen Angriffs. Die Anzeige trägt dazu bei, die spätere föderale Ermittlung auszulösen.
Der Skandal wird öffentlich bekannt
Föderale Ermittlungen und Schuldgeständnisse bringen die Korruption im 39. Distrikt 1995 an die Öffentlichkeit. Der Fall erregt landesweite Aufmerksamkeit in den USA.
Berufungsentscheidung: United States v. Baird, 109 F.3d 856
Das föderale Berufungsgericht für den Third Circuit erlässt seine Entscheidung in United States v. Baird, 109 F.3d 856 (3d Cir. 1997), und bestätigt die Berufungsbehandlung für Beamten John Baird.
Mindestens fünf Beamte verurteilt; 160–300 Fälle aufgehoben
Mitte 1997 sind mindestens fünf Beamte vor föderalen Gerichten verurteilt worden. Human Rights Watch dokumentiert, dass zwischen 160 und 300 Fälle aufgehoben wurden, während Tausende noch überprüft werden.
Ein namentlich bekannter Beschwerdeführer ist Arthur Colbert, der 1991 Anzeige gegen den Beamten John Baird wegen Körperverletzung erstattete. Diese Anzeige trug dazu bei, die bundesbehördliche Ermittlung anzustoßen, die schließlich das volle Ausmaß der Korruption aufdeckte. Die Polizeikorruption USA Washington Post beschrieb das Bekanntwerden des Skandals 1995 als Schock für Philadelphia – politisch wie institutionell.
Ermittlungen
Die Bundesermittlungen, die 1995 zur öffentlichen Aufdeckung des Skandals führten, wurden vom U.S. District Court for the Eastern District of Pennsylvania geführt. Die Ermittler dokumentierten, dass die namentlich genannten Beamten John Baird, Frank Dubundo, Thomas DeGovanni, Steven Brown, James Ryan, Thomas Ryan und Louis J. Maier über Jahre hinweg systematisch gegen das Recht verstoßen hatten.
Es war das Zusammenwirken von Bürgerbeschwerden – darunter Colberts Anzeige von 1991 – und den Ermittlungen der Bundesbehörden, das das System schließlich ins Wanken brachte. Die Folgen der Ermittlungen reichten weit über die Strafverfahren gegen die beteiligten Beamten hinaus: Behörden mussten Tausende von Fällen überprüfen, die möglicherweise auf gefälschten Beweisen und falschen Zeugenaussagen beruhten.
Urteile
Die Verfahren wurden vor dem U.S. District Court for the Eastern District of Pennsylvania geführt. Bis Mitte 1997 waren mindestens fünf Beamte von Bundesgerichten verurteilt worden. Im Fall von John Baird erging zudem eine Berufungsentscheidung: United States v. Baird, 109 F.3d 856 (3d Cir. 1997), in der das Bundesberufungsgericht des Third Circuit das Berufungsverfahren bestätigte.
Die Verurteilungen stützten sich auf eine Kombination aus Schuldgeständnissen und Gerichtsverfahren und betrafen Verletzungen von Bürgerrechte USA, systematischen Betrug sowie weitere Bundesstraftaten, die die Beamten im Dienst begangen hatten.
Der Fall heute
Als Strafverfahren ist der Skandal um den 39. Distrikt abgeschlossen, doch seine Nachwirkungen waren weitreichend und langanhaltend. Human Rights Watch dokumentierte, dass bis Ende 1997 zwischen 160 und 300 Fälle aufgehoben worden waren, während Tausende weiterer Fälle zu diesem Zeitpunkt noch geprüft wurden. Zivilklagen und Vergleiche folgten im Anschluss an die strafrechtlichen Urteile.
Der Fall erregte in den USA nationale Aufmerksamkeit und wurde Teil einer breiteren Debatte über Rassismus im Rechtssystem Polizeikorruption, rassische Ungleichheit im Justizsystem und die Notwendigkeit unabhängiger Polizeiaufsicht. Eine Analyse der Stanford University ordnet den Skandal in einen größeren Zusammenhang von Armut, Vorurteilen und systemischen Fehlern im amerikanischen Rechtswesen ein.
Für die Hunderten von Menschen, deren Verurteilungen auf fabrizierten Beweisen und falschen Zeugenaussagen beruhten, bedeutete die Aufhebung der Urteile eine verspätete Gerechtigkeit. Die verlorenen Jahre und die menschlichen Kosten lassen sich jedoch nicht ungeschehen machen.
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