Peggy Knobloch: 15 Jahre verschwunden im Thüringer Wald
Der Fall des 9-jährigen Mädchens aus Bayern bewegt Deutschland seit 2001
Veröffentlicht 7. Mai 2026

Fakten
Das Verschwinden
Am 7. Mai 2001 gegen 12 Uhr mittags verließ Peggy Knobloch ihre Schule in der kleinen bayerischen Stadt Lichtenberg. Die 9-Jährige sollte nur wenige hundert Meter nach Hause laufen, kam dort aber nie an. Peggy lebte mit einer leichten Behinderung und hatte ein geistiges Entwicklungsalter von etwa 5 bis 6 Jahren, was sie besonders schutzbedürftig machte.
Als Peggy nicht nach Hause kam, startete die Polizei umgehend eine massive Suchaktion in der Umgebung von Lichtenberg und im angrenzenden Thüringer Wald. Hunderte Freiwillige beteiligten sich an der Suche, doch es wurde keine Spur von dem kleinen Mädchen gefunden. Der Fall erschütterte die kleine Gemeinde und erregte in ganz Deutschland große mediale Aufmerksamkeit.
Der Vermisstenfall entwickelte sich schnell zu einem der bekanntesten in Bayern und warf Fragen zur Sicherheit von Kindern auf.
Zeitlinie
Peggy Knobloch wird in Bayreuth geboren
Peggy Knobloch kommt am 6. April 1992 in Bayreuth, Bayern, Deutschland, zur Welt.
Peggy verschwindet auf dem Heimweg von der Schule
Die 9-jährige Peggy Knobloch verschwindet am 7. Mai 2001 in Lichtenberg, Oberfranken, Bayern, auf dem Heimweg von der Schule. Eine umfangreiche Suche wird eingeleitet.
Ulvi Kulaç wegen Mordes verurteilt – lebenslange Haft
Das Landgericht Hof verkündet am 30. April 2004 sein Urteil: Ulvi Kulaç wird des Mordes an Peggy Knobloch für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt.
Fall wird vor dem Landgericht Bayreuth wieder aufgenommen
Das Landgericht Bayreuth leitet am 9. Dezember 2013 ein Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi Kulaç ein, um das Urteil von 2004 zu überprüfen.
Ulvi Kulaç wird freigesprochen
Am 14. Mai 2014 spricht das Landgericht Bayreuth Ulvi Kulaç frei. Der Fall bleibt danach juristisch ungeklärt, niemand ist für den Mord verurteilt.
Skelet fundet
En svammesamler finder Peggys skelet i Thüringer Wald, 15 år efter hendes forsvinden.
Ermittlungen endgültig eingestellt
Im Oktober 2020 stellen die deutschen Behörden die Ermittlungen endgültig ein. Niemand wurde juristisch als Täter festgestellt. Der Fall bleibt ein ungeklärter Cold Case.
Jahre ohne Antworten
In den folgenden 15 Jahren blieb Peggys Schicksal ein Rätsel. Die Polizei verfolgte zahlreiche Spuren und befragte Hunderte von Personen, ohne der Lösung näherzukommen. Der Fall wurde zu einem der bekanntesten Vermisstenfälle Deutschlands, und Peggys Eltern kämpften darum, die Öffentlichkeit wachzuhalten.
Über die Jahre wurden mehrere Verdächtige überprüft, darunter Anwohner und Personen mit krimineller Vergangenheit in der Region. Ein ortsansässiger Mann, Manuel S., geriet in den Fokus der Ermittler, doch die Beweislage reichte nicht für eine Anklage aus.
Die Ermittlungen gestalteten sich schwierig, da es keinerlei konkrete Hinweise auf den Verbleib des Mädchens gab. Die Polizei arbeitete mit verschiedenen Theorien, von einer spontanen Entführung bis hin zu einem Verbrechen durch eine bekannte Person.
Der Fund im Wald
Am 2. Juli 2016 machte ein Pilzsammler einen makabren Fund im Thüringer Wald, unweit der Stelle, wo Peggy verschwunden war. Das Skelett eines Kindes wurde in einem Gebiet entdeckt, das zuvor bereits von der Polizei durchsucht worden war. Eine DNA-Analyse bestätigte schnell, dass es sich um Peggy Knobloch handelte.
Der Fundort warf mehr Fragen auf, als er beantwortete. Das Skelett lag relativ oberflächlich, und Rechtsmediziner konnten keine sichere Todesursache feststellen. Besonders mysteriös war, dass das Gebiet 2001 gründlich durchsucht worden war, ohne dass etwas gefunden wurde. Dies deutete darauf hin, dass die Leiche möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt dort abgelegt worden sein könnte.
Die Entdeckung brachte zwar eine traurige Gewissheit für die Familie, aber keine Antworten auf die Frage, was mit Peggy geschehen war und wer dafür verantwortlich war.
Manuel S. und der Prozess
Nach dem Fund von Peggys Skelett intensivierten sich die Ermittlungen gegen Manuel S., der in der Nähe des Fundortes wohnte. Manuel S. war vorbestraft und kannte die Gegend gut. Im Oktober 2017 wurde er verhaftet und wegen Mordes an Peggy Knobloch angeklagt.
Der Prozess gegen Manuel S. begann 2017, doch die Anklage stützte sich hauptsächlich auf Indizien und seine Ortskenntnis. Die Verteidigung argumentierte, dass es keine direkten Beweise gebe, die ihn mit dem Verbrechen in Verbindung brachten. Im Januar 2019 wurde Manuel S. vom Landgericht Bayreuth aus Mangel an Beweisen freigesprochen.
Der Freispruch war umstritten, und viele Einheimische waren mit dem Ausgang unzufrieden. Peggys Familie äußerte ihre Frustration darüber, dass der Fall auch nach mehr als zwei Jahrzehnten noch immer nicht gelöst ist.
Fortlaufende Ermittlungen
Die deutsche Polizei hat den Fall nie geschlossen und ermittelt weiterhin bei neuen Hinweisen. Im Jahr 2020 lobten die Behörden eine Belohnung von bis zu 10.000 Euro für Informationen aus, die zur Aufklärung von Peggys Tod führen könnten.
Die Ermittlungen konzentrieren sich darauf, herauszufinden, wann und wie Peggys Leiche an den Fundort gelangte. Die Theorien reichen davon, dass sie kurz nach ihrem Verschwinden getötet und an einem anderen Ort versteckt wurde, bis hin zu der Möglichkeit, dass sie über einen gewissen Zeitraum gefangen gehalten wurde.
Der Fall hat zu Debatten über polizeiliche Ermittlungsmethoden geführt, insbesondere darüber, wie das Gebiet um den Fundort durchsucht wurde und warum das Skelett erst 15 Jahre später entdeckt wurde.
Die Familie von Peggy Knobloch hofft weiterhin auf Gerechtigkeit und darauf, dass eines Tages die Wahrheit über das Schicksal ihrer Tochter ans Licht kommt. Der Fall bleibt einer der rätselhaftesten und tragischsten Kriminalfälle der deutschen Geschichte.
Medienberichterstattung
Books
- Böse Spiele: 20.000 Akten enthüllen Justizirrtum im Fall Peggy(2026)
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