Lasermannen: Der schwedische Serienschütze mit deutscher Opferspur
John Ausonius terrorisierte Stockholm und Frankfurt
Veröffentlicht 6. Juni 2025

Klassifizierung:
Fakten
Der Fall mit deutschem Bezug
John Wolfgang Alexander Ausonius wurde am 12. Juli 1953 als Wolfgang Alexander Zaugg in der Schweiz geboren – ein Detail, das seine spätere Mordserie umso verstörender macht. Denn der Mann mit deutschsprachigen Wurzeln sollte zwischen August 1991 und Januar 1992 eine rassistisch motivierte Terrorkampagne gegen Einwanderer in Schweden führen. Elf Menschen schoss er nieder, einen tötete er. Doch damit nicht genug: 1992 ermordete Ausonius in Frankfurt am Main die 68-jährige Blanka Zmigrod, eine jüdische Holocaust-Überlebende.
Der Fall verbindet Schweden und Deutschland auf tragische Weise und zeigt, wie rechtsextreme Gewalt grenzüberschreitend operiert. Für deutschsprachige Leser ist besonders relevant: Ein Mann mit Schweizer Geburtsnamen und deutscher Sprachherkunft wurde zu einem der berüchtigtsten Serienmörder Skandinaviens – und schlug auch in Deutschland zu.
Was geschah
Im August 1991 begann Ausonius seine Schussattacken in Stockholm und Uppsala. Sein Markenzeichen: Ein Gewehr mit Laservisier, das einen roten Punkt auf seine Opfer projizierte, bevor er abdrückte. Dieses grausame Detail brachte ihm den Spitznamen "Lasermannen" ein – der Lasermann.
Zeitlinie
David Gebremariam wird getötet — erster bekannter Angriff
Der 21-jährige eritreische Einwanderer David Gebremariam wird erschossen. Der Angriff ist der erste in Ausonius' Schusswaffenkampagne und findet am 3. August 1991 statt.
Schusswaffenkampagne in Schweden endet
Die systematische Angriffsserie im Großraum Stockholm und in Uppsala endet im Januar 1992. Insgesamt sind 11 Personen betroffen — 1 Getöteter und 10 Verletzte.
Ausonius nach Banküberfall in Stockholm festgenommen
Am 12. Juni 1992 wird John Ausonius im Zusammenhang mit einem Banküberfall in Stockholm festgenommen. Die Festnahme führt zur Aufklärung des Lasermann-Falls.
Mord an Blanka Zmigrod in Frankfurt
Ausonius begeht 1992 einen separaten Mord an der Holocaust-Überlebenden Blanka Zmigrod in Frankfurt, Deutschland. Der Fall wird anschließend vor deutschen Gerichten verhandelt.
Sein erstes Opfer war ein 27-jähriger eritreischer Student. In den folgenden Monaten schoss Ausonius nach einem klaren Muster: Er suchte sich ausschließlich Menschen mit Migrationshintergrund oder nicht-schwedischem Aussehen aus. Die Opfer waren zufällig – einziges Auswahlkriterium war ihre Hautfarbe oder ihr ausländisches Erscheinungsbild.
Zehn Menschen überlebten mit schweren Verletzungen. Der 34-jährige Iraner Jimmy Ranjbar hatte weniger Glück – er wurde während der Anschlagsserie getötet. Der rote Laserpunkt, den die Opfer kurz vor dem Schuss sahen, wurde zum Symbol des Terrors in Schwedens Immigrantengemeinschaften.
Die Angst war allgegenwärtig. Menschen mit Migrationshintergrund trauten sich nach Einbruch der Dunkelheit kaum noch auf die Straße. Ausonius operierte stets nachts, aus dem Hinterhalt, schnell und scheinbar wahllos – außer dass alle Opfer eines gemeinsam hatten: Sie sahen nicht "schwedisch" aus.
Was damals in Schweden noch nicht bekannt war: Ausonius hatte bereits in Deutschland zugeschlagen. 1992 ermordete er in Frankfurt am Main Blanka Zmigrod, eine 68-jährige Jüdin, die den Holocaust überlebt hatte. Diese Tat sollte erst Jahrzehnte später zu seiner Verurteilung in Deutschland führen.
Ermittlung
Die Jagd nach dem Lasermannen entwickelte sich zu einer der größten Fahndungen in der schwedischen Kriminalgeschichte. Die Polizei stand unter enormem Druck: Ein Serienschütze terrorisierte wahllos Immigranten, und die Ermittler hatten kaum verwertbare Spuren.
