Fallakte

Gestohlene Identität: 55 Jahre nach der Entführung

DNA-Test enthüllt: Mann lebte sein ganzes Leben unter falscher Identität

🇺🇸 Amerikanisch

Veröffentlicht 6. Juni 2025

A figure resembling Paul Fronczak stands in a dimly lit room, holding an old black-and-white photo of a baby. Nearby, a DNA test kit and scattered documents hint at a long, tangled identity mystery.
BEWEIS

Fakten

OpferPaul Joseph Fronczak (identified as Kevin Ray Baty in 2019)
TatortMichael Reese Hospital, Chicago, Illinois, USA
TatzeitpunktApril 27, 1964
DeliktInfant abduction

Die Entführung, die alles ins Rollen brachte

Im April 1964 wurde ein neugeborener Junge aus einem Krankenhaus in Chicago entführt – gerade einmal einen Tag alt. Dora und Chester Fronczak suchten verzweifelt nach ihrem Sohn Paul Joseph Fronczak. Zwei Jahre später, 1966, wurde ein Junge in New Jersey gefunden. Die Familie identifizierte ihn als ihren vermissten Sohn, und er wuchs als Paul Fronczak auf.

Der Mann, der Paul sein sollte, lebte jahrzehntelang mit dieser Identität. Niemand stellte Fragen. Niemand zweifelte. Bis 2012.

Die DNA-Bombe

2012 wurde ein DNA-Test durchgeführt, der Antworten auf Fragen geben sollte, die fast 50 Jahre in der Luft hingen. Das Ergebnis war schockierend: Der Mann, der sein ganzes Leben lang als Paul Fronczak bekannt war, war nicht biologisch mit Dora und Chester Fronczak verwandt.

Zeitlinie

27. April 1964

Säugling aus Krankenhaus in Chicago entführt

Eine als Krankenschwester verkleidete Frau überzeugt Dora Fronczak davon, dass das Kind zur Pflegestation gebracht werden müsse – und verschwindet mit dem etwa 36 Stunden alten Säugling aus dem Michael Reese Hospital.

19. Dezember 2019

DNA identifiziert das ursprünglich entführte Kind

Im Dezember 2019 wird berichtet, dass das ursprünglich entführte Kind mittels DNA und genetischer Ahnenforschung als Kevin Ray Baty, wohnhaft in Michigan, identifiziert wurde.

Das bedeutete, dass das 1966 in New Jersey gefundene Kind niemals das entführte Baby aus Chicago gewesen war. Ein völlig neuer Cold Case war enthüllt worden.

Identifikation durch genetische Genealogie

Trotz dieser Entdeckung dauerte es drei weitere Jahre, bis die Lösung des Rätsels gefunden wurde. Am 3. Juni 2015 gelang einer Gruppe ehrenamtlicher Genealogen der Organisation "DNA Detectives" das Unglaubliche: Sie identifizierten den Mann als Jack Rosenthal aus Atlantic City, New Jersey.

Jack Rosenthal war selbst verschwunden – im Jahr 1965. Er war Jack Rosenthal, nicht Paul Fronczak.

DNA-Tests bestätigten: Jack hatte jüdische, südeuropäische und nordeuropäische Wurzeln. Sein Leben war auf einer Identität aufgebaut, die nicht seine eigene war.

Die Heimkehr zu den eigenen Wurzeln

Mit Jacks wahrer Identität aufgedeckt, konnte man beginnen, nach dem ursprünglich entführten Kind zu suchen – dem echten Paul Joseph Fronczak. Mithilfe eines DNA-Abgleichs mit einer Frau, die möglicherweise seine Tochter sein könnte, wurde der echte Paul Fronczak in Michigan lokalisiert.

Dies ermöglichte einen weiteren bedeutenden Erfolg: Der echte Paul Fronczak wurde mit seiner leiblichen Mutter wiedervereint – 51 Jahre nach der Entführung.

Das ungelöste Mysterium

Jack Rosenthals genetische Tests enthüllten jedoch etwas noch Mysteriöseres: Er hatte eine Zwillingsschwester namens Jill. Ihr Schicksal ist bis heute unbekannt.

Heute gilt der Fall Paul Fronczak als einer der bizarrsten in der Kriminalgeschichte – nicht nur, weil ein Kind entführt und später als eine völlig andere Person wiedergefunden wurde, sondern weil er offenbarte, wie komplex Familienbeziehungen und Identität sein können. Ein Junge wuchs mit einem Namen auf, der nicht seiner war. Ein anderer Junge wurde gefunden, aber nie mit seiner wahren Familie wiedervereinigt.

Und Jill? Sie bleibt eine offene Frage in einer der ungewöhnlichsten Kriminalgeschichten der USA.

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