Stephen Port – Der Grindr-Killer von Barking
Serienmorde in Barking, London, 2014–2015 – aufgeklärt
Veröffentlicht 9. Juni 2026

Falldetails
Quick Facts
Klassifizierung:
Der Fall
Die Stephen-Port-Morde sind eine Serie von vier Tötungsdelikten, die zwischen Juni 2014 und September 2015 in Barking, Ost-London, verübt wurden. Der Täter Stephen John Port, ein 41-jähriger gelernter Koch, nutzte Dating-Apps wie Grindr, um junge Männer in seine Einzimmerwohnung zu locken, wo er sie mit der Droge GHB betäubte, sexuell missbrauchte und in vier Fällen tötete. Die Opfer – Anthony Walgate, Gabriel Kovari, Daniel Whitworth und Jack Taylor – wurden alle in unmittelbarer Nähe zu Ports Wohnung aufgefunden. Der Fall erregte nicht nur wegen der Brutalität der Taten landesweite Aufmerksamkeit, sondern auch wegen erheblicher Ermittlungsfehler der Metropolitan Police, die frühe Verbindungen zwischen den Todesfällen übersehen hatte.
Stephen Port wurde am 23. November 2016 am Old Bailey, dem Central Criminal Court in London, der vierfachen Mordes schuldig gesprochen. Darüber hinaus wurde er wegen zahlreicher Vergewaltigungen, sexueller Übergriffe und der Verabreichung von Substanzen mit Tötungsabsicht verurteilt. Das Gericht verhängte eine lebenslange Haftstrafe ohne Möglichkeit auf Bewährung – ein sogenannter "whole life order", der nur bei den schwersten Verbrechen im Vereinigten Königreich ausgesprochen wird.
Das Verbrechen
Stephen Port stammte aus Dagenham und hatte nach einem Abbruch seines Kunststudiums eine Ausbildung zum Koch absolviert. Er lebte zurückgezogen in einer kleinen Wohnung in Barking und nutzte verschiedene Online-Plattformen und Dating-Apps, um Kontakt zu jungen Männern herzustellen. Dabei gab er sich häufig mit falschen Identitäten aus – er behauptete etwa, in Oxford studiert zu haben oder bei der Royal Navy gedient zu haben, obwohl beides nicht stimmte.
Zeitlinie
Erster Mord — Anthony Walgate
Stephen Port tötet den 23-jährigen Anthony Walgate in seiner Wohnung in Barking, nachdem er ihn mit GHB betäubt hat. Port ruft später die Polizei und behauptet, eine Leiche vor seinem Gebäude gefunden zu haben.
Zweiter Mord — Gabriel Kovari
Der 22-jährige Gabriel Kovari wird tot in der Nähe von Ports Wohnung in Barking gefunden. Die Polizei behandelt den Todesfall zunächst trotz Ähnlichkeiten mit Walgates Tod als nicht verdächtig.
Dritter Mord — Daniel Whitworth
Der 21-jährige Daniel Whitworth wird tot auf demselben Friedhof gefunden, auf dem Kovari gefunden wurde. Ein von Port platzierter gefälschter Abschiedsbrief versucht, Whitworth für Kovaris Tod verantwortlich zu machen.
Vierter Mord — Jack Taylor
Der 25-jährige Jack Taylor wird Ports letztes Opfer. Seine Leiche wird in der Nähe der Ruinen von Barking Abbey gefunden, unweit von Ports Wohnung.
Stephen Port festgenommen
Port wird festgenommen, verdächtigt, alle vier Todesfälle durch die Verabreichung von Drogen verursacht zu haben. Überwachungskameras zeigen ihn kurz vor dessen Tod zusammen mit Jack Taylor.
Schuldsprüche am Old Bailey
Stephen Port wird am Central Criminal Court in London wegen vier Morden, mehrerer Vergewaltigungen, sexueller Übergriffe und Vergiftung verurteilt.
Lebenslange Haftstrafe ohne Bewährung
Port erhält eine lebenslange Haftstrafe ohne Aussicht auf vorzeitige Entlassung. Der Richter bezeichnet seine Verbrechen als böse und monströs.
