Fallakte

Attentat auf Martin Luther King Jr. — Mord an einem Bürgerrechtler

Memphis, Tennessee, 1968 — gerichtlich gelöst, historisch umstritten

🇺🇸 Amerikanisch

Veröffentlicht 2. Juni 2026

BEWEIS

Falldetails

Quick Facts

Fallstatus
Aufgeklärt
Ort
Lorraine Motel, Memphis, Tennessee, USA

Der Fall

Das Attentat auf Martin Luther King Jr. zählt zu den folgenreichsten politischen Morden der amerikanischen Geschichte. Am 4. April 1968 wurde der 39-jährige Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger auf dem Balkon des Lorraine Motels in Memphis, Tennessee, durch einen einzelnen Gewehrschuss tödlich verletzt. Der mutmaßliche Täter, der entflohene Sträfling James Earl Ray, wurde nach einer internationalen Fahndung gefasst und bekannte sich 1969 schuldig. Der Fall gilt strafrechtlich als geklärt, doch Verschwörungstheorien und alternative Erklärungsversuche begleiten ihn bis heute.

Das Verbrechen

King hielt sich Anfang April 1968 in Memphis auf, um den Streik der überwiegend afroamerikanischen Müllarbeiter zu unterstützen. Er wohnte im Zimmer 306 des Lorraine Motels in der Mulberry Street 450. Am Abend des 4. April 1968, kurz nach 18:01 Uhr, trat King auf den Balkon vor seinem Zimmer. In diesem Moment löste sich aus dem Badezimmerfenster einer Pension in der South Main Street 422 1/2 ein einzelner Schuss aus einem Remington-Gewehr Modell 760 im Kaliber .30-06.

Die Kugel traf King in die rechte Wange, zerschmetterte den Unterkiefer und blieb in der Schulter stecken. Er wurde umgehend ins St. Joseph's Hospital gebracht, wo er um 19:05 Uhr für tot erklärt wurde. Der Schütze hatte die Pension fluchtartig verlassen und in einem Hauseingang einige Schritte vom Tatort entfernt ein Bündel zurückgelassen, das die Tatwaffe, ein Fernglas, Kleidung und Toilettenartikel enthielt — Beweisstücke, die für die Ermittlungen entscheidend wurden.

Zeitlinie

3. April 1968

King trifft in Memphis ein

Martin Luther King Jr. reist nach Memphis, um streikende Müllarbeiter zu unterstützen, und hält seine Rede 'I've Been to the Mountaintop'.

4. April 1968

King auf dem Lorraine Motel erschossen

Kurz nach 18:01 Uhr wird King von einem einzelnen Gewehrschuss getroffen, während er auf dem Balkon von Zimmer 306 des Lorraine Motels steht.

4. April 1968

King für tot erklärt

King erliegt seinen Verletzungen im St. Joseph's Hospital in Memphis später am selben Abend im Alter von 39 Jahren.

8. Juni 1968

James Earl Ray in London festgenommen

Ray wird am Flughafen Heathrow festgenommen, während er mit einem gefälschten kanadischen Pass reist, nach einer zwei Monate dauernden internationalen Fahndung.

10. März 1969

Schuldeingeständnis und Urteil

Ray bekennt sich in Shelby County, Tennessee, des Mordes ersten Grades schuldig und wird zu 99 Jahren Haft im Staatsgefängnis verurteilt.

13. März 1969

Ray versucht Schuldeingeständnis zurückzuziehen

Nur wenige Tage nach dem Urteil versucht Ray, sein Schuldeingeständnis zurückzuziehen, und beginnt jahrzehntelange Berufungen mit der Behauptung einer umfassenderen Verschwörung.

23. April 1998

Ray stirbt im Gefängnis

James Earl Ray stirbt im Alter von 70 Jahren an Leberversagen, noch immer inhaftiert, ohne jemals den neuen Prozess erhalten zu haben, um den er ersucht hatte.

9. Juni 2000

DOJ beendet Untersuchung zu Verschwörung

Das US-Justizministerium beendet seine Untersuchung der Verschwörungsvorwürfe und findet keine glaubwürdigen Beweise, um Rays Verurteilung aufzuheben.

