Oklahoma City 1995: Der tödlichste Terroranschlag in der US-Geschichte
Timothy McVeigh tötete 168 Menschen
Veröffentlicht 6. Juni 2025

Fakten
# Oklahoma City 1995: Der tödlichste Terroranschlag in der US-Geschichte
Am Morgen des 19. April 1995 verwandelte **Timothy James McVeigh** das Zentrum von **Oklahoma City** in eine Trümmerlandschaft: Mit einer Autobombe vor dem **Alfred P. Murrah Federal Building** tötete der damals 27-jährige Ex-Soldat 168 Menschen, darunter 19 Kleinkinder, und verletzte 684 weitere – der bis heute schwerste Fall von Inlandsterrorismus in den Vereinigten Staaten.
Der Anschlag, den McVeigh gemeinsam mit seinem Komplizen **Terry Nichols** ausführte, richtete sich gegen das neunstöckige Bundesgebäude während der morgendlichen Geschäftszeiten. Im zweiten Stock des Gebäudes befand sich eine Kindertagesstätte für die Kinder von Bundesangestellten.
Zeitlinie
Bombe explodiert vor dem Murrah Federal Building
Gegen 9:02 Uhr am 19. April 1995 detoniert eine ANFO-Bombe in einem gemieteten Ryder-Lastwagen. 168 Menschen werden getötet, darunter 19 Kinder. Hunderte werden verletzt.
McVeigh nördlich von Oklahoma City festgenommen
Etwa 90 Minuten nach der Explosion wird Timothy McVeigh von einem Polizeibeamten wegen eines Verkehrsdelikts angehalten und bewaffnet festgenommen. Seine Identität wird kurz darauf mit dem Anschlag in Verbindung gebracht.
McVeigh zum Tode verurteilt
Timothy James McVeigh wird vor einem Bundesgericht für schuldig befunden und zum Tode verurteilt für seine Verantwortung für den Bombenanschlag vom 19. April 1995.
McVeigh hingerichtet
Am 11. Juni 2001 wird Timothy James McVeigh von den Bundesbehörden der USA hingerichtet – die erste Bundeshinrichtung des Landes seit fast vier Jahrzehnten.
Nichols zu lebenslanger Haft verurteilt
Terry Lynn Nichols, McVeighs Mittäter, wird vor einem Bundesgericht verurteilt und erhält lebenslange Haft für seine Rolle bei der Planung und Ausführung des Anschlags.
Was geschah
Um exakt 9:02 Uhr detonierte vor dem Alfred P. Murrah Federal Building ein gemieteter Ryder-Lkw, beladen mit etwa 2.200 Kilogramm Sprengstoff. Die Wucht der Explosion war so gewaltig, dass sie mehr als 300 Gebäude in einem Umkreis von 16 Häuserblocks beschädigte oder zerstörte.
In dem Bundesgebäude waren zahlreiche Behörden untergebracht, darunter die Sozialversicherungsbehörde, die Drogenfahndung DEA und das Bureau of Alcohol, Tobacco and Firearms (ATF). Die Kindertagesstätte "America's Kids" im zweiten Stock betreute zum Zeitpunkt der Explosion die Kinder von Bundesbediensteten.
Von den 168 Todesopfern waren 19 Kinder unter sechs Jahren. 684 weitere Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen durch herabstürzende Trümmer, Glassplitter und den teilweisen Einsturz des Gebäudes. Die Explosion hinterließ einen über neun Meter breiten und zweieinhalb Meter tiefen Krater an der Stelle, wo der Lastwagen geparkt hatte.
Rettungskräfte und Freiwillige arbeiteten wochenlang rund um die Uhr und durchsuchten die Trümmer nach Überlebenden und bargen Leichen. Der letzte Überlebende wurde 15 Stunden nach der Explosion aus den Trümmern gezogen.