Port verwendete die Substanz Gamma-Hydroxybutyrat (GHB), auch bekannt als "Liquid Ecstasy", sowie deren chemische Vorstufe Gamma-Butyrolacton (GBL), um seine Opfer wehrlos zu machen. Diese Substanzen werden in der Clubszene manchmal als Partydroge konsumiert, können in höheren Dosen jedoch Bewusstlosigkeit, Atemstillstand und Tod verursachen. Port mischte die Drogen in Getränke, die er seinen Opfern anbot. Nachdem diese bewusstlos waren, missbrauchte er sie sexuell. In mindestens vier Fällen verabreichte er tödliche Dosen.
Die Morde ereigneten sich zwischen dem 17. Juni 2014 und dem 13. September 2015. Port entsorgte die Leichen seiner Opfer in der Regel in Parks oder auf öffentlichen Plätzen in unmittelbarer Nähe seiner Wohnung, was später zu einem entscheidenden Hinweis für die Ermittler wurde. In einem Fall versuchte er, die Ermittlungen zu verwirren, indem er einen gefälschten Abschiedsbrief bei einem Opfer hinterließ.
Die Opfer
Anthony Walgate war das erste bekannte Todesopfer. Der 23-jährige Student aus Hull arbeitete gelegentlich als Escort, um sein Studium zu finanzieren. Port kontaktierte ihn über eine Escort-Website und vereinbarte ein Treffen in seiner Wohnung in Barking. Walgate wurde am 19. Juni 2014 tot vor Ports Wohnhaus aufgefunden. Port selbst hatte die Polizei gerufen und behauptet, einen bewusstlosen Mann auf der Straße gefunden zu haben. Die Obduktion ergab eine tödliche GHB-Überdosis. Port wurde zunächst wegen Vortäuschung einer Straftat verhaftet, da er über seine Beziehung zu Walgate gelogen hatte, kam aber gegen Kaution frei.
Gabriel Kovari, ein 22-jähriger slowakischer Staatsbürger, war nach London gezogen, um Arbeit zu finden. Er war zeitweise obdachlos und nutzte Kontaktplattformen, um Unterkunftsmöglichkeiten zu finden. Port bot ihm an, vorübergehend bei ihm zu wohnen. Am 28. August 2014 wurde Kovaris Leiche auf einem Friedhof nahe Ports Wohnung entdeckt. Auch hier ging die Polizei zunächst von einer Überdosis aus.
Daniel Whitworth, 21 Jahre alt, stammte aus Gravesend in Kent und arbeitete als Küchenchef. Er lernte Port online kennen. Am 20. September 2014 wurde seine Leiche auf demselben Friedhof gefunden wie Kovari, weniger als einen Monat nach dessen Tod. Bei Whitworth fand die Polizei einen handgeschriebenen Abschiedsbrief, in dem er sich angeblich für Kovaris Tod verantwortlich machte und Suizid ankündigte. Spätere forensische Untersuchungen zeigten, dass der Brief von Port verfasst worden war.
Jack Taylor, 25 Jahre alt, war das vierte und letzte bekannte Mordopfer. Er stammte aus Dagenham und arbeitete als Lagerarbeiter. Am 13. September 2015 wurde sein Körper in der Nähe der Abbey-Kirche in Barking entdeckt. Seine Familie drängte auf intensive Ermittlungen, und CCTV-Aufnahmen vom Bahnhof Barking zeigten Jack Taylor zusammen mit einem Mann, der später als Stephen Port identifiziert wurde. Dies war ein entscheidender Durchbruch.
Ermittlung
Die Ermittlungen der Metropolitan Police standen später massiv in der Kritik. Trotz erheblicher Ähnlichkeiten zwischen den vier Todesfällen – alle jungen Männer, alle in unmittelbarer Nähe zu Ports Wohnung gefunden, alle mit GHB im Körper – wurden die Fälle zunächst nicht miteinander in Verbindung gebracht. Familien der Opfer warfen der Polizei vor, die Ermittlungen nicht ernst genug genommen zu haben, weil es sich um schwule Männer handelte und man von Drogenmissbrauch in der Szene ausging.
