Bioterror in Oregon: Sheelas Gift in den Salatbars
Der größte Bioterror-Anschlag in der US-Geschichte
Veröffentlicht 6. Juni 2025

Im September 1984 wurde die Kleinstadt The Dalles in Oregon zum Schauplatz eines Anschlags, der das Verständnis amerikanischer Sicherheitsbehörden von Bioterrorismus fundamental verändern sollte. Ma Anand Sheela, Sekretärin und Sprecherin des indischen Gurus Osho Rajneesh, orchestrierte die koordinierte Kontaminierung von Salatbars in zehn Restaurants der Stadt.
Sheela wählte das Bakterium Salmonella enterica Typhimurium als Waffe. Die Erreger wurden systematisch in die Salatbuffets eingebracht. Das Ergebnis war verheerend: 751 Menschen infizierten sich mit Salmonellose, 45 mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Glücklicherweise starb niemand an den Folgen.
Der Anschlag war weder zufällig noch spontan. Er diente einem klaren Ziel: die Kommunalwahl im Wasco County 1984 zu beeinflussen. Sheelas Plan war es, die Wähler in The Dalles durch Krankheit von den Urnen fernzuhalten. Indem sie wahlberechtigte Bürger ans Krankenbett fesselte, hoffte sie, Kandidaten der Rajneesh-Bewegung Vorteile zu verschaffen.
Zeitlinie
Kontamination beginnt in The Dalles
Ab dem 29. August 1984 beginnen Mitglieder der Rajneeshee-Bewegung, Salatbars in Restaurants in The Dalles mit Salmonella Typhimurium zu kontaminieren.
Kontaminationsperiode endet
Am 10. Oktober 1984 enden die dokumentierten Kontaminationen. Zu diesem Zeitpunkt sind insgesamt 751 Personen erkrankt, 45 wurden ins Krankenhaus eingeliefert.
Sheela vor Bundesgericht in den USA angeklagt
Im März 1986 werden Bundesanklagen gegen Ma Anand Sheela erhoben, unter anderem wegen vorsätzlicher Vergiftung sowie weiterer im Zusammenhang mit dem Angriff begangener Straftaten.
Sheela und Puja bekennen sich schuldig
Im April 1986 legen Ma Anand Sheela und Ma Anand Puja beide ein Schuldbekenntnis ab. Der Fall wird durch Geständnis ohne vollständige Gerichtsverhandlung entschieden.
Der Kult hinter dem Anschlag
Ma Anand Sheela hatte seit 1981 die Leitung von Rajneeshpuram inne, dem großen Ashram (spirituelle Gemeinschaft), das Osho Rajneesh in Oregon etabliert hatte. Als Managerin des Ashrams übte Sheela erheblichen Einfluss auf die rund 6.000 Anhänger der Bewegung aus. Sie war weit mehr als nur Administratorin – sie fungierte als Sprecherin der Bewegung und präsentierte sich als äußerst präsente öffentliche Figur.
Die Rajneeshpuram-Gemeinschaft war seit ihrer Gründung kontrovers. Die Nachbarn in Oregon standen der großen Konzentration ausländischer Kultmitglieder skeptisch gegenüber, und es kam wiederholt zu Spannungen zwischen Einheimischen und Anhängern des Gurus.
Sheelas Bioterror-Plan muss im Kontext dieser eskalierenden lokalen Konflikte verstanden werden. Durch die Beeinflussung der Wahl wollte sie politische Macht für Rajneeshee-Kandidaten sichern, die die Interessen des Kults in der Region schützen konnten.
Flucht und Geständnis
Der Plan blieb nicht lange verborgen. Im September 1985 – ein ganzes Jahr nach dem Anschlag – lieferte Osho Rajneesh selbst Informationen an die Behörden. Dies führte dazu, dass Sheela aus Rajneeshpuram floh und in Europa Zuflucht suchte.
Der Strafverfolgung konnte sie nicht entgehen. 1986 stand Sheela vor Gericht und gestand ihre Schuld. Sie wurde des versuchten Mordes und der Körperverletzung für schuldig befunden. Die Quellen zur genauen Strafzumessung sind widersprüchlich: Einige sprechen von viereinhalb Jahren, andere von 20 Jahren Haft. Die tatsächlich verbüßte Haftzeit bleibt unklar.
Historische Bedeutung
Es war kein Zufall, dass dieser Anschlag die amerikanische Öffentlichkeit aufschreckte. Der Rajneeshee-Angriff wurde als erster – und größter – bioterroristischer Anschlag in der Geschichte der Vereinigten Staaten registriert. Nie zuvor hatte jemand versucht, biologische Kampfstoffe in diesem Ausmaß als Waffe gegen die Zivilbevölkerung in den USA einzusetzen.
Der Anschlag hatte Auswirkungen weit über Oregon hinaus. Er zwang die amerikanischen Behörden, neue Bedrohungsszenarien zu durchdenken, und rückte Biosicherheit sowie den Umgang mit epidemiologischen Krisen auf völlig neue Weise in den Fokus.
Sheelas Name wurde zum Symbol dafür, was schiefgehen kann, wenn spirituelle Ideologie sich mit Macht, Isolation und Fanatismus vermischt. Der Fall illustriert eindrücklich, wie selbst kleine Kultgemeinschaften erhebliche Bedrohungen für die öffentliche Sicherheit darstellen können.
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