Ermittlung
Die Strafverfolgungsbehörden leiteten unmittelbar nach dem Anschlag eine der größten Ermittlungen der amerikanischen Kriminalgeschichte ein. Bereits 90 Minuten nach der Explosion stoppte ein Beamter der Oklahoma Highway Patrol Timothy McVeigh etwa 100 Kilometer nördlich von Oklahoma City – wegen fehlender Nummernschilder. Der Polizist verhaftete McVeigh, weil dieser eine verdeckte Waffe bei sich trug.
McVeigh befand sich noch wegen dieser unabhängigen Vergehen in Haft, als die Ermittler ihn über die Fahrzeugidentifikationsnummer des Lkw, die die Explosion überstanden hatte, mit dem Bombenanschlag in Verbindung brachten. Er wurde nur Minuten vor seiner geplanten Haftentlassung formell als Tatverdächtiger identifiziert.
Die Ermittler fanden schnell heraus, dass McVeigh die Bombe als Vergeltung für das Vorgehen der Bundesbehörden in **Waco, Texas** gezündet hatte, wo genau zwei Jahre zuvor – am 19. April 1993 – 76 Mitglieder der Davidianer-Sekte bei einem Polizeieinsatz ums Leben gekommen waren. McVeigh, ein überzeugter Regierungsgegner, sah sich als Rächer dieser Toten.
Terry Nichols wurde kurz nach McVeigh festgenommen. Die Ermittlungen ergaben, dass beide Männer sich bereits 1988 bei der US-Armee kennengelernt hatten und gemeinsam die Bombe aus Kunstdünger und Dieselkraftstoff gebaut hatten.
Gerichtsverfahren
Timothy McVeigh wurde im Juni 1997 in elf Anklagepunkten schuldig gesprochen, darunter Mord an Bundesbediensteten und der Einsatz einer Massenvernichtungswaffe. Die Geschworenen empfahlen die Todesstrafe.
McVeigh zeigte während des gesamten Prozesses keine Reue. In Interviews rechtfertigte er den Tod der Kinder als "Kollateralschaden" – eine Wortwahl, die ihm selbst bei seinen Verteidigern Abscheu einbrachte. Er verglich sein Vorgehen mit militärischen Operationen der US-Regierung.
Terry Nichols wurde wegen Beihilfe zum Mord verurteilt, jedoch nicht zum Tode. Er erhielt eine lebenslange Haftstrafe ohne Möglichkeit auf Bewährung.
Am 11. Juni 2001 wurde Timothy McVeigh durch eine Giftinjektion im Bundesgefängnis Terre Haute, Indiana, hingerichtet – die erste Hinrichtung auf Bundesebene seit 1963. Seine letzten Worte waren ein handgeschriebenes Gedicht: "Invictus" von William Ernest Henley.
Medienberichterstattung
Der Anschlag von Oklahoma City schockierte weltweit und wurde auch in Europa intensiv verfolgt. Deutsche Medien berichteten ausführlich über den Fall, der das bis dahin vorherrschende Bild von Terrorismus grundlegend veränderte: Erstmals wurde einer breiten Öffentlichkeit bewusst, dass solche Anschläge nicht nur von ausländischen Organisationen, sondern auch von heimischen Extremisten verübt werden können.
Der Fall warf auch in Deutschland Fragen zur Sicherheit von Regierungsgebäuden auf. In der Folge wurden die Sicherheitsmaßnahmen vor Bundesbehörden in der gesamten westlichen Welt verschärft.
Mehrere Dokumentationen und Spielfilme verarbeiteten den Anschlag, darunter der dokumentarische Film "Oklahoma City" (2017), der die Vorgeschichte und rechtsextremistischen Verbindungen McVeighs aufdeckte.
Terry Nichols verbüßt seine Strafe weiterhin im ADX Florence, einem Hochsicherheitsgefängnis in Colorado, wo auch andere verurteilte Terroristen inhaftiert sind.
Medienberichterstattung
TV series
- Oklahoma City Bombing: One Day in America(2026)
- Oklahoma City Bombing: American Terror Netflix Documentary(2026)
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