Die Opfer

Martin Luther King Jr., geboren am 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia, war der prominenteste Anführer der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Als baptistischer Pastor und Mitbegründer der Southern Christian Leadership Conference predigte er gewaltfreien Widerstand gegen die Rassentrennung. 1964 erhielt er den Friedensnobelpreis. Zum Zeitpunkt seines Todes war er 39 Jahre alt und hatte sich neben dem Bürgerrechtskampf zunehmend gegen den Vietnamkrieg und für soziale Gerechtigkeit eingesetzt. Sein Tod löste landesweite Unruhen in mehr als 100 US-Städten aus und beschleunigte die Verabschiedung des Civil Rights Act von 1968.

Ermittlung

Die Ermittlungen führten das FBI unter Direktor J. Edgar Hoover sowie die örtliche Polizei in Memphis. Aus den am Tatort sichergestellten Gegenständen konnten Fingerabdrücke isoliert werden, die nach Abgleich mit der FBI-Datenbank dem entflohenen Sträfling James Earl Ray zugeordnet wurden. Ray, geboren am 10. März 1928, war im April 1967 aus dem Missouri State Penitentiary geflohen und seitdem auf der Flucht.

Es begann eine der größten internationalen Fahndungen der amerikanischen Geschichte. Ray war über Kanada nach Großbritannien und Portugal gereist und nutzte mehrere Aliasnamen sowie einen gefälschten kanadischen Pass. Am 8. Juni 1968 wurde er am Londoner Flughafen Heathrow festgenommen, als er nach Brüssel weiterreisen wollte. Wenig später wurde er an die USA ausgeliefert. Eine spätere Untersuchung des Select Committee on Assassinations des US-Repräsentantenhauses bestätigte die zentralen Ermittlungsergebnisse, deutete aber auf die Möglichkeit einer begrenzten Verschwörung hin.

Prozess und Urteil

Am 10. März 1969 — seinem 41. Geburtstag — bekannte sich James Earl Ray vor dem Strafgericht in Shelby County, Tennessee, des Mordes ersten Grades schuldig. Im Gegenzug für das Schuldbekenntnis verzichtete die Staatsanwaltschaft auf die Forderung der Todesstrafe. Ray wurde zu 99 Jahren Haft im Tennessee State Penitentiary verurteilt.

Bereits drei Tage später versuchte Ray, sein Geständnis zu widerrufen. Er behauptete, ein mysteriöser Mann namens 'Raoul' habe ihn manipuliert und die Tat orchestriert. Seine Anträge auf ein neues Verfahren wurden bis zu seinem Tod am 23. April 1998 sämtlich abgelehnt. Auch Klagen, die durch den Anwalt William F. Pepper im Namen der Familie King angestrengt wurden, führten nicht zu einer Wiederaufnahme des Strafverfahrens. Die Familie King selbst zweifelte später öffentlich an Rays alleiniger Schuld.

Heute

Das US-Justizministerium führte zwischen 1998 und 2000 eine umfassende Untersuchung der Verschwörungsvorwürfe durch und kam zu dem Schluss, dass keine glaubwürdigen Beweise für eine Verschwörung bestanden. Der Fall ist damit strafrechtlich abgeschlossen, bleibt historisch jedoch umstritten. Eine juristische Analyse der Beweislage diskutiert bis heute Schwachstellen des Verfahrens.

Das Lorraine Motel beherbergt heute das National Civil Rights Museum, das den Ort der Tat als Gedenkstätte bewahrt. Die Materialsammlung des Miller Center und Dokumentationen wie CNNs 'Eyewitness to Murder: The Assassination of Martin Luther King Jr.' halten die historische Erinnerung wach. William F. Peppers Buch 'An Act of State' vertritt die These einer staatlich gesteuerten Verschwörung — eine Position, die in der Geschichtswissenschaft kontrovers bleibt.

Medienberichterstattung

TV series

  • MLK: The Conspiracies(2026)
  • MLK: The Assassination Tapes(2026)

Zu diesem Fall fragen

Antworten nur aus der Berichterstattung von KrimiNyt

Diesem Fall folgen

Erhalte eine E-Mail, wenn eine neue Doku, ein Podcast oder ein Buch zu Attentat auf Martin Luther King Jr. — Mord an einem Bürgerrechtler erscheint oder ein Urteil fällt.

Diesen Beitrag teilen: