Fallakte

Belle Gunness: Die Schwarze Witwe aus Norwegen

Norwegische Einwanderin lockte Verehrer in den Tod

🇺🇸 Amerikanisch

Veröffentlicht 6. Juni 2025

A charred barn on Belle Gunness's Indiana farm, surrounded by investigators examining remains, with scattered personal belongings, old trunks, and a mysterious scorched hat, suggesting a possible escape or sinister event.
BEWEIS

Fakten

TäterBelle Gunness, born Brynhild Paulsdatter Størseth
OpferIncluding Andrew Helgelien and Ole Budsberg (identified victims); at least 14 victims in total
TatortChicago, Illinois and La Porte, Indiana, USA
Tatzeitpunkt1884–1908
DeliktSerial murder, insurance fraud and acquisitive crime

Die norwegische Immigrantin wird zur Mörderin

Brynhild Paulsdatter Storseth wurde am 11. November 1859 in Innbygda bei Selbu in Norwegen geboren. Unter dem Namen Belle Gunness sollte sie zu einer der schockierendsten Serienmörderinnen in der amerikanischen Kriminalgeschichte werden – nicht zuletzt, weil ihre wahre Identität und ihr Schicksal bis heute ungeklärt sind.

Als junge Frau wanderte Brynhild in die USA aus und ließ sich zunächst in Illinois nieder. Dort heiratete sie Mads Albert Sorenson, mit dem sie mehrere Kinder hatte. Doch die Ehe sollte tragisch enden: 1900 starb Sorenson unter mysteriösen Umständen – offiziell an einem Herzinfarkt, doch Gerüchte über eine Vergiftung hielten sich hartnäckig.

Das tödliche System: Kontaktanzeigen als Falle

Nach dem Tod ihres ersten Mannes heiratete Belle 1902 den norwegischen Einwanderer Peter Gunness und zog mit ihm auf eine Farm in La Porte, Indiana. Auch diese Ehe währte nicht lange: Peter starb bereits 1903, angeblich durch einen Unfall, als ihm ein schwerer Gegenstand auf den Kopf fiel. Belle kassierte die Lebensversicherung.

Zeitlinie

1. Januar 1884

Immigration in die USA

Brynhild wandert nach Amerika aus und lässt sich in Illinois nieder.

28. April 1908

Brand des Farmhauses

Das Farmhaus in La Porte brennt vollständig nieder. Vier Leichen werden in den Trümmern gefunden.

26. November 1908

Ray Lamphere wegen Brandstiftung in La Porte County verurteilt

Am 26. November 1908 wird der Handlanger Ray Lamphere vom Gericht in La Porte County, Indiana, der Brandstiftung für schuldig befunden. Belle Gunness selbst wurde nie vor Gericht gestellt.

Danach entwickelte Belle Gunness ein perfides System: Sie schaltete Kontaktanzeigen in norwegisch-amerikanischen Zeitungen und lockte alleinstehende, wohlhabende Männer auf ihre Farm. Die Anzeigen versprachen Heirat und ein gemeinsames Leben – doch die Männer wurden nie wieder gesehen.

Die Opfer mussten oft beweisen, dass sie über ausreichend Vermögen verfügten, bevor sie Belle besuchen durften. Sobald sie auf der abgelegenen Farm ankamen, tötete sie die Männer, raubte ihr Geld und vergrub die Leichen auf ihrem Grundstück. Zu den bestätigten Opfern zählen John Moe, Henry Gurholt, Olaf Svenherud, Ole B. Budsberg, Olaf Lindbloom und Andrew Hegelein.

Auch die eigene Familie war nicht sicher

Belle Gunness machte selbst vor ihrer eigenen Familie nicht Halt. Neben ihren beiden Ehemännern tötete sie vermutlich auch ihre Adoptivtochter Jennie Olsen, die 1906 spurlos verschwand. Belle behauptete, das Mädchen sei auf eine Schule in Kalifornien geschickt worden – doch Jennies Leiche wurde später auf dem Farmgelände gefunden.

Die genauen Mordmethoden sind nicht vollständig dokumentiert, doch Ermittler gehen davon aus, dass Belle ihre Opfer vergiftete, erschlug oder mit Chloroform betäubte, bevor sie sie tötete und zerstückelte. Das Motiv war stets finanzieller Natur: Belle war besessen davon, Geld anzuhäufen.

Der Brand und die grausame Entdeckung

In der Nacht zum 28. April 1908 brannte Belles Farmhaus in La Porte vollständig nieder. In den Trümmern fanden Ermittler die Leichen von Belles drei Kindern – und den kopflosen Körper einer erwachsenen Frau, der zunächst als Belle Gunness identifiziert wurde.

Doch bei der weiteren Durchsuchung des Grundstücks machten die Behörden eine grauenhafte Entdeckung: Auf dem Farmgelände wurden die Überreste von mindestens elf weiteren Personen gefunden, viele davon zerstückelt und in Gruben verscharrt. Die Opfer waren größtenteils Männer, die auf Belles Kontaktanzeigen geantwortet hatten.

Insgesamt werden Belle Gunness mindestens 14 Morde zur Last gelegt, einige Quellen sprechen sogar von bis zu 40 Opfern. Die genaue Zahl wird wohl nie geklärt werden.

Ray Lamphere und das größte Rätsel

Ray Lamphere, ein Handlanger und ehemaliger Liebhaber von Belle, wurde am 22. Mai 1908 festgenommen. Er gestand, beim Vergraben von Leichen geholfen und einige Opfer mit Chloroform betäubt zu haben. Doch er machte eine entscheidende Aussage: Das im Feuer gefundene kopflose Frauenleichnam sei nicht Belle Gunness.

Lamphere behauptete, Belle habe ihren eigenen Tod inszeniert. Tatsächlich war der gefundene Körper deutlich kleiner und leichter als Belle, die für ihre kräftige Statur bekannt war. Der fehlende Kopf machte eine eindeutige Identifizierung unmöglich. Lamphere wurde wegen Brandstiftung verurteilt, starb aber 1909 in Haft, bevor er weitere Details preisgeben konnte.

Starb Belle wirklich – oder entkam sie?

Die Frage nach Belles Schicksal beschäftigt Kriminalhistoriker bis heute. Zahlreiche angebliche Sichtungen wurden in den Jahren nach dem Brand gemeldet – von Chicago über Kalifornien bis nach Mississippi. Doch keine konnte je bestätigt werden.

Einige Theorien besagen, Belle habe eine Unbekannte getötet, deren Leiche sie im Haus platzierte, bevor sie das Feuer legen ließ und mit ihrem geraubten Vermögen verschwand. Andere glauben, sie sei tatsächlich im Brand umgekommen, möglicherweise durch Lamphere, der aus Rache oder Angst vor Entdeckung handelte.

Ein Vermächtnis des Schreckens

Belle Gunness wurde nie lebend gefasst oder zweifelsfrei tot aufgefunden. Ihr Fall bleibt eines der größten ungelösten Mysterien der amerikanischen Kriminalgeschichte. Die "Schwarze Witwe von La Porte" oder "Schlächterbraut", wie sie genannt wurde, steht bis heute als Symbol für die dunkle Seite des amerikanischen Traums.

Ihr Fall zeigt, wie eine Einwanderin das Versprechen eines neuen Lebens in Amerika nutzte, um systematisch Menschen auszubeuten und zu ermorden. Die Tatsache, dass sie möglicherweise entkam und nie zur Rechenschaft gezogen wurde, macht die Geschichte noch beunruhigender.

Bis heute pilgern True-Crime-Interessierte nach La Porte, wo das La Porte County Historical Society Museum eine Ausstellung über Belle Gunness zeigt. Die Farm selbst existiert nicht mehr, doch die Erinnerung an die Gräueltaten, die dort geschahen, lebt weiter.

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