Das Besondere an diesem Fall war die Unberechenbarkeit der Angriffe. Ausonius schlug in Stockholm und Uppsala zu, wechselte Stadtteile, Tageszeiten und Opferprofile – einzig die Hautfarbe oder das ausländische Aussehen blieb konstantes Auswahlkriterium. Das Laservisier wurde zum Ermittlungsschwerpunkt, doch zunächst führte auch diese Spur ins Leere.
Monatelang blieb der Täter unsichtbar. Die schwedischen Behörden verstärkten die Präsenz in Vierteln mit hohem Migrantenanteil, doch Ausonius agierte zu unvorhersehbar. Erst durch klassische Ermittlungsarbeit – systematisches Abgleichen von Hinweisen und Zeugenaussagen – gelang der Durchbruch.
Die Verhaftung von Ausonius beendete die sechsmonatige Anschlagsserie. Doch die Verbindung zum Mord an Blanka Zmigrod in Frankfurt blieb zunächst unentdeckt. Erst Jahre später, durch intensive Zusammenarbeit zwischen schwedischen und deutschen Ermittlungsbehörden, konnte auch dieser Mord Ausonius zugeordnet werden.
Die deutschen Behörden mussten feststellen: Ein in Schweden verurteilter Serienmörder hatte auch auf deutschem Boden getötet – und das Opfer war ausgerechnet eine Frau, die den Nazi-Terror überlebt hatte, nur um Jahrzehnte später einem rassistischen Mörder zum Opfer zu fallen.
Gerichtsverfahren
John Ausonius wurde in Schweden wegen der Anschlagsserie von 1991-92 verurteilt. Die schwedischen Gerichte befanden ihn des Mordes an Jimmy Ranjbar und des versuchten Mordes an zehn weiteren Personen für schuldig. Das Motiv war eindeutig: Rassismus. Ausonius erhielt eine lebenslange Haftstrafe nach schwedischem Recht.
Doch der Fall war damit nicht abgeschlossen. Der Mord an Blanka Zmigrod in Frankfurt führte zu einem zweiten Verfahren – diesmal in Deutschland. Jahrzehnte nach der Tat wurde Ausonius auch für dieses Verbrechen zur Verantwortung gezogen. Die deutsche Justiz musste sich mit einem bereits in Schweden inhaftierten Täter auseinandersetzen, der auf deutschem Boden eine Holocaust-Überlebende ermordet hatte.
Die juristische Aufarbeitung zog sich über Jahre hin und erforderte komplexe Abstimmungen zwischen schwedischem und deutschem Rechtssystem. Für die Angehörigen von Blanka Zmigrod bedeutete das Verfahren eine späte, aber wichtige Form der Gerechtigkeit.
Der Fall Ausonius steht exemplarisch für rassistisch motivierte Gewalt in Europa der 1990er Jahre – einer Zeit, in der rechtsextreme Übergriffe in mehreren Ländern zunahmen. Die Schweizer Herkunft des Täters, seine Taten in Schweden und Deutschland sowie seine Opferauswahl zeigen die internationale Dimension rechten Terrors.
Status
John Ausonius verbüßt seine lebenslange Haftstrafe in Schweden. Der Fall bleibt in der skandinavischen Kriminalgeschichte präsent als mahnendes Beispiel für rassistisch motivierten Terror. In Deutschland erinnert der Mord an Blanka Zmigrod daran, dass rechte Gewalt auch Holocaust-Überlebende traf – Menschen, die bereits einmal dem rassistischen Wahn entkommen waren.
Die Verbindung zwischen Schweden und Deutschland in diesem Fall unterstreicht die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit bei der Verfolgung von Hassverbrechen. Der Mann, der als Wolfgang Zaugg in der Schweiz geboren wurde, hinterließ eine Blutspur durch zwei Länder – angetrieben von derselben menschenverachtenden Ideologie, die auch heute noch Anschläge motiviert.
Für die deutschsprachige True-Crime-Community ist der Fall Lasermannen besonders relevant: Er zeigt, dass rassistische Gewalt keine Grenzen kennt und dass die juristische Aufarbeitung manchmal Jahrzehnte dauert. Die späte Verurteilung für den Frankfurt-Mord belegt, dass Gerechtigkeit auch mit Verzögerung möglich ist – ein wichtiges Signal für andere ungeklärte Fälle mit internationalem Bezug.
Medienberichterstattung
TV series
- Jagd auf den Lasermann: John Ausonius terrorisierte Schweden(2026)
- Lasermannen: Rassistische Mordserie in Stockholm(2026)
Zu diesem Fall fragen
Antworten nur aus der Berichterstattung von KrimiNytDiesem Fall folgen
Erhalte eine E-Mail, wenn eine neue Doku, ein Podcast oder ein Buch zu Lasermannen: Der schwedische Serienschütze mit deutscher Opferspur erscheint oder ein Urteil fällt.


