Kevin Spacey: Zivilrechtlicher Freispruch in New York
Geschworenenjury spricht Schauspieler in allen Anklagepunkten frei
Veröffentlicht 3. Juni 2026

Falldetails
Quick Facts
Klassifizierung:
Fakten
Kevin Spacey wurde im Oktober 2022 von einer Bundesgeschworenenjury in New York in einem Zivilprozess in allen Anklagepunkten für nicht haftbar befunden. Schauspieler Anthony Rapp hatte ihn wegen eines angeblichen sexuellen Übergriffs verklagt, der sich 1986 ereignet haben soll — als Rapp 14 Jahre alt war.
Der Fall im Überblick
Die Zivilklage wurde am 9. September 2020 beim Bundesgericht in New York eingereicht. Grundlage war der sogenannte Child Victims Act des Bundesstaates New York, ein 2019 verabschiedetes Gesetz, das Opfern sexuellen Kindesmissbrauchs ein zeitlich begrenztes Fenster einräumte, um Zivilklagen einzureichen — auch wenn die reguläre Verjährungsfrist bereits abgelaufen war.
Rapp erhob drei Vorwürfe gegen Spacey: sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung und vorsätzliche Zufügung emotionalen Leids. Er forderte Schadensersatz.
Zeitlinie
Angeblicher Vorfall auf einer Party in New York
Anthony Rapp behauptet, Kevin Spacey habe auf einer Party in New York City sexuelle Annäherungsversuche an ihn gemacht, als Rapp 14 Jahre alt war. Spacey soll zum Zeitpunkt des Vorfalls alkoholisiert gewesen sein.
Rapp macht die Vorwürfe öffentlich
Schauspieler Anthony Rapp tritt öffentlich mit seinen Vorwürfen gegen Kevin Spacey hervor und gibt ein Medieninterview, das breite Aufmerksamkeit erregt und weitere Anschuldigungen anderer Personen auslöst.
Zivilklage eingereicht
Anthony Rapp reicht eine Zivilklage gegen Kevin Spacey beim Bundesgericht in New York ein — gestützt auf den Child Victims Act des Bundesstaates New York. Er fordert Schadensersatz wegen sexuellen Übergriffs, Körperverletzung und emotionalen Leids.
Geschworenenjury spricht Spacey frei
Eine Bundesgeschworenenjury in New York befindet Kevin Spacey in allen Anklagepunkten für nicht haftbar — darunter sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung und vorsätzliche Zufügung emotionalen Leids.
Gericht verhängt Prozesskostenerstattung
Nach dem Urteil verpflichtet das Gericht Anthony Rapp zur Zahlung von 39.089 US-Dollar an Prozesskosten an Kevin Spacey als Folge des verlorenen Zivilprozesses.
Der angebliche Vorfall
Laut Rapps Schilderung ereignete sich der behauptete Vorfall 1986 in Spaceys Wohnung in New York City. Beide arbeiteten zu dieser Zeit an Broadway-Produktionen. Rapp zufolge wurde er zu einer Party in Spaceys Apartment eingeladen. Als die übrigen Gäste gegangen waren, soll Spacey alkoholisiert gewesen sein und unerwünschte sexuelle Annäherungsversuche an den damals 14-Jährigen gemacht haben. Rapp beschrieb, dass Spacey ihn aufgehoben und auf ein Bett gelegt habe. Er habe die Situation verlassen und die Wohnung verlassen.
Spacey bestritt die Vorwürfe durchgehend. Er erklärte, er könne sich an den Vorfall nicht erinnern, räumte aber ein, dass es — sollte er stattgefunden haben — „zutiefst unangemessenes, alkoholisiertes Verhalten“ gewesen wäre. Einen sexuellen Übergriff bestritt er.
Anthony Rapp
Anthony Dean Rapp, geboren am 26. Oktober 1971, ist ein amerikanischer Schauspieler und Sänger, bekannt unter anderem durch die Broadway-Produktion „Rent“ und die Fernsehserie „Star Trek: Discovery“. Im Oktober 2017 wandte er sich mit seinen Vorwürfen in einem Interview öffentlich an die Presse — mehr als 30 Jahre nach dem angeblichen Vorfall. Er war einer der Ersten, die Spacey öffentlich beschuldigten, und löste damit eine Welle weiterer Anschuldigungen aus. Rapp erklärte, er habe sich durch die MeToo-Bewegung ermutigt gefühlt, seine Geschichte zu teilen, und hoffe, damit anderen Betroffenen Mut zu machen.
Keine strafrechtlichen Ermittlungen in den USA
Da der angebliche Vorfall 1986 stattgefunden haben soll, aber erst 2017 publik wurde, gab es in den USA keine strafrechtlichen Ermittlungen. Physische Beweise existierten aufgrund des langen Zeitabstands nicht mehr. Im Zivilverfahren gilt eine niedrigere Beweislast als im Strafrecht: Ausreichend ist der Nachweis auf Basis der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, nicht der Nachweis ohne vernünftigen Zweifel.
Prozess und Urteil
Der Prozess fand im Oktober 2022 vor dem Bundesgericht in New York statt. Beide Parteien sagten aus. Rapps Anwälte argumentierten, Spacey habe seine Position als älterer, etablierter Schauspieler ausgenutzt. Spaceys Verteidigung hielt dagegen, der Vorfall habe sich nicht so zugetragen wie beschrieben, und zweifelte an der Zuverlässigkeit von Rapps Erinnerung nach mehr als 35 Jahren.
Am 20. Oktober 2022 sprach die Jury Kevin Spacey in allen drei Anklagepunkten frei. Er muss keinen Schadensersatz zahlen. Im Anschluss verpflichtete das Gericht Anthony Rapp zur Übernahme von 39.089 US-Dollar an Prozesskosten — in den USA übliche Praxis, wenn der Kläger den Prozess verliert.
Weitere rechtliche Verfahren und Karrierefolgen
Der Zivilprozess in New York ist nicht das einzige Verfahren, mit dem Spacey konfrontiert war. 2023 wurde er auch in einem britisches Strafverfahren Kevin Spacey freigesprochen, in dem er wegen neun Anklagepunkten des sexuellen Übergriffs gegen vier Männer im Zeitraum 2001 bis 2013 angeklagt worden war.
Trotz beider Freisprüche hatte die öffentliche Debatte erhebliche Folgen für Spaceys Karriere. Er wurde aus der Netflix-Serie „House of Cards“ entfernt, und seine Rolle im Film „All the Money in the World“ wurde neu besetzt und nachgedreht. Spacey bemüht sich seither um einen beruflichen Neustart, stößt in Hollywood aber auf erheblichen Widerstand.
Anthony Rapp setzt seine Schauspielkarriere fort und setzt sich öffentlich für Betroffene sexuellen Missbrauchs ein. Er erklärte, seine Entscheidung, an die Öffentlichkeit zu gehen, sei nicht allein auf rechtliche Genugtuung ausgerichtet gewesen, sondern darum gegangen, seine Wahrheit auszusprechen und möglicherweise anderen Betroffenen zu helfen.
Der Fall gilt als viel diskutiertes Beispiel für die juristischen und ethischen Fragen rund um historische Missbrauchsvorwürfe, die Beweislast in Zivil- gegenüber Strafverfahren und die langfristigen Auswirkungen der MeToo-Bewegung Hollywood.
Medienberichterstattung
TV series
- Spacey Unmasked(2026)
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