Ein Wendepunkt kam nach dem Tod von Jack Taylor. Seine Familie und Freunde starteten eine eigene Nachforschung und legten der Polizei Beweise vor, die auf eine Verbindung zwischen den Todesfällen hindeuteten. Ermittler analysierten daraufhin die Fundorte, Todesursachen und den zeitlichen Ablauf neu. CCTV-Aufnahmen vom Bahnhof Barking zeigten Jack Taylor in Begleitung eines Mannes, dessen Beschreibung mit Port übereinstimmte. Eine Durchsuchung von Ports digitalen Geräten offenbarte Kontakte zu allen vier Opfern sowie zu weiteren Männern, die Port ebenfalls betäubt und missbraucht hatte, die aber überlebt hatten.
Am 15. Oktober 2015 wurde Stephen Port verhaftet. Bei Durchsuchungen fanden Ermittler GHB in seiner Wohnung sowie digitale Beweise, die seine Kontakte zu den Opfern belegten. Forensische Analysen des gefälschten Abschiedsbriefs bei Daniel Whitworth ergaben, dass Port der Verfasser war. Zudem konnten Ermittler nachweisen, dass Port die GHB-Dosen absichtlich so hoch gewählt hatte, dass sie tödlich wirkten.
Prozess und Urteil
Der Prozess gegen Stephen Port begann im Oktober 2016 am Old Bailey in London. Die Anklage warf ihm vierfachen Mord, mehrere Vergewaltigungen, sexuelle Übergriffe sowie das Verabreichen von Substanzen mit Tötungsabsicht vor. Insgesamt waren elf Männer von seinen Verbrechen betroffen, wenn man die nicht-tödlichen sexuellen Übergriffe einbezieht.
Die Staatsanwaltschaft präsentierte umfangreiche Beweise: digitale Kommunikation zwischen Port und den Opfern, CCTV-Material, forensische Nachweise von GHB, Zeugenaussagen von Überlebenden sowie die gefälschten Dokumente. Port bestritt die Vorwürfe zunächst, konnte jedoch die erdrückende Beweislast nicht entkräften.
Am 23. November 2016 sprach die Jury Port in allen Anklagepunkten schuldig. Der vorsitzende Richter beschrieb die Taten als "böse und abscheulich" und betonte, dass Port seine Opfer gezielt ausgewählt, manipuliert und getötet habe, um seine sexuellen Fantasien auszuleben. Am 25. November 2016 wurde Port zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt – ein sogenannter "whole life order", der bedeutet, dass er den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen wird.
Heute
Stephen Port verbüßt seine Strafe in einem britischen Hochsicherheitsgefängnis. Es gibt keine Aussicht auf vorzeitige Entlassung. Der Fall bleibt in der britischen Öffentlichkeit präsent, nicht zuletzt wegen der erheblichen Ermittlungsfehler der Metropolitan Police. Eine unabhängige Untersuchung nach dem Prozess kam zu dem Schluss, dass mehrere Polizeibeamte grobe Fehler begangen hatten, indem sie offensichtliche Zusammenhänge zwischen den Todesfällen übersahen und Hinweise von Angehörigen ignorierten. Familien der Opfer forderten Konsequenzen und Reformen in der Polizeiarbeit, insbesondere bei der Bearbeitung von Fällen im LGBTQ+-Umfeld.
2022 strahlte die BBC die Dramaserie "Four Lives" aus, die die Geschichten der vier Mordopfer und ihrer Familien erzählt. Die Serie erhielt breite Anerkennung für ihre sensible Darstellung und trug dazu bei, das öffentliche Bewusstsein für die systemischen Probleme in der Ermittlungsarbeit zu schärfen.
Der Fall Stephen Port gilt als eines der schwerwiegendsten Beispiele für Serienmorde in Großbritannien im 21. Jahrhundert und hat Diskussionen über Online-Sicherheit, Drogenmissbrauch und polizeiliche Vorurteile ausgelöst. Die Opfer werden von ihren Familien und Freunden in Erinnerung behalten als junge Männer, deren Leben viel zu früh und auf grausame Weise beendet wurden.
Medienberichterstattung
TV series
- The Grindr Killer Scandal: A Faking It Special(2026)
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