Arzt wegen 15 Patientenmorden angeklagt — Berlin
Ein 40-jähriger Palliativmediziner soll zwischen 2021 und 2024 mindestens 15 Patienten systematisch getötet haben. Abhörprotokolle brachten ihn zu Fall.
Veröffentlicht 7. Mai 2026

Ein 40-jähriger Berliner Palliativmediziner steht seit Juli 2025 vor dem Landgericht Berlin. Dr. Johannes M. ist angeklagt, zwischen September 2021 und Juli 2024 mindestens 15 Patienten vorsätzlich getötet zu haben — Menschen, die ihm ihr Leben anvertraut hatten.
Tödliche Injektionen statt Fürsorge
Laut Anklage soll Dr. M. seinen Patienten ohne deren Wissen oder Einwilligung zunächst ein Narkosemittel und anschließend ein Muskelrelaxans injiziert haben. Die Folge war jeweils ein tödlicher Atemstillstand. Die Opfer waren schwerkranke Menschen in palliativer Betreuung — vollständig auf seine Hilfe angewiesen.
In mindestens fünf Fällen soll der Arzt nach der Tat in den Wohnungen der Opfer Feuer gelegt haben, um Spuren zu verwischen und die Todesursache zu verschleiern.
Zeitlinie
Erster mutmaßlicher Mord begangen
Am 22. September 2021 findet laut Anklageschrift der erste der 15 mutmaßlichen Morde statt. Johannes M. arbeitet zu diesem Zeitpunkt für Berliner Pflegedienste.
Letzter mutmaßlicher Mord begangen
Am 24. Juli 2024 findet laut Anklageschrift der letzte der 15 mutmaßlichen Morde statt – und beendet damit den von der Anklage erfassten Tatzeitraum.
Johannes M. wird festgenommen und in Untersuchungshaft genommen
Am 6. August 2024 wird Johannes M. in Berlin festgenommen. Er wird noch am selben Tag in Untersuchungshaft genommen und sitzt seither ein.
Staatsanwaltschaft Berlin erhebt Anklage wegen 15 Morden
Die Berliner Staatsanwaltschaft erhebt formell Anklage gegen Johannes M. wegen Mordes an 15 Patienten, begangen im Zeitraum von September 2021 bis Juli 2024.
Prozess beginnt vor dem Landgericht Berlin I
Der Fall kommt vor das Landgericht Berlin I. TV 2 Nyhederne berichtet am selben Tag, dass Ermittler die tatsächliche Opferzahl vermutlich für weit höher als 15 halten.
Urteil verkündet – lebenslange Haft laut einer Quelle
Laut avisendanmark.dk wird Johannes M. zu lebenslanger Haft für den Mord an den 15 Patienten verurteilt. Der vollständige endgültige Urteilsstatus wird nicht eindeutig von allen verfügbaren Quellen bestätigt.
Insgesamt wurden 395 Todesfälle aus seinem Betreuungsbereich überprüft. 71 davon gelten als verdächtig und werden weiter untersucht. Patientenmord
Abhörgespräche brachten ihn zu Fall
Den entscheidenden Durchbruch lieferten abgehörte Telefongespräche. Laut Prozessunterlagen soll Dr. M. in privaten Gesprächen offen über seine Taten gesprochen haben — ohne erkennbare Reue oder Zweifel. Kollegen beschrieben ihn als engagiert, beliebt und selbstzufrieden. Niemand in seinem Arbeitsumfeld schöpfte offenbar Verdacht.
Die Ermittler standen vor einer schwierigen Aufgabe: Bei Palliativpatienten, die sich ohnehin in lebensbedrohlichem Zustand befanden, ist die Grenze zwischen natürlichem Tod und Mord forensisch kaum zu ziehen. Durch toxikologische Untersuchungen und die Analyse des Medikamenteneinsatzes gelang es dennoch, Beweise für die tödlichen Injektionen zu sichern. Serienmord
Mordlust als Motiv — kein Mitgefühl
Die Staatsanwaltschaft geht von Mordlust als Motiv aus. Anders als in Fällen aktiver Sterbehilfe oder vermeintlicher Gnadentötungen gibt es keinen Hinweis darauf, dass Dr. M. das Leiden seiner Patienten lindern wollte. Das systematische Vorgehen, die Spurenbeseitigung durch Brandstiftung und die emotionale Kälte, die aus den Abhörgesprächen spricht, deuten auf einen Täter hin, der aus reinem Tötungsdrang handelte.
Unweigerlich drängt sich der Vergleich mit dem Fall des Krankenpflegers Niels Högel auf, der mehr als 85 Patienten tötete. Högel versetzte seine Opfer in kritische Zustände, um sie anschließend vor Kollegen reanimieren zu können. Bei Dr. M. fehlt diese Selbstinszenierung — sein Vorgehen wirkt direkter und brutaler. Niels Högel
Neunmonatiger Prozess vor dem Landgericht Berlin
Der Prozess läuft seit Juli 2025. Die Hauptverhandlung ist auf neun Monate angesetzt — ein ungewöhnlich langer Zeitraum, der die Komplexität des Falls unterstreicht. Dutzende Zeugen, rechtsmedizinische Gutachter und Angehörige der Opfer werden gehört. Die Verteidigung hat ihre Strategie bislang nicht öffentlich dargelegt.
Das mediale Interesse ist enorm, der Fall wird auch international verfolgt. Bei einem Schuldspruch in allen Anklagepunkten droht Dr. M. lebenslange Freiheitsstrafe mit Feststellung besonderer Schwere der Schuld.
Der Fall wirft grundlegende Fragen auf: Wie konnte ein Arzt jahrelang töten, ohne entdeckt zu werden? Welche Kontrollmechanismen haben versagt? Und wie lässt sich das Vertrauen in das Gesundheitssystem wiederherstellen?
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